vom harten leben der #lehrer und -innen. (#kolumne)

langsam aber sicher kann ich das gejammere der lehrer und -innen in diesem land nicht mehr hören.
nein, ich bin keine lehrerin, das stimmt.
leider. ich wär gern eine geworden.
aber als ich studierte, riet man mir ab – es gäbe ohnehin zu viele lehrer/innen, ich solle doch etwas anderes in betracht ziehen. und das hab ich getan.

doch ich habe zwölf jahre in der schule verbracht, etlichte weitere an der universität, ich habe selbst schon ein wenig unterrichten dürfen, bin mittlerweile mutter von zwei schul.kindern und habe einige freund/innen, die selbst unterrichten – das reicht mir an erfahrung, danke.

und diese erfahrung zeigt:
natürlich gibt es wunderbare lehrer/innnen!
natürlich ist es ein harter job, gerade für lehrer/innen von schularbeiten.fächern oder für solche in ballungs.gebieten, die mit unterschiedlichen sprachen und stärken in einer klasse kämpfen müssen.
und natürlich kann man niemals alle lehr.personen über einen kamm scheren.

trotz allem muss man auch kritisieren dürfen.

zum beispiel, dass lehrer/innen in der öffentlichkeit das wort ‚bälger‘ verwenden, wenn sie von ihren schul.kindern reden – das schau ich mir an, was passiert, wenn ich meine kund/innen ‚deppen‘ nenne, wenn sie mir mal auf die nerven gehen.
oder den fehlenden blick für die realität –
wenn etwa die zeichen.lehrerin am elternabend weinen muss, weil sie jetzt statt um 12:30 erst um 13:30 heimgehen kann, während ich mir überlege, wie lang meine nacht.schicht dauern wird, weil ich einen abgabe.termin einhalten muss.
oder wenn wegen der vorbereitungs.zeit gejammert wird – das nennt sich vollzeit.job, wenn man auch nachmittags arbeitet.
die vorbereitungszeit der meisten unterrichtsfächer hält sich außerdem wirklich in grenzen. immerhin verwenden die meisten lehrer/innen jahrelang dasselbe material, wie wir alle noch aus unserer schul.zeit wissen – bahnbrechende erkenntnisse in der physik beispielsweise werden ja ohnehin nicht in den unterricht eingebaut.
oder anders gesagt:
die vorbeitunszeit ist ungerecht verteilt. denn während die einen kaum etwas vorbereiten müssen, müssen die andren ständig vorbereiten und korrigieren.
auch kritisiere ich, dass lehrer/innen im unterricht online shoppen – die tochter eines bekannten kann aus diesem grund ‚zalando‘ schreiben, das sieht sie öfter am computer der volksschul.lehrerin.
auch die koordination des hausbaus gehört nicht in den unterricht – telefonate welcher art auch immer sind im unterricht fehl am platz, egal ob für schüler/innen oder lehrer/innen.
ich reg mich auch darüber auf, dass lehrer/innen offenbar keine pädagogische ausbildung mehr erhalten.
manche brüllen andauernd, andre trillern mit pfeifen den kindern ins ohr, meine turnlehrerin hat uns beim joggen mit brennnesseln verfolgt und mein sohn muss als strafe irgendwelche sinnlosen sätze abschreiben.
alles pädagogisch sehr wertvoll.
und ja, auch die ferien.zeit kritisiere ich.
massiv sogar.
denn während ich wie fast alle eltern meine kinder in den ferien bezahlt fremdbetreuen lassen muss (und im schlimmsten fall mehrere hundert euro für nachhilfe.stunden ausgebe), haben lehrer/innen mehrere wochen frei.
und ja, manche bilden sich weiter oder bereiten den unterricht vor. aber eben nur manche. die meisten haben mehr als 10 wochen ferien im jahr – bezahlten urlaub.
aus erfahrung weiß ich aber:
ferienbetreuung für kinder ist teuer. ebenso wie nachhilfestunden.
da müsste es doch andre möglichkeiten geben, welche, die für die kinder sinnvoll wären, für das schulsystem, und vermutlich auch für die staats.kassa.
ich kritisiere auch den umgang vieler lehrpersonen mit den sozialen medien – woher sollen die kinder lernen, wie das alles geht, wenn lehrer/innen auf ihren accounts öffentlich fotos vom fünf.wöchigen tauch.urlaub posten? (wo wir dann wieder bei den ferien wären, und irgendwie auch bei der bezahlung.)
(diese bei.spiele könnte ich noch endlos lange fortsetzen – jeder schul.tag meiner kinder und jede kommunikation mit lehrer/innen liefert weiteren stoff für diese kolumne.)

in unserem schulsystem läuft einiges falsch.
etwa, dass man vom diplomstudium auf lehramt umsatteln darf, wenn man das diplomstudium zu hart findet – das hab ich schon zu uni.zeiten komisch gefunden.
das ist unter anderem der grund, warum dann sowas passiert.
oder dass lehrer/innen in der schule keinen eigenen arbeitsplatz haben, für den laptop zum beispiel.
auch die eltern müssten ihre einstellung ändern – denn die lehrpersonen sind ja wirklich nicht dafür da, unsere kinder zu erziehen, das müssen schon wir eltern machen.

lehrerIn zu sein ist bestimmt kein zucker.schlecken.
aber was im leben ist schon ein zucker.schlecken?
ich kann mich an jobs erinnern – hui, sag ich nur.
den, zum beispiel.

trotz allem kann man sich in österreich grundsätzlich den job aussuchen, den man machen möchte.
und ich nehme an, dass lehrer/innen das gemacht haben – es ist ja schließlich kein aushilfs.job, den man so nebenbei mal macht, für den man keine ausbildung braucht, weil ihn eh jede/r machen kann.
es geht um die zukunft unserer kinder, unseres landes –
eigentlich um unser aller zukunft.
da sollten nur jene unterrichten, die es auch wollen.
und können.

denn die gibt es.
meine tochter hat zwei volksschul.lehrerinnen, die wahrlich wunderbar sind.
die sich engagieren, interessieren, die auf die kinder eingehen und wissen auf ideale weise vermitteln.
und ich kann mich nicht erinnern, von den beiden jemals ein gejammere welcher art auch immer gehört zu haben.
oder mein sehr guter freund, der htl.lehrer, der gegen ende der ferien nachhilfe.stunden für schüler/innen gibt, die unterstützung brauchen.
oder mein ehemaliger deutsch.lehrer, der uns im garten bei sich zuhause zu lauter rock.musik sonette vorgelesen hat – in seiner freizeit.

vermutlich ist der großteil aller lehrer/innen so –
man hört sie nur nicht mehr, die jammerer sind zu laut.

also bitte, ihr jammerer und suderant/innen:
seid doch mal leise und übergebt die bühne jenen, die den applaus auch verdienen.

***

nach.trag:
ich erlaube mir, die beiträge einer befreundeten bloggerin zu diesem thema zu verlinken:
warum unser bildungssystem krankt.
einfach mal durchlesen, alle punkte – und bloß keine maul.affen feilhalten, ja, das ist das wahre leben!

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

 

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5 Kommentare zu “vom harten leben der #lehrer und -innen. (#kolumne)

  1. Wie kommt es, dass jeder, der die Schule besucht hat, glaubt, zu wissen, welche Arbeitsbelastung ein Lehrer hat? Ich liebe Skispringen im TV anzusehen und würde mich nie erdreisten, öffentlich (!) Tipps zu geben. Ich war zich mal beim Arzt und werde mir eher die Zunge abbeißen als das ich mir einbilde, über seinen Job zu urteilen. Daneben gehe ich jeden Tag zur gleichen Bäckerin, lese die gleiche Zeitung, verfolge diverse Sendungen etc. pp und dennoch: Wer bin ich und was weiß ich schon, um mir über den Job der jeweiligen Arbeiter das Maul zu zerreißen.

    Ja, natürlich kann man Kritik an gewissen Berufsständen äußern. Aber warum sind immer Lehrer offensichtlich diejenigen, die es ab bekommen?
    In jedem…aber wirklich jedem Beruf gibt es schwarze Schaafe, die das jeweilige System zu Unrecht kritisieren, ABER und das halte ich für elementar gibt es doch (insbesondere in der momentanen Wirtschaftslage) viel größere Angriffsflächen. Menschen, die täglich mit (im Schnitt) hundert Jugendlichen zu tun haben, die schwer pubertär sind und die man halbwegs im Zaum halten und auch fördern muss, welche dank Inklusion zum Teil behindert sind, oftmals der deutschen Sprache nicht mächtig und kognitiv auf diversen Leveln unterwegs sind UND die zuhause (und in den Medien) permanent hören, wie faul doch diese Lehrer sind und dass sie schließlich eh nichts machen, haben einen leichten Job und haben kein Recht sich über die Umstände zu beschwerden?
    Und wer bin ich (und du?), dass ich darüber urteile, wer sich zu beschweren hat.

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    • ich habe studiert, bin korrektorin/lektorin, und kann den aufwand, etwas zu korrigieren, sehr genau einschätzen.
      ich habe außerdem einige jahre meines lebens mit kindern gearbeitet und sowohl erwachsene als auch kinder unterrichtet.
      ich weiß also sehr genau, wovon ich rede.
      wer du bist, weiß ich nicht.
      aber deine argumentation hat zwei fehler:
      1. wir reden hier von lehrer/innen – nicht von kohlenminearbeitern in einem dritte.welt.land. natürlich können wir alle in etwa einschätzen, wie der job abläuft, manche mehr, manche weniger.
      und
      2. hat jede/r das recht, nein, sogar die pflicht, mitzureden. wenn man nämlich nur mitreden dürfte bei dingen, die man selber macht oder studiert hat, dann müssten wir alle den ganzen tag still sein – man hat nämlich von recht wenig so viel einblick, dass man mitreden könnte.
      in wirklichkeit dürftest du dich dann nicht einmal beschweren, wenn dir das essen im lokal nicht schmeckt – bist du köchin? weißt du, ob das gericht nicht genau so schmecken muss?
      nein?
      eben.
      wenn es um meine kinder geht, werde ich immer mitreden. denn kinder sind unsere zukunft.
      und lehrer/innen, die so drauf sind, schaden unserer zukunft.
      das werde ich nicht akzeptieren.
      vor allem aber akzeptiere ich nicht, dass manche lehrer/innen am lautesten schreien und jammern (welcher berufs.stand macht das noch in diesem außmaß?), damit aber den eigenen berufs.stand in den dreck ziehen, und sich dann beschweren, sie würden immer alles abbekommen.
      vielleicht solltest du meine kolumnen zu dem thema noch mal lesen – da steht das alles drinnen, eigentlich.

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  2. Pingback: Warum unser Bildungssystem krankt (1) | sinn.wort.spiel.

  3. Da habe ich mir als Fachdidaktikdozentin auch ein paar Gedanken zu gemacht … https://gescheuchteigel.wordpress.com/?s=bildungssystem

    Aber du hast sicher Recht: Am meisten stört mich auch das bei vielen unverhältnismäßige Gejammere. Natürlich sitzt der Abi-LK-Englischlehrer für eine Klausur zwei Stunden da. der Sport-Erdkunde-Lehrer mit Unterstufenunterricht aber eben nicht. Und dafür gibt es die gleiche Bezahlung. Was mich auch aufregt ist, dass meine LehrerInnen-Freunde/-Bekannte vor allem z.B. bei Facebook posten, wie lange es noch bis zu den Ferien ist, wie sie sich über den Freitag freuen, usw. Also die komplette Schülermentalität offenlegen – und dann auch noch manchmal mit ihren Schülern befreundet sind. Geht nicht.

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    • ach herrje.
      das ist irre, was du da schreibst!!!

      ja genau. das unverhältnis.mäßige gejammere. über dinge, die wir alle kennen, eigentlich.

      und ja, das mit dem posten kenn ich auch….wild oder?

      und nein, geht alles nicht.

      und DANKE!!! für deine worte…tut gut zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die so denkt.

      (ich erlaube mir, deine gedanken zu verlinken, ok?)

      Gefällt 1 Person

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