winter.fest. (#kolumne)

ein schwall eis.kalter luft folgt mir ins innere, als ich aus der dunkelheit hinein in die wärme des winter.fest.zeltes trete.
rings.um um mich das wispern vieler stimmen, das rascheln ausgezogener jacken, der duft warmer speisen.
ich stelle mich in die schlange vor der garderobe und bin gespannt –
ich weiß nichts über diesen abend.
nur, dass er inspiriert wurde von c.g. jung:
das zusammen.treffen zweier persönlichkeiten ist wie das aufeinander.treffen zweier chemischer substanzen: findet eine reaktion statt, werden beide verwandelt.
verwandelt?
wie kann ich mir das vorstellen?
und wie passt diese aussage zum heutigen zirkus.abend?

mantel- und ratlos wandere ich weiter, immer der nase nach, dorthin, wo es nach kürbis.suppe und sekt.korken riecht –
und bin plötzlich mittendrin.
aufgeregtes getuschel, das klirren vieler gläser, leise lounge.musik.
ganz am rand, in einer ecke, bleibe ich an einem kleinen tisch stehen und beobachte die menschen.
aufgeregt wirken die meisten, als hätten auch sie keine wirkliche vorstellung davon, was dieser abend bereithalten wird.
als eine der ersten betrete ich dann das zirkus.zelt, suche mir einen platz, der mir beste sicht garantiert, und warte ab.
immer voller werden die plätze, jeder stuhl scheint besetzt zu sein, noch ist es hell erleuchtet.
ich kann es nicht verbergen –
auch ich bin aufgeregt.
wann immer ich eine vorstellung hier besucht habe, ich wurde noch nie enttäuscht.
und das, obwohl ich wahrlich kein zirkus.fan bin.
ob es auch diesmal so sein wird?

die lichter gehen aus, das publikum verstummt –
und auf der bühne eröffnet ein junger mann mit charmantem französischem akzent den abend mit einer kleinen rede.
schon nach den ersten augenblicken wird mir klar, was c.g. jungs aussage mit dem heutigen abend zu tun hat:
es geht um beziehungen, darum, was beziehungen mit uns machen, was sie auslösen, welche reaktionen sie hervor.rufen und zu wem sie uns machen.

die vorstellung zieht mich schon nach wenigen minuten voll in ihren bann.
es ist wie ein sog, aus dem ich mich wohl bis zum ende des abends nicht mehr befreien können werde.

oft sind es nur kleine dinge, die etwas groß werden lassen –
und genau das beherrschen diese jungen artist/innen.
in wenigen sekunden dunkelheit wechseln sie lautlos ihre position auf der bühne, überraschen mit immer neuen, oft sehr lustigen einlagen, sorgen für schreck.sekunden und aufgeregtes luft.anhalten im publikum und geben bekannten dingen eine neue bedeutung.
so wird etwa eine wippe in sekunden zum austragungs.ort männlicher differenzen, oder ein spot richtet sein licht gleich einer kamera auf die artistin, die anmutig, erotisch fast, an einem reifen durch die lüfte schwebt.
jeder einzelne song, der die artist/innen in ihrem tun begleitet, ist perfekt ausgesucht –
mal sanft und ruhig, mal schnell und wild, immer aber voller melancholie.

die beziehungen der acht menschen auf der bühne sind veränderlich.
wer liebt wen, warum –
und wie lange?
alte rollen werden abgelegt, wie schmutzige kleider zu boden geworfen, bis sie fast nackt auf der bühne stehen und sich verändern müssen.
jede veränderung der emotionen wird symbolisiert durch eine neue artistische einlage, es wird gesungen, sogar eine kleine loop.station gehört zum programm.

als dann alle artist/innen die bühne betreten, verspüre ich einen leisen stich im herzen.
schade,
scheint der stich zu sagen,
jetzt ist es aus, vorbei.

langsam befreie ich mich aus dem sog, spaziere langsam hinaus aus dem zelt –
und werde empfangen von köstlichen gerüchen.
noch ein schneller nächtlicher imbiss, noch ein kurzes gespräch mit dem sitz.nachbarn, noch ein wenig geplaudere mit einem der artist/innen –
dann verlasse ich das winter.fest.

draußen herrscht eisige kälte.
schnellen schrittes laufe ich richtung taxi.stand, die mütze sitzt fest über den ohren, die hände zittern in den taschen des mantels.
versonnen denke ich über den abend nach.

für einen kleinen augen.blick vergesse ich, wie kalt und dunkel es rund.herum ist –
und fühle mich wahrlich winter.fest.

***

die genaue show wird hier natürlich nicht beschrieben –
das wäre gemein jenen gegenüber, die die show noch ansehen möchten.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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Ein Kommentar zu “winter.fest. (#kolumne)

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