werte bürger und bürger. (#kolumne)

als interessierte österreicherin verfolgt frau ja die bericht.erstattung in sachen wahl.
nicht so sehr, um herauszufinden, wen sie wählen soll, nein –
eher als bestätigung dessen, was sie ohnehin schon wählt.
in all den diskussions.runden fällt beim zusehen aber eines auf –
die frauen sind aus den begrüßungs.floskeln vollkommen verschwunden.
und das nicht nur in österreich, auch in deutschen wahl.sendungen ist das phänomen anzutreffen:
ein (meist männlicher) kandidat richtet sein interesse an die zuseher/innen und eröffnet seine rede mit den worten:

werte bürger und bürger!

beim ersten mal glaubt man da noch an ein versehen, beim zweiten mal denkt man sich
ach, die nuscheln doch alle!
beim dritten mal, in einer bundesdeutschen wahl.rede, überlegt man dann schon, ob dies die neue geschlechts.neutrale anrede ist.
ich mein, das könnt ja sein, nicht wahr?
in zeiten, in denen an der uni leipzig ein männlicher lehrender mit den worten
‚guten morgen, herr professorin!‘
begrüßt wird, ist alles möglich.
doch fehl.anzeige –
eine kurz.recherche zeigt –
eine solche übereinkunft gibt es nicht.

doch woran liegt es dann?
absicht kann es ja wohl kaum sein.
dann eher mangelndes interesse an der vollständigen aussprache deutscher worte.
das innen ist aber auch einfach zu vernuscheln, nicht wahr?
oder impliziert ein ‚liebe mit.bürger und mit.bürger‘, dass männer die besseren mit.bürger/innen sind?
so schnell werden wir das wohl nicht erfahren.

fakt ist:
aus dem mund einer weiblichen politikerin kamen diese worte wohl noch nie.
also doch ein männliches phänomen?
vielleicht die unachtsamkeit, die weibliche form mitauszusprechen?
oder fehlt es den herren an der zeit, ein kleines wort achtsam auszusprechen?

wenn ja, dann nein danke.
ich wähle lieber jemanden, der sich den bruchteil einer sekunde zeit nimmt für das wörtchen innen, das mir sagt:
hey, er meint auch mich!

***

(wer sich davon überzeugen möchte, bitte sehr, ein beispiel: einfach das video hier ansehen und bei 1’29“ genau zuhören.)

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© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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15 Kommentare zu “werte bürger und bürger. (#kolumne)

  1. so. und ab jetzt ist dieser beitrag für kommentare geschlossen. das schöne ist, ich darf das – es ist ja mein beitrag. und das ist auch keine zensur, nein – ich möchte diese (für mich) vollkommen sinnbefreite diskussion nicht weiterführen.
    ich bitte um verständnis – danke.

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    • das ist kein generisches maskulinum. dann würden sie nämlich nur ‚liebe wähler‘ sagen.
      und warum das blöd ist? weil es vollkommen auf die frauen vergisst – ein raub dieses veralteten konstrukts ist in zeiten wie diesen längst überfällig.

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      • In diesem speziellen Fall ist es ein völlig verschlucktes „innen“ und ein Maskulinum gewesen, nehme ich an.

        Das ist der einzige Punkt, wo ich weiter auf die Angleichung der Deutschen an die Englische Sprache hoffe: das überflüssig verkomplizierende „und -innen“ verschwände wieder.

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        • ja, klar war es das. ;) find ich trotzdem doof.
          allerdings hat die englische sprache einen riesengroßen unterschied – dabei sind alle wörter einfach da, ohne von anfang an männlich zu sein – oder weiblich, weil: es gibt kein weiblich. zB doctor, politician, people.
          bei uns aber ist das grundwort männlich – und das ist schon ein problem.

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          • Oh, die Worte sind sehr wohl männlich oder weiblich, wie auch deutsche Worte. Siehe steward/stewardess, waiter/waitress … Es gibt auch Deutsche Worte, deren Grundwort weiblich ist. English speaking people machen nur kein Politikum daraus.

            Ich bitte dann darum, mit der männlichen Form von „Mutter“ benannt zu werden (Vater ist das aber nicht!) …

            Nein, dieser Sprachkampf ist meiner Meinung nach überflüssig wie so vieles.

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            • ja, da hast du natürlich recht – allerdings sind diese bezeichnungen viel weniger als im deutschen.
              english speaking people – da hammas schon. das umfasst alle, kein nur männlich oder -innen. verstehst du? genau darum gehts! wenn von allen die rede ist, dann muss man bei uns unterscheiden – das ist quatsch!
              und dein kommentar zu „mutter“ ist einfach nur dumm und polemisch – sorry. immerhin ist mutter etwas, was ein mann nie sein kann.
              genau wegen solcher kommentare wirkt die diskussion rund um dieses thema, als wär das thema an sich ein lächerliches.
              aber das ist es nicht!
              gerade in zeiten, in denen frauen noch immer viel weniger verdienen (bei gleicher qualifikation und gleichem job) und ich bei vorstellungsgesprächen gefragt werde, wie viele kinder ich noch plane (das ist eine diskriminierung!) wäre es wichtig, männer und frauen GEMEINSAM zu benennen.
              und genau an männern wie dir, die frauen zwar gleichberechtigt behandeln, aber vergessen, dass dies nicht alle männer tun, scheitert es mit der gleichberechtigung.

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