ein neuer trend. (#kolumne)

manchmal sind die komischsten dinge in mode.
momentan liegt
ich mache, was ich will, und poche auf mein recht
stark im trend.

wer in sozialen netz.werken aufmerksam liest, der findet eine reiche auswahl an menschen, die nach diesem motto leben.
beliebtestes beispiel:
ich setze mich in ein lokal, bestelle etwas, das nicht auf der speise.karte steht – und reg mich dann wahn.sinnig darüber auf, dass ich es nicht bekomme.
oder auch:
ich gehe in ein geschäft, auf der suche nach grell.orangen strumpfhosen – und beschimpfe die dame an der kassa, weil es keine gibt.
toll.
wahlweise könnte ich mich auch beim fern.sehen beschweren, weil abends nicht mein lieblings.film gezeigt wird.
oder beim radio, weil mein lieblings.song nicht in dauer.schleife läuft.
und natürlich beim christ.kind, weil es mir jedes jahr wieder die falschen geschenke bringt.

wann hat das begonnen, dass jeder seine persönlichkeit ausleben muss – auf biegen und brechen, und vor allem auf kosten anderer?
wie kommt man nur zu der annahme, man könne in einem lokal bestellen, was immer man möchte, wann immer man es möchte?
ich kann meinen gästen zuhause ja auch nicht all das anbieten, wonach ihnen der sinn steht – sondern nur das, was ich geplant, gekocht und vorrätig habe.
und sollte dann, wie im falle der strumpf.hosen, irgendetws nicht mehr vorrätig sein – nun, so ist das leben.
dann esse ich eben etwas anderes.
(aber keine strumpf.hosen.)

wieso steuert unsere gesellschaft in richtung
wenn ich etwas haben will, dann will ich es, und zwar sofort!
?
wieso sind persönliche bedürfnisse immer an erster stelle?
und wie kommt man auf die idee, immer recht haben zu müssen – und dann diese irrige annahme auch noch laut.stark zu verteidigen?

ich denke schon seit einigen tagen über dieses thema nach.
und ich finde einfach keine antwort.
es erscheint mir logisch, dass ich in einem lokal nicht essen kann, was ich gerade möchte –
wenn die nötigen zutaten nicht vorhanden sind, dann kann ich das einfach nicht.
punkt.
und wenn ich in einem geschäft etwas kaufen möchte, das nicht lagernd ist –
nun, all meine aufregung wird vergebens sein.

eines aber habe ich beobachten können, ist das vielleicht der schlüssel zur lösung?
all die menschen dort draußen, die solche dinge beanstanden, sind kinderlos, oft sogar single.
sie haben (anscheinend) die nötige zeit, sich mit solchen dingen zu befassen.
wenn ich mit kindern in einem lokal etwas bestelle, dann deshalb, weil wir hungrig sind.
dann lass ich mich auf keine diskussionen ein, nur damit mein ego sich wohlfühlt –
ich möchte essen.
und klarerweise gibt es nur das, was es eben gibt.
das ist zuhause nicht anders.

es ist eine frage der erziehung –
was möchte ich meinem kind mitgeben?
natürlich sollen kinder nicht duck.mäuserisch durchs leben irren und alles und jedes mit einem nicken gut.heißen.
nein, sie sollen kämpfen, für andere menschen da sein und nicht weg.schauen, wo schon genügend andere nicht hin.schauen wollen.
aber sie sollen auch lernen, mit dem zufrieden zu sein, was es gibt.
und das heißt:
solltest du beim asiaten gulasch bestellen wollen, dann sitzt du vielleicht im falschen lokal.
und daran ist wahrlich nicht der kellner schuld.

(der ist übrigens selten schuld – er macht weder die regeln, noch ist er der geschäfts.führer oder der koch. wer als gast seinen unmut am personal auslässt, der sollte ohnehin mal seine kinder.stube hinterfragen.)

je länger ich darüber nachdenke, umso mehr drängt sich mir ein anderer gedanke auf:
vielleicht ist es auch einfach nur social.media.latein.
vielleicht ist das unglaublich aufregende streit.gespräch mit dem kellner vergleichbar mit dem sagen.umwobenen 18.ender mit silbernem fell –
beides ist eine mär.
und beides macht den erzählenden spannender, als er eigentlich ist.

wenn auch der jäger seine g’schichtln aug in aug mit den kumpanen beim wirten erzählt hat –
aber das ist wohl der lauf der zeit.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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6 Kommentare zu “ein neuer trend. (#kolumne)

  1. Ich kenn das ja eher im Zusammenhang mit den grassierenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten. So nach dem Motto: Ich nehm das Clubsandwich, aber ohne Toast, weil ich vertrag keinen Weizen, und statt dem Huhn bitte Fisch und statt der Pommes Reis. ;-)

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  2. Mir macht diese Entwicklung ebenfalls Sorgen. Entwickeln sich in unserer Gesellschaft viele zu sozialen Monstern nach dem Motto:“ Ich zuerst, ich sofort, ich am allermeisten, ich habe Rechte und dass ich auch Pflichten habe, davon weiß ich nichts. Und was Rücksichtnahme, Respekt und Höflichkeit bedeutet, das weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht.“
    Aber glücklicherweise gibt es auch noch viele andere …

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    • danke für den kommentar, erstmal.
      aber du triffst es auf den punkt. wir steuern auf eine ‚ich zuerst-gesellschaft‘.
      drum müssen wir anderen a bissl gegensteuern!

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  3. Ist das nicht das Verhalten der Gernegroßen und Möchtegerne? | Es macht mir Angst, dass das Sichaufplustern in der Öffentlichkeit zunimmt – quantita- und qualitativ. Die Gewalt der Worte eilt der körperlichen Gewalt voraus. Red Skies Over Paradise.

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    • auch, das aber schon immer. neuerdings machen das aber alle, grad die ‚kleinen‘, die sonst keine geschichte zu erzählen haben.

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