gedanken.fetzen. (#intermezzo)

(***)

die erste woche in der neuen arbeit – vorbei! jetzt stehen einige wochen haus.arbeit auf dem plan – der kinder.garten spielt leider nicht so mit, wie sie sich das wünschen würde.
aber es gibt auch von zuhause aus genug zu tun. also ran an den computer – und erstmal lernen. neue programme, neue systeme, neue texte – alles neu.
und so spannend!
weniger spannend sind allerdings die neuigkeiten aus dem büro. fast täglich erfährt sie, dass mitarbeiter, die mit ihr die neuen aufgaben übernommen haben, gekündigt werden – die erste kollegin schon nach vier tagen im neuen job.
kann das sein? waren all diese menschen so furchtbar, das sie keine chance verdient haben – wenigstens eine ganze woche lang?
sie bekommt ein bisschen angst – irgendetwas stimmt da nicht.
sie ist nicht einmal im büro anwesend! niemand weiß, was sie wirklich tut! oh ja, sie macht sehr viel, recherchiert, textet, sucht fotos aus – aber ist das genug? wird auch sie einfach kommentarlos gestrichen werden?

(***)

ungläubig blickt sie auf ihren kontostand.
noch immer kein gehalt! und das in der monats.mitte! dabei weiß sie genau, dass einige ihrer kollegen ihr geld schon bekommen haben. also stimmte es doch!
erst vergangene woche hatte sie ein gespräch mitanhören müssen – oder dürfen, vom jetzigen standpunkt aus betrachtet.
der akustisch recht gut gelegene schreibtisch direkt am oberen ende der wendel.treppe war jedenfalls ein toller partner in sachen ‚dinge, die ich eigentlich nicht hätte hören sollen‘.
es war aber auch nicht zu überhören gewesen, jenes gespräch am telefon. von fehlendem gehalt war die rede, von sympathie.werten, die anscheinend mit eine rolle spielen würden bei der frist.gerechten überweisung der gehälter.
aber das konnte doch nur eine über.reaktion sein, oder?
immerhin gab es doch so etwas wie dauer.aufträge? oder werden gehälter händisch überwiesen, je nachdem, wann geld da ist, oder wer es mehr verdient?
nein, das konnte nur ein scherz sein. das musste ein scherz sein!
nun, spätestens im kommenden monat würde sich das ja klären.

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wieder kein geld da. und sie war nicht die einzige! dabei hatte sie in den letzten tagen erfahren, dass manche ihrer kollegen nicht nur ein paar tage auf ihr gehalt warten mussten, sondern ein paar monate.
manche hatten sich sogar professionelle hilfe holen und ihr geld erstreiten müssen!
wie konnte man denn so über.leben? bei ihr stand schon nach zwei wochen die bank vor der tür und wollte geld sehen! was auch kein wunder war – der kredit wollte bezahlt werden, die kinder mussten ernährt werden, rechnungen flatterten regelmäßig ins haus.
diesmal musste die sache offiziell geklärt werden. in einem gespräch – mit allen beteiligten. vielleicht würde das klärung bringen.

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es hatte ein gespräch gegeben, ja. aber schlauer war sie jetzt nicht. es war die rede gewesen von geschirrspülern, von papier.fetzen auf dem fuss.boden, von persönlichen differenzen und unüberwindbaren querelen.
ja, auch das geld.thema war behandelt worden. sehr viele worte. fast zu viele, für ihren geschmack. politiker reden ja auch oft um den heißen brei herum – so ähnlich hatte das gewirkt.
ob sich kommenden monat jetzt alles ändern wird?

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der koch ist außer haus. allen listen zum trotz muss er eine woche lang seinen arbeitsplatz verlassen. und schon wieder taucht etwas neues auf – ‚koch doch das mittagessen für alle kollegen‘. spannend, essen machen für so viele leute, wenn zuhause nur für ein paar gekocht wird.
aber es klappt!
auch der eingeführte glas.sammel.container kommt bei den kollegen in der küche gut an – müll.trennung ist immerhin ein wichtiges thema!
ihr selber schmeckt die mahlzeit recht gut – den anderen aber scheinbar noch besser, immerhin gehen die meisten mehrmals zum kleinen buffet und holen nach.schlag.
umso spannender, dass niemand auch nur ein wort verliert.
kein ‚danke‘, kein ‚es schmeckt sehr gut.‘
war nicht letztens noch die rede von gegenseitigem respekt? fällt nicht ‚danke‘ auch in die kategorie respekt?
vielleicht betrifft der respekt ja nur ein paar von den kollegen, nicht alle – manche schweine sind eben gleicher als andere, das wusste schon george orwell.

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neuerdings ist es ganz angenehm. es ist ruhig, sie arbeitet an einem selbsterdachten konzept für kinder.unterhaltung, die grundzüge sind schon fertig, es macht spaß! auch die kollegen sind angenehm, vielleicht lag doch alles nur an den sonnen.stürmen. vielleicht war die aufregung der letzten wochen nur aufgebauscht von der sommerlichen hitze.
auch wenn die entscheidung, einen lieben kollegen nicht mehr im büro arbeiten zu lassen, nicht ganz nachvollziehbar war. vor allem in anbetracht der tatsache, dass er der einzige ist, der die wirklich wichtigen dinge weiß. aber das scheint niemanden zu stören.
sie am aller.wenigsten. ihr kontakt bleibt ja bestehen, auch wenn er nicht im büro neben ihr sitzt.
das macht die arbeit zwar weder schneller noch einfacher – aber was erträgt man nicht alles für den lieben seelen.frieden?

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wer poltert denn da die treppe hoch?
oh, der küchen.chef. anscheinend hat er den glas.sammel.behälter in der küche entdeckt und kann es kaum glauben, dass in seiner küche jetzt müll getrennt werden soll!
muss denn ein unternehmen nicht müll trennen? muss das nicht jeder – allein schon der umwelt, den eigenen kindern, dem gewissen zuliebe?
na gut, dann hört sie sich eben an, was er zu sagen hat.

was? sie soll zuständig sein für die müll.trennung in der küche? aber ist ihr job nicht das schreiben? das ausbessern? ok, vielleicht auch mal das kochen und ausräumen des geschirr.spülers, aber sicher nicht die müll.trennung!
lustige, kreative und spannende kinder.unterhaltung zu erdenken ist schon nicht einfach, wenn man nur halbtags arbeitet – aber die mülltrennung?
na gut. nicken, lächeln, wieder nicken – und vergessen.

die liebe kollegin macht es dann doch. telefoniert herum, organisiert, fragt nach, macht aus – und bekommt am ende kostenlose test.container. was man mit ein wenig engagement und freundlichkeit am telefon nicht alles erreichen kann!
umso unverständlicher dann die erkenntnis – alles für nix.
geheim werden die test.container abbestellt. es ist ja auch wirklich viel besser, alles pro.forma zu trennen und dann doch wieder in eine tonne zu kippen.
unverständnis macht sich in ihr breit – man macht doch nicht alles im leben nur für den schein!

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willkommen im team! eine neue kollegin kommt dazu. es hat den anschein, als müsste diese alles machen, alles übernehmen – aber geht das denn? aus eigener erfahrung weiß sie, dass es dauert, bis man die abläufe versteht, dass viele fragen beantwortet werden müssen, bevor man loslegen kann. aber es ist niemand da, der die vielen fragen beantworten kann.
die neue bekommt ein hand.buch. und los!
sie tut ihr schon fast ein wenig leid – so alleingelassen in den weiten der vielen programme, die es zu erlernen gilt.
kann diese eine neue mitarbeiterin wirklich andere ersetzen, die sich lange mit der thematik befasst haben? kann man nur aus einem hand.buch abläufe erlernen? ginge das nicht viel effektiver in persönlichen gesprächen?
wieder kommt das unverständnis, es flüstert
‚pass auf! nimm dich in acht!‘
diesmal beschließt sie, nicht wegzuhören.
denn weghören stört den seelen.frieden fast noch mehr.

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eine kollegin verabschiedet sich in den urlaub.
aber nicht irgendeine kollegin – nein, die einzige, die sich mit dem waren.versand auskennt. schon wieder kommt das unverständnis.
urlaub? und wie sieht es mit dem versand aus? wer macht das jetzt?
bestellte ware verlässt das haus ohnehin nur einmal wöchentlich – müssen kunden dann wirklich nahezu drei wochen warten, bis ihre bestellung bei ihnen ankommt?
sie würde bei so einer firma ja nichts mehr bestellen – aber das sehen offenbar nicht alle im unternehmen so.
peinlich berührt nimmt sie also weiterhin telefonische bestellungen an – wissend, dass die erwartungsvollen kunden recht lange werden warten müssen. aber – sagt man so etwas am telefon?

(***)

es muss sein, so geht es nicht, sie kann nicht mehr.
welch ein glück, dass der vertrag einfach nach drei monaten endet. so erspart sie sich das kündigen – oder gekündigt werden.
der chef ist kaum anwesend – und wenn, dann blickt er zu boden, ist beschäftigt, spricht nicht mit ihr.
na gut.
zuständige stellen, die es wissen müssen, empfehlen ohnehin eine schriftliche mitteilung an den obersten chef – gut, dann wird sie das so machen.
die stunden vergehen, die tage, keine reaktion. ist der zettel veschwunden?
nein. das gibt es doch eigentlich nicht.

nichts ist verschwunden – es redet nur keiner mehr mit ihr. nun, sie hat nicht erwartet, dass sie mit freuden verabschiedet wird. aber kein wort? kein mail? nicht mal ein händedruck? nichts?
nichts.
ganz im gegenteil – obwohl vereinbart war, dass sie noch ihre arbeit beendet, werden alle zugänge gelöscht.
ist das angst? angst, dass sie irgendetwas unüberlegtes tun könnte? texte löschen? texte verändern?
aber sowas würde sie doch nie tun!
sowas kommt nur menschen in den sinn, die selbst so etwas machen würden – davon ist sie überzeugt!

(***)

ein paar wochen sind ins land gezogen.
und die traurige erkenntnis – manchmal ist es besser, bestimmte dinge hinter sich zu lassen.

keiner der lieben kolleg/innen, mit denen sie arbeiten durfte, ist mehr im unternehmen tätig, alle werden ausgetauscht gegen –
ja, gegen wen eigentlich?
wer kümmert sich nun um die website? um den inhalt von newslettern? um die kinder.seite?
und vor allem – wer zeigt den neuen, was gemacht werden muss?
oder ist es eher der plan, die abteilung, in der sie arbeiten durfte, einschlafen zu lassen?
anders kann sie sich diese entscheidungen nicht erklären.

sie ist sich sicher – die wenigsten dieser entscheidungen hat sich vorher jemand durch den kopf gehen lassen.
aus dem bauch heraus – das ist wunderbar, wenn es um die liebe geht. aber bei der führung eines unternehmens?
das sollte vielleicht auch ein wenig nachgedacht werden.

oder – ist das vielleicht die art dieser menschen, nachzudenken?

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3 Kommentare zu “gedanken.fetzen. (#intermezzo)

  1. Pingback: vom harten leben der #lehrer und -innen. (#kolumne) | sinn.wort.spiel.

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