von schäumen, träumen – und ab.schäumen. (#kolumne)

lange hab ich es nicht mehr gehört, ich dachte schon fast, es sei eingeschlafen, es wache vielleicht nie wieder auf –
nun, schade drum wär’s nicht, um das wort ab.schaum.
zumindest nicht aus meinem kleinen blick.winkel.

eigentlich stammt dieses wort ja aus der küchen.sprache:
ab.schaum entsteht beim kochen eiweißhaltiger zutaten in flüssigkeiten, verrät mir das internet, zum beispiel bei der zubereitung einer fleisch.suppe, und besteht aus eiweiß, das aus den zellen ausgetreten ist. der ab.schaum ist zu beginn ein weißlicher schaum, wird dann aber grau. um die flüssigkeit nicht zu trüben, wird der ab.schaum mit einem schaum.löffel abgeschöpft – man schäumt ab.

ab.schaum wird umgangs.sprachlich aber auch für schlechte menschen, für den pöbel verwendet – der apostel paulus ist angeblich der erste, der diesen begriff benutzte.

in meiner umgebung wird dieses wort jedoch nur sehr selten benutzt – schlechte menschen bezeichne ich als schlechte menschen, dass der pöbel nicht der anfang allen übels ist, hat sich mittlerweile auch schon herumgesprochen, und die wirklich sehr schlechten, bösen, kriminellen menschen halte ich entweder für krank oder einfach kriminell.
jemanden als ab.schaum zu bezeichnen, das würde mir im traum nicht einfallen.
schon gar nicht, wenn es sich um menschen handelt, die von meinem blick.winkel aus nichts mit den gemeinhin als ab.schaum bezeichneten menschen zu tun haben:
ausländer/innen, drogen.süchtige, arbeits- oder heimatlose.

umso sprach.loser macht es mich, wenn ich dieses wort dann doch einmal in so einem zusammen.hang höre, denn:
ein  süchtiger ist krank, bemitleidenswert, er bedarf unserer hilfe – doch er ist kein ab.schaum, nur weil er sein leben nicht allein in den griff bekommt.
arbeits- oder heimatlose sind ebenso bemitleidenswert – wo sollen sie hin, was sollen sie tun, wie geht es ihnen überhaupt?
und menschen aus anderen ländern – nun, warum sollten diese per se zum ab.schaum gehören?

ja, es gibt menschen, die aus dem ausland kommen und böse dinge tun.
es gibt auch menschen, die hier geboren sind – und noch viel bösere dinge tun.
und natürlich möchte ich nicht, dass meine kinder ständig dort abhängen, wo süchtige ihrem laster nachgehen.
klar.
aber eines möchte ich ganz gewiss:

ich träume davon, dass meine kinder eines tages die welt dort draußen allein betreten, ohne mama oder papa, und dass sie sich auskennen.
dass sie wissen, welche probleme es in unserer gesellschaft gibt, wie sie diesen entgegentreten können, vielleicht sogar, wie sie aus den problemen anderer fürs eigene leben lernen können.
ich träume davon, dass meine kinder lernen, dass das fremde an sich nicht schecklich ist, sondern eine chance – egal ob es sich um menschen aus einem anderen land, mit einer anderen religion, einer anderen hautfarbe, einer anderen sexuellen orientierung handelt.
und ich träume davon, dass meine kinder niemals das wort ab.schaum in den mund nehmen – vor allem dann nicht, wenn es  sich um probleme wie drogen.sucht oder ausländertum handelt.

vielleicht sind diese träume bloß weißliche schäume, wer weiß das schon.
vielleicht bin ich aber auf dem richtigen weg.

denn meine kinder laufen nicht schreiend davon, wenn jemand mit einer nadel im arm auf dem boden liegt, und echauffieren sich zuhause im warmen wohn.zimmer über den heimat.losen ab.schaum, der es wagt, ihren blick zu kreuzen.
nein.
meine kinder trauen sich, zu helfen.

sollten wir das nicht alle tun?

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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18 Kommentare zu “von schäumen, träumen – und ab.schäumen. (#kolumne)

  1. Das ist eine unglaublich gelungene Kolumne, wie ich finde. Dieses Wort „abschaum“ oder wie du schreibst „ab.schaum“ ist eigentlich wirklich sehr gebräuchlich hier. Und du hast schon Recht, dass der Zusammenhang total Missbraucht wird. Ich mag es, wenn Menschen (wie du), sich Gedanken um so etwas machen und das ganze eigentlich sogar Realistisch sehen. :)

    Lob und Grüße an dich.

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