betriebs.blind. (#kolumne)

es ist nicht immer leicht, etwas zu veröffentlichen.
das eigene baby, kind unzähliger schlaf.loser nächte, aus den händen zu geben, zu gestatten, dass fremde menschen sich eine meinung darüber bilden und diese dann auch noch öffentlich kund.tun –
das kann schmerzhaft sein.
und es kann einem die augen öffnen.

denn nach all der zeit, die man investiert hat, nach all den stunden, in denen man daran gearbeitet hat, hat man den objektiven blick verloren.
betriebs.blind,
nennt das manch einer.
dass man seine eigenen fehler nicht findet, das ist kein geheimnis.
doch auch am stil  muss man feilen.
worte so lange drehen, bis sie sitzen.
sätze so lange umschreiben, bis man das gefühl hat,
ja, es passt, so muss es sein, so und nicht anders.

diese wahrlich schwere aufgabe erledigt sich am besten gemeinsam.
ob freunde, test.leser oder lektoren –
sich helfen zu lassen kann schmerzhaft sein.
es kann einem aber auch die augen öffnen.
und nicht selten wird das, was man selbst für das schönste, poetischste oder spannendste gehalten hat, noch schöner, poetischer und spannender, als man es je erwartet hätte.

doch das braucht zeit.
geduld.
und starke nerven.

denn zwei dinge muss man als schreiberling immer vor augen haben
(zumindest dann, wenn man sich eine leserschaft wünscht):
erstens:
ich muss meiner leserschaft etwas bieten.
das muss nicht immer neu sein, und nicht immer das spannendste.
es kann auch einfach anders sein.

und zweitens:
der leser ist nicht schuld am misserfolg meines buches.
daran ist vielleicht niemand schuld.
oder nur man selbst.
vielleicht hat man zu wenig werbung gemacht.
vielleicht ist der klappen.text nicht spannend genug.
vielleicht ist es auch etwas ganz anders.

dann steht man als schreiberling wieder am anfang.
dann muss man weiter arbeiten.
zeit investieren.

das kann schmerz.haft sein.
und einem die augen öffnen.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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4 Kommentare zu “betriebs.blind. (#kolumne)

  1. Wieder mal sehr schön geschrieben, es regt sehr zum denken an. :)

    Ich schreibe gerne aber zu selten, ich versuche mit Gefühl zu schreiben nicht mit der Zeit. Ich versuche mit dem was ich schreibe auch das zu sagen, was ich sagen möchte. Es ist nicht einfach, man muss dran arbeiten, man muss auch vieles über sich ergehen lassen und in kauf nehmen, dass der ein oder andere es nicht gut findet. Niemals aber sollte man den glauben an sich und sein geschriebenes aufgeben, man sollte daran arbeiten und sich in Geduld üben. Versuchen, seine ‚Fehler‘, welche vielleicht keine sind, selbst zu finden.

    Ich schreibe, du schreibst. Andere auch. Aber nicht jeder nimmt sich Zeit dafür und macht es, weil es ihm Spaß macht. Du schon. :)

    Grüße und danke für die sehr anregende Kolumne. :)

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  2. ein roman schreibt sich nicht so schnell, aber ich habe den eindruck, dass die überarbeitung wesentlich mehr zeit und auch durchhaltevermögen braucht. umschreiben, streichen, ergänzen. figuren oder ereignisse streichen, andere einfügen, ein anderes ende finden oder was auch immer das bedeuten kann: es ist sehr viel arbeit, toll, wenn du kompetente zweit-bzw. gegenleser hast. das ist sehr viel wert.

    was gut ist und was nicht, da scheiden sich die geister. manchmal muss man (einfach) den zeitgeist treffen, was nicht heißt, dass man „mit der mode oder dem trend“ gehen muss. es hängt von so vielem ab, ob etwas anerkennung erhält oder auch nicht, ob etwas erfolgreich verkauft wird oder nicht. erfolg, – was heißt das eigentlich?

    ich denke, man kann selbst nur versuchen, das beste zu geben und sich nicht unter druck zu setzen, was nicht bedeutet, ziellos oder anspruchslos zu sein.
    .
    ich wünsche dir jedenfalls viel freude beim schreiben. und leser im blog zu haben, menschen, mit denen man sich austauschen kann, ich finde, das ist auch schon erfolg und etwas sehr schönes.

    ich wünsche dir viel freude beim schreiben und überarbeiten.

    viele grüße von einer „leidensgenossin“
    wolkenreisende

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    • da kann ich dir nur zustimmen!
      es erfordert sehr viel ausdauer. ich hab lang gebraucht, bis ich hier eine leserschaft hatte.
      und ich hab an allen dingen, die ich veröffentlichte, sehrsehr lang gefeilt. und heiße tränen geweint, wenn kritik kam.

      diese gedanken kamen mir nach dem kommentar eines ‚autors‘, der sich beklagte, dass die leser nur mehr mainstream wollen. nicht aber sein buch.
      doch das ist blödsinn.

      v.a. wenn ein blick ins buch zeigt: überarbeitet wurde da wohl wenig.

      Gefällt mir

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