studie menschlichen fehl.verhaltens – nach einer wahren begebenheit. (#kolumne)

menschliches fehl.verhalten kann sehr oft beobachtet werden.
vor allem aber dann, wenn viele menschen zusammen.kommen, wenn menschen.massen sich auf kleinen plätzen zusammenquetschen, wenn die temperatur steigt – und der stress.pegel gleich mit.
wie zum beispiel auf einem kirtag.
(ein kirtag ist eine art kirmes.)

ein beispiel gefällig?
man stelle sich folgendes szenario vor:

auf einem podest, ein stückweit oberhalb des erd.bodens, steht das allseits beliebte ketten.karussell.
um das podest zu erklimmen, müssen ein paar sehr schmale treppen bewältigt werden – mit kleineren kindern ist schon das ein abenteuer.
unten warten sehr viele kinder mit ihren eltern darauf, an die reihe zu kommen und eine freie schaukel zu ergattern.
kinder.augen leuchten, fast wie unter dem weihnachts.baum.
nun gibt es der enge des platzes wegen aber keine geordnete warte.schlange, nein, die wartende menge steht rund um das sich doch recht schnell drehende karussell.
sobald die schaukeln langsamer werden und wieder näher an das podest kommen, geht es los.
wie die hyänen stürzen sich angeblich gut.menschliche eltern auf die menschen in den schaukeln, die sich noch drehen und so die aufgeregte schar ein stückchen mitschleifen.
es wird gestossen, gedrängelt, geschimpft und geboxt.
aus der entfernung betrachtet scheint dies ein lustiges spiel zu sein.
aber aus der nähe?

endlich ergattere auch ich eine schaukel, die fahrt geht los.
die fünf.jährige vor mir kreischt vor vergnügen und wischt sich die wehenden haare aus dem gesicht, sie winkt mir von vorne zu.
wir fliegen hoch durch die luft –
doch unter uns sehe ich schon die wartende meute.
keine sorge,
sage ich mir,
die kleine hat ja mich dabei, was soll schon passieren?
wir werden wieder langsamer, sinken in richtung erd.boden, zu schnell ist die wilde fahrt vorbei.

und dann geht es los.
der zwölf.jährige hinter mir wird von gleich.altrigen aus der schaukel gezerrt, noch ehe sie zum still.stand kommen kann.
eine aufgeregte mutter hält meine schaukel fest, rot glühen ihre backen, sie hastet einige schritte hinter meiner schaukel her –
und als ich aufstehe, bekomme ich einen stoß, sodass ich fast die treppen hinunterstolpere.
darauf war ich nun wirklich nicht gefasst.
die fünf.jährige vor mir wird von derselben mutter mehr als unsanft aus der schaukel gezerrt, sie schlägt sich den kopf am rand der schaukel, tränen blitzen aus den gerade noch so fröhlichen augen.
ich nehme die kleine auf den arm, schleudere der hyäne von eben einen satz hin, den ich nicht noch einmal wiederholen möchte, und gehe davon.
unten angekommen sieht man auch schon die folgen dieses gerangels, der kopf und die wange der fünf.jährigen leuchten in strahlendem rot.
der zwölf.jährige beschließt, noch eine runde zu wagen.
doch weit gefehlt –
was macht ein liebens.würdiger zwölf.jähriger in einem rudel aufgeregter hyänen?
genau, er bekommt keine freie schaukel.
jedenfalls dann nicht, wenn er es ablehnt, kleinere kinder zu schubsen.

die beiden angestellten am ringel.spiel schauen in die luft.
oder ziehen an ihren zigaretten, wahl.weise.
solche szenen sehen sie wohl des öfteren.
doch – wann ist das ‚geregelte anstellen‘ aus der mode gekommen?
als ich ein kind war, musste ich warten, bis ich an der reihe war. dann kam ein netter junger bursch, nahm mir die karte ab, setzte mich in die schaukel und verriegelte den sicherheits.bügel.
erst dann konnte es losgehen.
niemals hat mein vater einem kind die schaukel entrissen, niemals meine mutter ein anderes kind gestoßen.

sicherheits.bügel?
den verriegeln über.mächtige eltern.
anstellen?
muss man sich nur mehr an der kassa.
dabei wäre es wahrlich einfach:
man spanne ein seil um das ringel.spiel und lasse nur so viele menschen hinein, wie es freie schaukeln gibt.
schon ist dem hyänen.rudel einhalt geboten.

natürlich könnte es auch ohne derart ‚drastische‘ maßnahmen funktionieren.
dann nämlich, wenn die menschen sich zeit nehmen würden, zu warten.
dann, wenn allen nicht nur ihr eigenes kind am herzen läge, sondern alle menschen –
kinder wie erwachsene.

das einst so beliebte karussell hat nun einen schalen bei.geschmack.
fahre nur mehr im ringel.spiel, wenn du eine warte.schlange entdeckst,
ist die devise.

dann dauert es vielleicht länger, bis man drankommt –
die fahrt wäre aber auch noch in der erinnerung toll.

***

2013-09-22-16-32-10
(rupertikirtag 2013, salzburg)

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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Ein Kommentar zu “studie menschlichen fehl.verhaltens – nach einer wahren begebenheit. (#kolumne)

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