vom ideellen wert der arbeit. (#kolumne)

wer arbeitet, möchte entlohnt werden.
das klingt jetzt nicht nach einer besonders neuen oder besonders aufregenden erkenntnis – genauer betrachtet ist es das aber.

es gibt ja bekanntlich verschiedene arten der entlohnung.
einerseits bekommt man für erbrachte leistung geld.
angenehme sache, da lebt es sich gleich ein wenig einfacher.
andererseits bekommt man für leistung auch wert.schätzung.
menschen bedanken sich, man erkennt, was man mit ein wenig aufwand alles geschafft hat –
und das kann so viel mehr sein als der monatliche gehalts.scheck.
vor allem jene unter uns, die in sozialen bereichen arbeiten, berichten von strahlenden augen, von hände, die liebevoll gedrückt werden, von einer kleinen umarmung.

und dann gibt es noch jene arbeit, die einem höheren ziel dient.
die versucht, dinge zu verändern, in eine bessere richtung zu lenken.
auch hier freut man sich über lobende worte, über entlohnung der einen oder der anderen art.
und wahrlich am meisten freut man sich, oder: freue ich mich, wenn ich sehe, dass ich etwas bewirken kann.
dass ich menschen erreiche mit dem, was ich tue.
manchmal ist das schöner als ein scheck.

die wahrheit aber ist eine andere:
es geht nicht ohne.
mögen die ziele und werte noch so lobenswert sein –
ganz ohne finanziellen polster ist es schwer, hehre ziele zu verfolgen.
was interessieren mich luft.schlösser, wenn ich mein eigenes kleines schloss nicht bezahlen kann?
wie soll ich meine gedanken dem großen ganzen zuwenden, wenn ich mir sorgen über die nächste mahlzeit für die kinder machen muss?

und doch probiere ich es immer wieder.
lasse mich von schönen worten und wunderbaren floskeln einlullen.
höre mir gebetsmühlenartig hervorgebrachte sätze an –
und denke mir:
ja!
das ist es!
ich kann dabei sein, ich kann großes bewirken!

dann investiere ich zeit.
gedanken.
grüble über die perfekte wort.wahl, die perfekte satz.stellung, den einen, perfekten punkt, der den satz zu etwas besonderem macht.
dann lasse ich echte aufträge links liegen –
was soll ich denn damit, wenn ich helfen kann, die welt zu verbessern?
was brauche ich die finanzielle entlohnung, wenn ich so viel mehr haben kann –
ein stück vom paradies vielleicht?

doch die erfahrung lehrt mich –
erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

die perfekten worte wollen nicht kommen.
wie auch?
ohne eingehende recherche und wissen um das, was man schreibt, gibt man bloß leere wort.hülsen von sich.
auch scheinen die worte ungelesen zu verpuffen, denn:
selbst edle welten.retter brauchen einen plan, ein konzept hinter dem, was sie tun.
nein.
gerade edle welten.retter brauchen einen plan, ein konzept hinter dem, was sie tun.
unbeantwortete fragen stehen im raum.
stattdessen gibt es unzählige phrasen und formulierungen, die immer und immer wiederkehren.
ohmmm.

am ende sitze ich vor meinem computer, versuche worte zu finden, versuche mich einzubringen, versuche festzustellen, worum es eigentlich geht –
und scheitere.
vielleicht reicht es mir einfach nicht, teil eines großen ganzen zu sein, mich mit schönen, wenn auch sinnentleerten worten abfertigen zu lassen – und schließlich einsehen zu müssen:
ich bin nichts weiter als lieferantin.
ich werde so wohl nichts verändern, niemanden erreichen, der zukunft kein neues gesicht geben können.
ich arbeite einfach nur kosten.los.

auf dem boden der tatsachen angekommen schlage ich in meinem dicken schwarzen notiz.buch eine neue seite auf.
genügend arbeit ist liegen geblieben.
wer arbeitet, möchte für diese arbeit entlohnt werden.
vor allem, wenn es arbeit ist, die mir am ende des monats hilft, rechnungen zu bezahlen.
arbeit, die genau so wert.voll ist – die jedoch ohne guru.haftes wesen auskommt, ohne schön.malerei.
arbeit, die vielleicht nicht die zukunft verändert – die aber jemandem hilft, seinen traum zu verwirklichen.

was gibt es schöneres?
für mich –
nichts.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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