warum frau schwarzer nichts gutes mehr vollbringt. (#kolumne)

jede/r kennt alice schwarzer.
und das ist gut so:
die gründerin der emma hat für uns frauen großes vollbracht.
(was genau? bitte im link nachlesen – das hier auszuführen wäre wahrlich zu viel.)
und auch, wenn ich nicht immer mit ihr einer meinung war, muss ich doch zugeben:
ohne dieser frau und ihrem engagement wäre der feminismus nicht das, was er heute ist, wären wir frauen wahrscheinlich an ganz anderer stelle, müssten noch viel mehr kämpfen und um unsere rechte streiten.
hut ab also vor dem, was sie geleistet hat!

doch in letzter zeit kann ich keine kolumne von ihr, keine beiträge der emma mehr lesen, ohne den kopf zu schütteln und mich zu fragen:
ist der lauf der zeit spurlos an frau schwarzer vorbei gegangen?

beispiele gefällig?
bitte sehr:

 

 

 

 

 

 

allein schon die fragestellung:
‚ob und wie männer für ihre kinder da sein können.‘
mag sein, dass vor etlichen jahren männer ihre rolle als vater vernachlässigt haben – das kann ich nicht beurteilen.
der jungvater von heute ist in der regel aber doch sehr interessiert an seinen kindern.
dass männer immer noch mehr verdienen und deshalb meist die frau zuhause beim kind bleibt, ist eine andere sache.
wobei natürlich ein neugeborenes vor allem die mama braucht –
allein schon, wenn es dann um die frage der nahrungsaufnahme des säuglings geht, sind väter anfangs doch eher … naja, schlecht bestückt. es geht eben nichts über mamas busen.
diese fragestellung ist eine gemeinheit allen männern gegenüber, die sich rührend um ihre kinder sorgen.
und nein, gute väter sind keine seltenheit.
für mich stellt sich eher die frage, ob ein mann ein besserer vater ist, weil er seine tochter einmal im jahr an einem ihm auferlegten tag mit in die arbeit nimmt.
ich seh das ja anders.

oder das hier:

 

 

 

 

 

frau schwarzer weiß, was sich der co.pilot gedacht hat und warum er wie gehandelt hat.
ahja.
spannend. woher weiß sie das denn? wir anderen wissen das nicht.
und werden es wohl auch nie wissen.
aso ja, stimmt –
er war ein mann. nur männer vollbringen solche taten wie amoklauf oder erweiterten suizid. frauen sind ja immer nett und liebevoll und ordnen sich unter.
genau wie zum beispiel elfriede blauensteiner. eine sympathische frau.
oder diese hier.
studien zeigen:
gewalttaten wie amokläufe von frauen gab es bisher so gut wie nie.
stimmt.
das heißt aber nicht, dass frauen die besseren menschen sind.
und das heißt vor allem nicht, dass eine frau im cockpit der germanwings.maschine dieses unglück verhindern hätte können.
vor allem aber ist es eine wahre frechheit, sich darüber aufzuregen, dass die trauerfeier im kölner dom für alle opfer abgehalten wurde – immerhin war auch der co.pilot ein opfer.
opfer seiner krankheit, zum beispiel.
(und nein, das soll keine entschuldigung sein.)
außerdem hatte er bestimmt eltern.
eine mutter, die sich sorgen machte um ihren kranken sohn.
einen vater, der sich fragte, wie er seinem sohn helfen könne.
und vor allem angehörige, die trauern –
um den mann, der so viele mit in den tod gerissen hat, um den menschen, den sie geliebt haben, und dem sie eine solche tat nie zugetraut hätten.
wer selbst schon einmal gebetet hat, der weiß:
man schließt nicht die ganze welt in sein gebet ein, man kann sich aussuchen, wofür man betet.
etwas wie mitbeten gibt es nicht.
aber offenbar hat frau schwarzer nicht so viel erfahrung mit gebeten.

klar.
gott ist ja in der katholischen kirche ein mann.
hab ich kurz vergessen.

gerade der facebook.auftritt der emma zeigt viele solcher meinungen.
interessant ist es aber, die kommentare darunter zu lesen –
denn gerade junge menschen (und ich schreibe absichtlich menschen, weil es männer und frauen sind) ärgern sich über diverse aussagen.
diese althergebrachten sichweisen haben keinen positiven effekt mehr.
eher einen negativen –
denn sie verstören sowohl junge frauen als auch männer.

doch genau die sind es, die wir ins boot holen sollten.
junge frauen, die mitkämpfen, sich engagieren und die feministische botschaft in die welt tragen.
gemeinsam mit den männern –
denn auch das ist keine große sache:
sowohl lebenspartner als auch söhne gehen mit dem thema vollkommen normal um und sehen frauen als gleich an, wenn es ihnen täglich vorgelebt wird.
aussagen wie die oben genannten verstören aber –
und wenn sie schon mich als feministin verstören, wie muss es dann einer frau oder einem mann gehen, die mit feminismus noch nicht so viel am hut haben?

können wir nicht endlich damit aufhören, männer als den grund allen übels anzusehen, sondern sie mit ins boot holen?
gemeinsam sind wir stärker!

und so viel frau schwarzer auch für uns alle geleistet hat (dafür gebührt ihr auch ein großes danke!) –
solch extreme meinungen bringen uns nicht weiter.
nein, sie werfen uns sogar einen schritt zurück.
oder zwei.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

 

 

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2 Kommentare zu “warum frau schwarzer nichts gutes mehr vollbringt. (#kolumne)

  1. Ich habe seinerzeit, als diese „#aufschrei“-Debatte hochtourig auch durch den Blog-Wald rollte, an diversen Stellen zum Thema Gleichberechtigung mitdiskutiert. Es mir aber schnell abgewöhnt es zu tun, da du als Mann, der bereit ist mitdiskutieren, schnell in diese „pars pro toto“-Falle gerätst. Frei nach dem Motto: „Da äußert sich endlich mal ein Mann, egal wenn er versucht aus ausgleichendes zu sagen – auf ihn mit Gebrüll“. Schwupp werden einem da dann lauter Verfehlungen anderer mal eben so untergeschoben, das geht leider sehr schnell. Deswegen ist für mich, der ich mich durchaus als Mann betrachte, der findet, dass in Sachen Gleichberechtigung an vielen Stellen noch was getan werden muss, Frau Schwarzer auch ein rotes Tuch. Und ein Mensch, der der Gleichberechtigung längst eher im Wege steht als sie zu fördern. Dieses „Phänomen“ gibt es ja durchaus öfter, es gibt Leute, die ziehen irgendwann in die Schlacht, auch berechtigt – finden dann aber nicht mehr daraus zurück. Irgendwann geht es dann nicht mehr um die Sache, sondern um den Kampf. Ich erinnere mich an dieses Aufeinandertreffen von Frau Pooth und Frau Schwarzer bei Kerner vor zig Jahren. Ich muss sagen, aus meiner Sicht ging Frau Pooth dort als selbstbewusste moderne Frau hervor, eine die fordert, verlangt, aber auch gibt. Und die vor allem unüberbrückbare Gegensätze zwischen den Geschlechtern annimmt, anstatt zu versuchen sie zu ignorieren. Richtig ist, dass Frau Schwarzer sehr viel geleistet hat, keine Frage, da sind diverse Lebensleistungs-Oscars fällig. Wie dir scheint sie aber auch mir Sprachrohr für Menschen sein zu wollen, die sie schon lange nicht mehr repräsentiert. Und ich schätze, genau das spürt sie sogar.

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    • danke für Deine worte – so viel wahres auf einen haufen.

      und du hast recht – sie kämpft wohl um des kämpfens willen und hat das ziel aus den augen verloren.
      denn gerade heute gehts nicht mehr „gegen die männer“ – viel mehr muss frau gerade die jüngsten männer fördern. und junge frauen nicht verschrecken.

      so aber vergrault sie alle auf die eine oder andere art und weise – leider!

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