das zweite gesicht. (#kolumne)

soziale netz.werke sind toll.
lang verschollene freund/innen tauchen wieder auf, ehemals untergetauchte arbeits.kolleg/innen werden wieder zu guten freunden, eigentlich unbekannte nehmen einen fixen platz im täglichen sozialen netz.werken ein.

besonders spannend ist es, in den profilen der anderen herumzusuchen.
nackt.fotos aus dem letzten urlaub, trink.fotos vom letzten sauf.gelage, kinder.fotos aus einer zeit, als die gummi.stiefel noch aus leder waren,
und segens.reiche status.meldungen.
wer war wann wo mit wem auf welchem klo, und warum?
toll!
genau das wollte ich schon immer wissen.

wobei –
ich würde lieber unzählige status.meldungen über die verdauung meiner mit.poster/innen lesen, als kommentare, die mit folgendem satz beginnen:
eigentlich bin ich ja nicht gegen ausländer/innen, aber…

ja, ich gebe zu – ich bin da vielleicht über.sensibel.
aber seit ich einen artikel gelesen habe, der erläuterte, wie einfach es soziale netz.werke und foren aller art machen, braunes gedanken.gut unter die menschen zu bringen, seitdem bemerke ich:
es stimmt.

hier wird mit einem lächeln ein status geteilt, den sich niemand laut vorzulesen trauen würde.
dort werden meldungen ‚geliked‘, deren inhalt auch von einschlägigen seiten stammen könnte.
alles unter dem deck.mantel der freien meinungs.äußerung.
besonders schlimm finde ich es, wenn menschen solche dinge von sich geben, die ich zu kennen meine, die ich eigentlich zu meinen freund/innen zähle.
denn die erfahrung zeigt:
schon ein kleiner kommentar in richtung
weißt du eigentlich, was du da schreibst? 
zeigt dann das zweite gesicht.

selten folgt die ein.sicht, dass es vielleicht nicht zum guten ton gehört, xenophobische meldungen in die unweiten des internets zu senden.
meistens ist es so, dass man beschimpft wird, weil es ja wahr ist, weil es endlich mal jemand sagt.
es scheint so einfach, anonym menschen zu verunglimpfen.

und es geht wahrlich nicht nur um xenophobie.
sämtliche minderheiten dieser erde bekommen ihr fett ab, arbeits.kolleg/innen werden semi.öffentlich belächelt, schul.kolleg/innen in sozialen netz.werken gemobbt.

mittlerweile hab ich es aufgegeben, dagegen zu kämpfen – zumindest nicht im internet.
zu groß ist die gegenseitige unterstützung derer, die jene sätze mit
…, aber …
von sich geben.
selbst das wöchentliche melden von seiten, die eindeutig dem braunen lager zuzuordnen sind, bringt nichts.
(ich mache es aber trotzdem, irgendwo in mir hab ich noch die hoffnung, dass es helfen  könnte.)
anstatt mich stunden.lang in diskussionen zu verstricken und gegen massen von kommentaren zu kämpfen, entfreunde ich diese menschen.
vielleicht auch nicht die feine, englische art, aber die erfahrung zeigt:
mit argumenten erreicht man in der kommentar.funktion rein gar nichts.

wann ist es in mode bekommen, so feige zu sein?
die wenigsten jener schreiberlinge stehen im echten leben zu ihren meinungen, da könnte ja jemand bessere argumente haben.
daheim, geschützt, hinter dem bild.schirm, da ist es natürlich einfach, das zweite gesicht zu zeigen.
da ist es einfach, besser, toller, cooler und gescheiter zu sein.

oder einfach nur unglaublich bescheuert.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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4 Kommentare zu “das zweite gesicht. (#kolumne)

  1. Lach, ja und so ein Blog, auch deiner gehoert dazu, zu diesen“ bescheuerten“sozialen Netz. Jedes Posting, jeder Song, jedes Bild, jeder Hashtag soll etwas erzaehlen, wenn wir sie posten, auch dieses Posting von dir erzaehlt etwas ueber dich und dieser Kommentar ueber mich. Im Grunde macht und jeders Posting nakt, mit oder ohne Ledergummistiefel:-).

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    • das ist quatsch.
      nirgendwo schreib ich, dass netzwerke an sich bescheuert sind. und xenophobisches oder dergleichen kannst du bei mir lang suchen – darum gehts. nicht, DAS etwas erzählt wird – nur darum, wie leicht es ist, online anonym zu schimpfen.
      ich schreibe 1. kaum wirklich persönliches (wie meine erfahrungen am klo), noch bin ich anonym.
      und gegen minderheiten schimpfe ich sowieso nie.
      es wäre super, wenn man beiträge versteht, bevor man sich dazu äußert – aber danke: ;) dein kommentar trifft den sinn meines artikels: gleich mal losmotzen, aber vor einem völlig anderen hintergrund. ;) (hihihi, nicht persönlich nehmen, gell!)

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