jahres.rück.blick. (#kolumne)

den ersten entdeckte ich im herbst –
an einem wunder.baren nachmittag in einer zeitschrift.
überfallen hat er mich, ahnungs.los, schutz.los.
so schnell konnte ich gar nicht weiterblättern, da sprang er mir schon ins auge –
der erste jahres.rück.blick.

und es war nur der erste von vielen.

in den sozialen netz.werken gibt es das angebot, einen persönlichen jahres.rück.blick zu erstellen.
ein über.blick über deine wichtigsten 20 momente,
heißt es da.
mit allen höhen und tiefen, meldungen, kommentaren, aktivitäten.
toll!
das muss ich mir ansehen, wer weiß, was ich nicht alles erlebt, aber vergessen habe!
habe ich etwas gewonnen?
vielleicht sogar irgendetwas herausragendes … naja, erfunden? geschrieben? erlebt?
meine güte, bin ich aufgeregt!

***

es war ein.mal eine junge frau, deren wichtigster moment des jahres war die erkenntnis –
die krabbel.gruppe der kleinen tochter hat regeln, die keine ausnahmen erlauben.

Bildschirmfoto 2013-12-17 um 12.07.41

 

traurig darüber, dass sie die besten momente des jahres wohl ungenutzt verstreichen hatte lassen, suchte sie weiter nach aufregern, erlebnissen, dingen, die einen im nach.hinein zum schmunzeln bringen.
doch was war das zweit.wichtigste, das sie in diesem vergangenen jahr erleben durfte?

Bildschirmfoto 2013-12-17 um 12.09.04

 

 

 

 

 

 

ein stau an einem heißen sommer.tag.
sollte es das gewesen sein?
es musste doch irgendetwas gegeben haben, das interessanter war als eine rettungs.gasse.
fehl.anzeige.
die kommenden wichtigsten momente des jahres waren:
kochen, backen, der garten –
und darth.vader.

Bildschirmfoto 2013-12-17 um 12.10.36

 

 

 

 

 

 

 

tief betrübt ließ sie die meldungen weiter.laufen –
da muss doch mehr gewesen sein!
natürlich!
da war noch was!
orchideen, katzen, katzen, orchideen, sinn- und belanglosigkeiten, nichts von interesse.

und dann die alles entscheidende frage:

Bildschirmfoto 2013-12-17 um 12.12.47

 

 

unvermittelt schlich sich ein lächeln auf ihre lippen.
natürlich fehlte da etwas!
einiges sogar!
aus dem lächeln war ein lachen geworden, das durch das offene fenster hinaus.flog und sich auf den baum im garten setzte.
und wenn es nicht gestorben ist, dann sitzt es dort noch immer.

***

die aufregung hat sich gelegt und einer zufriedenheit platz gemacht.
war ja klar, dass da nur kleinigkeiten dabei sein können –
wer nichts großartiges hineinschreibt, bekommt auch nichts großartiges heraus.

sehr einfach, eigentlich –
und vollkommen beabsichtigt.
denn die kleinen momente, die eigentlich die großen sind, die haben in sozialen netz.werken nichts verloren.
die haben ihren platz tief drinnen, in den gedanken, den erinnerungen, dem herzen.
dort sind sie sicher vor stumpfsinnigen kommentaren und gefällt.mir.angaben.
und vor der nsa.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

 

 

 

 

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3 Kommentare zu “jahres.rück.blick. (#kolumne)

  1. Pingback: sudelbücher | neuköllner botschaft

  2. Früher, ja früher, da mochte ich Jahresrückblicke. Vor allem die Bilder eines Jahres, das „Album nnnn“. Dann hatte ich genug gesehen. Die Bilder, die Ereignisse und Inhalte glichen sich über die Jahre, über die Jahrzehnte. Nichts gelernt. Geschichtsvergessen, diese Zeit. – Heute gehe ich allen Jahresrückblicken aus dem Weg. Auch dem eigenen. Was war. Vorbei. Lehren gezogen. Die Freuden – konserviert. Im Herzen; in der Seele. Die Enttäuschungen – vernarbt. Narbenherz; Seelenschmerz. Was zählt: Jetzt! Und: neugieriger Blick nach vorn…

    Gefällt mir

    • es gibt immer noch welche, die ich mag. ernstzunehmende, weltbewegende.
      der eigene ist ohnehin immer ein wenig verfälscht.

      genau! blick nach vorn!

      Gefällt mir

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