was sagt ihr euren töchtern? (#kolumne)

die gestrige kolumne zum geschlechts.korrekten schreiben hat einiges an aufregung nach sich gezogen –
wie immer.
denn ‚wie kann sich frau nur erdreisten und für korrektes schreiben eintreten?
weiß sie denn nicht auch so, dass sie eine frau ist? muss es denn andauernd extra erwähnt werden?
meine güte, soll sie doch einen kurzen rock und ein enges ober.teil anziehen, dann sehen auch alle anderen, dass sie kein mann ist – und probleme mit den männern gibt es dann auch keine mehr.‘

dabei geht es mir vor allem – und das möchte ich betonen –, es geht mir vor allem um weibliches selbst.verständnis.
es geht nicht darum, in jedem satz auf biegen und brechen mann und frau und alles dazwischen unterzubringen, nein –
es geht darum, für weibliche dinge femininia zu benutzen, so, wie es die grammatik vorschreibt.
eine frau ist nun mal weiblich – auch, wenn sie kein enges ober.teil trägt.
und wir alle haben in der schule gelernt, dass feminina substantive weiblichen geschlechts‘  sind. das hat nichts zu tun mit gender.wahn, so ist einfach unsere sprache aufgebaut.

jetzt frag ich mich aber:
wenn es euch frauen schon so schwer fällt, für euch selbst einzutreten, wenigstens für euch selbst die richtige ausdrucks.weise zu benutzen –
was sagt ihr dann euren töchtern?

‚es ist schön, dass du autor werden möchtest, liebste tochter.‘
‚meine susi möchte mal friseur werden.‘
’natürlich bekommst du eher den job, wenn du viel nackte haut zeigst, anna.‘

ernst.haft?
dafür haben generationen von frauen vor uns gekämpft, dafür, dass wir uns am ende selbst als lust.objekt inszenieren, nicht nur für unsere/n liebste/n, sondern für alle, die gerade zufällig in unsere richtung schauen?
dafür, dass wir unseren töchtern den rat mit auf den weg geben, es den männern recht zu machen, anstatt sich mutig mit anderen frauen zu solidarisieren?
dafür, dass wir es nicht einmal schaffen, grammatikalisch richtig über unsere weiblichen mit.menschen zu sprechen?

für die männer ist all das ein viel kleineres problem – sie verwenden mutig korrekte grammatikalische formulierungen, ertragen freudig enge ober.teile (und bemerken es dabei nicht, wenn es dann doch mal ein weites ist) und unterstützen ihre eigenen frauen oft mehr als andere frauen es tun.

kann es sein, ich meine, wirklich?
ist es so.weit?

sind männer bald die besseren frauen?
wollen wir das unseren töchtern sagen?

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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5 Kommentare zu “was sagt ihr euren töchtern? (#kolumne)

  1. Beim letzten Mal hielt ich mich zurück, nun befeuerst du erneut die Assoziationskette, da plaudere ich einfach mal frisch von der Leber weg…

    Eine Erinnerung zu dem Thema, was diesem Mädchen gesagt wurde:
    Die Fünfjährige hört sich Bibi Blocksberg als Hörgeschichte an. Dabei wird eingangs gesungen: „… denn sie [Bibi; Anm.] wird euch immer helfen, denn sie ist euer bester Freund …“
    Reaktion: „Ich dachte, Bibi ist ein Mädchen?“

    Bei mir persönlich ist es mir vor kurzem aufgefallen, als ich vor einer reinen Frauengruppe stand und mir immer wieder männliche Bezeichnungen rausrutschten. Das fand ich faszinierend, bis ärgerlich, bemerkenswert und zu hinterfragen.

    Die Jungscharzeitschrift in Innsbruck wird (so weit ich weiß immer noch) in nur einer Geschlechtersprache geschrieben. Zwecks der vielzitierten leichteren Lesbarkeit. Weil die meisten Abos an Frauen und Mädchen gehen, wurde die weibliche Ansprache gewählt.

    Eine Geschichte, die vermutlich einige kennen:
    Ein Vater hat sich ein neues Cabrio gekauft und macht mit dem Sohn eine Spritztour. Dabei kommt es zu einem Unfall. Beide werden in die Notaufnahme eingeliefert, der Bub benötigt eine lebensrettende Operation. Als aber der Arzt vor dem Patienten steht, wird die Behandlung mit folgenden Worten verweigert: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn.“
    Wie das? Na?

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  2. Pingback: zusammen.halt? wozu? (#kolumne) | sinn.wort.spiel.

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