vom schreiben und lesen. (#kolumne)

schreiben kann die wunderbarste sache der welt sein.
und die schrecklichste.
schreiben kann so einfach sein.
und ganz furchtbar schwer.
manchmal kann schreiben die schmerzen lindern.
und manchmal tut schreiben so weh, dass man fast weinen möchte.

am ende dann,
wenn man es geschafft hat,
wenn man viele stunden daran gearbeitet hat,
dann ist man so glücklich wie nie zuvor.

doch –
ist man dann schon ein autor?
ist alles, was einem so aus den fingern fließt, schon ein werk?
alles, was sich reimt, ein gedicht?
und ist jeder, der liest, auch gleich ein kritiker?

ist es nicht viel mehr so, dass man zwar in der schule schreiben lernt –
dies aber nicht bedeutet, dass man auch schreiben kann?
schreiben im sinne von eine geschichte erzählen, etwas zu sagen haben, sich grammatikalisch und stilistisch korrekt ausdrücken zu können.
und auch, wenn wir alle in der schule das lesen erlernt haben –
erlernen wir damit auch, richtig zu lesen, zu verstehen, kritik üben zu können?

mit dem schreiben ist es mittlerweile so:
jeder, der etwas auf sich hält, schreibt.
egal was, egal wie, komme was wolle, ich bin jetzt ein autor.
dass schreiben ein prozess ist, dass wahren künstlern die werke selten einfach so aus den fingern fließen, dass hinter jedem best.seller jahre.lange arbeit vieler verschiedener menschen steckt, das gerät in vergessenheit.
und auch, dass jene schriftsteller, die wahrlich großes geleistet haben, in ihren anfängen kurz.geschichten in unbekannten zeitschriften veröffentlichten, wird vergessen.

kurz.gscheschichte? pah! wozu?
ich schreibe gleich eine trilogie!
denn ich bin ein autor!
und als autor verzichte ich auf beta.leser, ich brauche keine korrektur meines werks, ich brauche kein lektorat, und recherche? wie bitte? nein, das muss wirklich nicht sein.

nach all den jahren des schreibens und des schreibens würde ich mich niemals als autorin bezeichnen.
weder studium noch work.shops oder lektor.tipps machen mich zu einer autorin.
auch keine veröffentlichten kurz.geschichten, keine ehrungen bei literatur.wettbewerben oder eine doch schon große leserschaft hier auf dem blog.
nicht einmal das berufliche schreiben und lesen macht mich zu einer.
ich bin eine schreiberline.
und das werde ich wohl immer bleiben.

ich weiß nicht genau, wie man zu einem echten autor wird.
aber das ist auch gar nicht mein ziel.
ich möchte menschen helfen, ihre geschichten zu erzählen.
und manchmal erzähle ich meine eigenen.

autorin bin ich deshalb noch lange keine.

***
danke an eine liebe bekannte für folgenden artikel: der trifft’s!

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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24 Kommentare zu “vom schreiben und lesen. (#kolumne)

  1. Es sagte schon wer anders unter deinem anderen Artikel dazu: Wieso sich ärgern? Und wieso anderen die eigene (vielleicht wahre) Definition von Worten wie „Autorin“ und „Schriftstellerin“ aufdrängen? Manchmal ist Schulterzucken und Augenrollen und Ignorieren die einzige Möglichkeit. Sollen sie sich doch feiern, wenn sie meinen, dass sie gut sind. Sie werden schon noch auf die Nase fallen. Denn:

    Ich denke, dass du Recht hast: Der Erfolg und die Erfolgsdauer wird zeigen, ob die Person eine Eintagsfliege ist oder nicht. Wenn man bereits auf der festen Startseite seines Blogs „umkrämpeln“ schreibt, wird deutlich, dass ein Lektorat sicherlich bei jedem Text der „Autorin“ sinnvoll ist. (Und ja, Tippfehler passieren, aber nein, das ist keiner.)

    Über die ganze Sache habe ich auch schon einmal rumgeätzt: https://gescheuchteigel.wordpress.com/2015/05/28/alles-neu-macht-niemand/

    Lieber Gruß!

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    • ja!
      du hast mit allem recht!!

      warum ich mich aufrege? weil diese „autor/innen“ den wahren schreiber/innen schaden. weil dann plötzlich jede/r schreibt und es nichts besonderes mehr ist.
      aber ist etwas besonderes. ganz wunderbar.

      und vor allem vermiss ich den respekt den großen gegenüber.
      sich selbst als neuling in einem atemzug mit wallace zu nennen ist schon krass.

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      • Du hast ja auch in allem Recht. Aber ich denke nicht, dass diese selbsternannten Autorinnen irgendwelchen wirklichen Schreibern schaden, weil sie ja an deren Qualität und Verbreitungsgrad gar nicht heranreichen.

        Wir werden uns damit abfinden müssen, dass auf einmal alle schreiben zu können meinen. Im Endeffekt profitieren wir beide ja auch davon, immerhin würden wir uns nicht unterhalten, wenn wir nicht auf die gleichen Kommunikations- und Meinungsverbreitungswege zurückgreifen würden, wie diese selbsternannten Schreiberlinge.

        Ja, Demut wäre gut. Aber sie erkennen vermutlich nicht einmal die „gehaltvolle“ Literatur oder empfinden diese als langweilig. Aber auch das ist wiederum Geschmackssache. Thomas Mann sagt mir zum Beispiel selten zu, aber dass er Worte finden kann, werde ich ihm sicherlich nicht absprechen.

        Es ist ein schmaler Grad: Ich schreibe ja auch, um gelesen zu werden. Und das ist auch oft Fiktionales. Dennoch werde ich mich nicht Autorin nennen und nicht Schriftstellerin. Ich glaube, dass auch nach meiner Definition da erst die Anerkennung vorgeschaltet sein muss. Und zwar die in Form von Kritikerlob und Geld. Wie du würde ich mich in erster Linie als Bloggerin sehen.

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        • danke sehr. schon wieder hast du recht.

          ich glaube allerdings, dass sie schon ein wenig schaden: insofern, dass sie 1. den markt mit schlechtem überfluten, und 2. die message verbreiten: jede\r kann schreiben. so wird aus dem einst respektvoll beachteten autor plötzlich allerweltsgut.
          diese entwicklung ist auch bei anderen gruppen zu beobachten: fotograf/innen, künstler/innen…

          das ist doch ein wenig überheblich. denn auch für das perfekte foto braucht es mehr als einen finger am auslöser.

          und: sie stecken NULL arbeit in ihr tun. das find ich am furchtbarsten.

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  2. Pingback: die sache mit den schreib.tipps. (#kolumne) | sinn.wort.spiel.

    • das ist aber per definitionem falsch.
      autor ist jeder, der etwas verfasst, ob artikel, songtext oder fachartikel.
      schriftsteller sind menschen, die literarisch schreiben.

      das ist weder interpretations.sache noch gefühls.sache.
      bloß das selbst.verständnis … wer sich wie tituliert … das macht mich manchmal stutzig.

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  3. Schreiben können sowieso nur die, die Bücher von Hand geschrieben haben, ist es nicht so? Das waren die wahren Autoren, sie hatten mehr arbeit als heute. Und meist gerade mal ein Werk veröffentlicht.

    Es ist natürlich wieder so eine Sache wo man Grenzen ziehen möchte, wo aber keine Grenzen herrschen. Grenzen, die nicht existieren müssen, da nie welche gewollt waren. Kritiker gibt es immer aber haben sie das Recht? Warum nicht ein anderer?

    Du siehst, es führt immer wieder zur gleichen Diskussion – ohne Ende.

    Liebe Grüße. :)

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  4. Ich weiß nicht. Natürlich bist Du eine Autorin. Was denn sonst? Dass Du nur Mitgliedern der Höhenkammliteratur dieses ‚Privileg‘ zukommen lassen willst, verstehe ich nicht so recht. Wieso nur? Um Dich dann von all dem abzugrenzen, was nicht so geschliffen glatt formuliert ist und dreimal durch gute Lektorinnenhände gegangen ist?
    Hat denn der individuelle Ausdruck eigener Gefühle und Erlebnisse nicht ebenso Recht auf Ausdruck wie bei jedem anderen Menschen auch, ungeachtet dessen, ob ich nun ein neuer Thomas Mann bin oder nicht (wofür ich nichts könnte, wenn es so wäre, aber auch nicht dafür könnte, wenn es nicht so ist)? Wieso sollte so etwas nicht von Autorinnen geschrieben worden sein, nur weil sie anders sind und anders schreiben?

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    • nein, ich bin keine autorin. momentan bloggerin. das ist was anderes.
      und ich rede nicht von mitgliedern irgendwelcher kammern. ich habe ‚kund/innen‘, die es wahrlich verdienen, so genannt zu werden, die etwas dafür getan haben.

      ja, ich finde wirklich, an einem guten werk muss mehr gearbeitet werden als es nur zu schreiben.
      doch es stimmt auch:
      jeder hat das recht auf alles heutzutage.
      das muss ich aber nicht gut finden.

      und darum gehts auch nicht.
      ich finde es einfach schade, dass jeder, der mal einen brief geschrieben hat, sich autor nennen kann. und das kann er.
      ich finde es schade, dass geschriebenes wort mit füßen getreten wird, dass vermeintliche autoren keinen wert mehr auf ausdruck, stil, grammatik und fehlersuche legen, dann selbst veröffentlichen und ihre ‚werke‘ dann um einen horrenden preis anbieten.
      es geht nicht darum, ob du ein neuer thomas mann bist – es geht darum, was du investierst, was du hineinfließen lässt.
      und wenn du ein buch schreibst, weil es am herzen brennt, weil es raus muss, dringend, du dir aber schwer tust und sehr viel dran arbeiten musst – toll!
      wenn du aber das erst.beste, was rauskommt, unüberarbeitet verkaufen willst – nein, dann bist du kein autor.

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      • Vielleicht hängt der Begriff ‚Autor‘ auch nur zu hoch. Ein Autor ist schlicht jemand, der etwas publiziert (hat). Damit ist noch nicht etwas über die Qualität gesagt. Und das ist ja auch gut so: Jemand, der mal ein Meisterwerk hervorgebracht hat und berühmt geworden ist, kann im nächsten Schritt trotzdem den größten Quark publizieren und ist trotzdem ein Autor. Kurz, das ganze ist eine sachliche Kategorie, kein Werturteil.

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        • ja, der hängt irre hoch!!!
          und ich finde, zu recht.

          denn nicht jeder, der etwas publiziert, ist gleich ein autor, das stimmt einfach nicht. zumindest nicht im sinne von ‚autor wie w.s.maugham‘, zB.

          sich selbst autor zu nennen, oder es nicht zu tun, sagt in meinen augen aber sehr viel über den menschen aus…

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      • Natürlich ist nicht jede/r ein ‚Autor wie Maugham‘. Aber das trifft so oft zu, dass es kein vernünftiges Unterscheidungskriterium mehr ist. Auch nimmt man sich die Möglichkeit, tatsächliche Unterschiede herauszuarbeiten, wenn man das Werturteil bereits in die Kategorie packen möchte. Damit tut man dann auch dem ‚richtigen‘ Autor keinen Gefallen.
        Aber davon mal ab, natürlich kannst Du aus ‚Autor‘ auch ein Werturteil machen, wenn Dir das liegt. Und ich verstehe auch sehr gut, woher Du das nimmst, dass sich jede/r Dahergelaufener (vermeintlich) in eine Reihe mit den Säulenheiligen der Literatur stellt. Aber: Traut man dann dem Rezipienten nicht zu wenig zu, den Unterschied nicht selbst zu merken und Leute, die sich gerne aufblasen, selbst zu entlarven?

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        • darum gehts. denn grundsätzlich mag ich kategorien nicht. :)
          du hast recht: es geht um die leserschaft. und die bildet sich ohnehin ein urteil.

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  5. „Autor, der | Verfasser eines Werkes der Literatur, eines Textes“ -|- „Literatur, die | künstlerisches Schrifttum; Belletristik (die | unterhaltende, schöngeistige Literatur“ -|- große Kunst / Kleinkunst -|- gute Kunst / schlechte Kunst -|- gute handwerkliche Fertigkeiten / schlechte handwerkliche Fertigkeiten -|- Ja, „schreiben ist mehr als nur worte in den computer zu hacken“. Aber, wenn einer schreibt und einer es liest und es ihm gefällt, ist doch etwas wunder.bares geschen. -|- Niemand sollte versuchen, über seinem Vermögen zu schreiben und niemand sollte unter seinen intellektuellen Fähigkeiten lesen. -|- Mir fällt aus dem Bereich der Musik die Musikband „Station 17“ ein. „Sie besteht aus behinderten und nicht behinderten Musikern und wurde 1988 von Bewohnern der Wohngruppe 17 der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, professionellen Musikern und von Kai Boysen gegründet [.].“ Es ist sicherlich keine „große“ Musik, die da entstanden ist, aber authentische, berührende. -|- Doch, jemand, der sich Mühe gibt, sich anstrengt und im Rahmen seiner Fähigkeiten versucht, Gedanken zu Papier zu bringen, ist ein Autor und wenn er es über längere Zeit durchhält ist es auch ein Werk. Doch, jeder Leser ist auch ein Kritiker, wenn er über das Gelesene nachdenkt. -|- Und nicht jeder Autor, nicht jedes Werk ist literaturnobelpreiswürdig.
    (Die Zitate wurden duden.de, sinnwortspiel.wordpress.com und de.wikipedia.org entnommen)

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    • exakt. zustimmung!

      der punkt für mich ist nur, weil es öfter auftaucht momentan:
      jeder, der versucht, einen roman zu schreiben (denn kurzgeschichten schreibt kein mensch mehr), ist gleich ein autor.
      bin ich aber auch designerin, wenn ich ein auto zeichne?
      bin ich schneiderin, wenn ich ein taschentuch nähe?
      und bin ich mechanikerin, weil ich autoreifen wechseln kann?

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      • „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
        Sie sprechen alles so deutlich aus:
        Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
        und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

        Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
        sie wissen alles, was wird und war;
        kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
        ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

        Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
        Die Dinge singen hör ich so gern.
        Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
        Ihr bringt mir alle die Dinge um.“
        [Rainer Maria Rilke]

        Was ich meine, es kommt doch gar nicht darauf an, wie ich jemanden nenne, der schreibt, zeichnet, näht oder Reifen wechselt. Wichtig ist, dass Menschen es tun, aus sich heraus, weil es ihnen ein Bedürfnis ist, sie sich berufen fühlen. Das Problem ist doch eher die oft damit verbundene Großmäuligkeit. Ja, wer ein Auto zeichnet und danach noch ein Modell baut ist ein Designer, aber noch lange keine Colani. Und wer einen Roman schreibt ist noch lange kein Hemingway. Und wenn er Kritik annehmen und für sich umsetzen kann, dann wird vielleicht einmal etwas Großes daraus.

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      • Wer braucht Etiketten („Kurzgeschichte“) oder Titel („Mechaniker“) ?
        Es ist doch heute alles aufgeweicht und fliessend.
        Und auch ob man vergessen wird, das Vergessen – ist ein Fluss.

        Irgendwo sagt Heraklit, dass alles fliesst und nichts bleibt, und indem er die Dinge mir der Strömung eines Flusses vergleicht, sagt er, dass man nicht zweimal in denselben Fluss hineinsteigen kann.

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        • ja. das braucht eh keiner. spannend ist aber, jene, die bestseller schreiben, die wirklich ‚groß‘ sind, die haben jene etiketten. denn sie nützen beim erlernen des handwerks…

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    • ja. :)
      das tolle ist aber:
      die leser/innen merken den unterschied. egal, ob geübt oder nicht, leser/innen lesen nicht mehr jeden schund. bücher voller fehler werden zurüchgegeben, geschichten ohne aussage schlecht bewertet, abgekupferte geschichten kein bestseller.
      die wahrheit tut weh – aber schreiben ist mehr als nur worte in den computer zu hacken.

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