die freuden der virtuellen welt. (#kolumne)

guten tag, mein name ist xy, ich möchte gerne Ihrem netzwerk beitreten.
nett.
aber klar, ist doch heutzutage so wichtig, das eigene netz.werk, das vernetzen der verschiedenen branchen, menschen – und überhaupt.
netz.werken ist das, was früher das tratschen am garten.zaun war – nur ist es jetzt irgendwie cooler, urbaner, just follow the flow.
der größte unterschied zum kaffee.tratsch am garten.zaun ist aber, dass man die gesprächs.partner/innen früher gesehen, ach was schreibe ich denn?, dass man sie früher gekannt hat.
so echt, also mit die hat grüne augen und braune haare und eine warze auf dem rechten kleinen finger.

dieser xy, der möchte dem wunder.ding netz.werk eine neue, persönliche note verleihen, und fragt um ein treffen an.
was bringt denn netz.werken, ohne persönliche aktivität?, fragt er, Sie werden sehen, Sie können nur profitieren, und wenn doch nicht, dann haben wir eine stunde nett geplaudert.
ob er wohl einen garten.zaun hat?
ich wundere mich.
und sage ab.
ich habe etliche kontakte, die ich nicht persönlich kenne, die aber wirklich einmal nützlich sein könnten.
auch welche, die ich noch nie in der analogen welt getroffen habe – die ich aber trotzdem sehr schätze.
und wenn ich mir überlege, wie ich meine kontakte in china oder neuseeland besuchen soll, um mal ein stündchen nett an irgendeinem zaun mitten im nirgendwo zu plaudern – da brauche ich wohl vorher noch einen lotto.gewinn.
und zeit, unendlich viel zeit.

die neugier ist aber bekanntlich ein hund.
also schau ich mir den link an, den xy mir geschickt hat, zu seiner website.
ich muss gehörig suchen, bis ich ihn dann endlich finde –
tippfehler in links führen leider oft nicht zum gewünschten ziel.
nach einigem herumgetippe finde ich ihn.
seine website entpuppt sich als vorstellung eines mitarbeiters in einem unternehmen.
darunter die vielzitierten kunden.bewertungen.
oh, herr xy hat mir so geholfen.
und
das erste mal fühlte ich mich gut aufgehoben. 
oder
danke, herr xy, für die tolle beratung.
seit meiner erfahrung mit agenturen, die exakt solche bewertungen für 2euro60 verkaufen, weiß ich, was ich davon zu halten habe.
nichts.
und selbst, wenn die bewertungen ehrlich sind, nein danke.
hat mir herr xy nicht versichert, er sucht keine neuen kund/innen, er ist nicht darauf aus, micht zu beraten?
nein, sicher nicht.
der herr xy sucht nur neue kontakte, nein, auf keinen fall neue kund/innen.
natürlich.
wie komm ich nur auf den gedanken?
und mir fällt auf:
der herr xy ist hartnäckig.
immer wieder schreibt er mir, warum ich seine anfrage denn beantwortet habe, wieso und was denn und eigentlich echt.

nein.
ich möchte herrn xy nicht treffen.
nicht nur, weil meine mama mir immer gesagt hat:
triff dich nicht mit menschen aus dem internet, die du nicht kennst.
nein.
ich betrachte mein netz.werk als quelle.
wann immer ich ein schlückchen inspiration brauche, trete ich an die quelle heran und tauche meine hände hinein, erfrische mich und genieße das kühle wasser.
und nicht selten bleiben genau jene tropfen hängen, die ich gesucht habe.
die mir weiterhelfen.
und ich weiß, dass meine kontakte das auch so machen.
so sind alle glücklich und zufrieden.

nur herr xy vielleicht nicht.
aber das macht nichts.
ich muss ich damit abfinden, es nicht allen recht machen zu können.
von wollen möchte ich an dieser stelle gar nicht schreiben.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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2 Kommentare zu “die freuden der virtuellen welt. (#kolumne)

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