der beiß.reflex. (#kolumne)

ich gebe zu, ich kenne ihn, den beiß.reflex.
auch ich beiß mich manchmal in einer sache fest und lass nur ungern wieder los.
aber ich sehe fremde blogs immer als schreib.wohn.zimmer eines anderen und verhalte mich nett, werde nicht persönlich angreifend oder untergriffig. insofern ist mein beiß.reflex oft analoger natur, oder kommt eher in sozialen medien zum vor.schein – facebook eignet sich hervorragend, um sich in fremden waden festzubeißen.
und selbst dann ist mein beiß.reflex harmlos – denn ich setze nie meine zähne ein.

dass die kolumne über veganismus wellen schlagen würde, war mir klar – aber dass ich wieder etwas über den beiß.reflex lernen würde, eher nicht.

da kommen die lustigsten anschuldigungen, nur weil meine fragen nach dem ‚warum‘ nicht in den eigenen kram passen:
Du bist in deiner selbst geschaffenen utopischen Vorstellung gefangen. Daher ergiebt auch dein Denkgerüst, was Du dir hier baust, und so verzweifelt verteidigst, im Großen und Ganzen wenig Sinn.

ahja.
verstehe.
diese insgesamte sinnlosigkeit war wohl auch grund für den kommentierenden, meinen blog zu abonnieren – was macht mehr spaß, als per mail über neue sinnlosigkeiten informiert zu werden?
nun, diesem wunsch komme ich hiermit gerne nach.

auch der satz
Es ist nicht möglich ethisch korrekt zu Leben.
würde viele menschen (inklusive mir selbst) verrückt machen – erstens, weil es natürlich möglich ist, und zweitens, weil es manch eine/r tut. es erfordert viele kompromisse, es ist schwierig und wohl eine lebens.aufgabe. ich weiß leider, dass ich noch weit davon entfernt bin.
aber unmöglich?
sicher nicht.
(und schon gar keine ausrede, es nicht zu probieren, nur weil es vielleicht nicht wirklich leicht erreichbar ist.)

interessant auch, dass es menschen bei solchen themen nicht schaffen, korrekt zu lesen. wohl, weil schon in den ersten zeilen der beiß.reflex greift – und die weiteren zeilen gar nicht mehr ankommen.
ich schere etwa explizit nicht alle veganer/inner über einen kamm – das haben diesmal auch viele verstanden und sich sogar für den artikel bedankt, weil den ’normalen‘ veganer/innen die möchte.gern.veganer/innen mächtig auf den keks gehen.
diese info hat sich aber offenbar nicht jedem erschlossen: Weiterhin wundere ich mich, woher diese starke Pauschalisierung bei Dir kommt – alle Veganer werden über einen Kamm geschoren.

wichtig anzumerken ist mir auch:
ja, ich baue hier auf meinem blog ein konstrukt, das macht jede/r mit allem, was er/sie tut – doch meines ist ‚im werden‘, keineswegs festgefahren, nein, denn ich stelle fragen, schreibe, worüber ich nachdenke, welche gedanken mir durch den kopf gehen. dennoch:
Das Bedürfniss anzuklagen und mich in dein utopische Konstruk zu ziehen um einen Vorteil zu erlangen, ist mir immer noch sehr fremd.
anklagen?
manchmal.
da muss es leider sein.
aber sicher niemals, um einen vorteil zu erlangen.
welchen vorteil habe ich auch davon, jemandem zu sagen, vegan zu leben allein reicht nicht?
keinen.

spannend finde ich auch, wie schnell manche fakten verdreht und andere einfach unter den tisch gekehrt werden:
Deine Soja-Lüge ist dir unter den Finger zerbröselt, nun versuchst du es mit quinoa. Was kommt danach? Geht das immer so weiter…? Flucht von wackligen Argument zu Argument?
die soja-lüge.
ahja.
meine so genannte ’soja-lüge‘ war es nicht zu behaupten, dass veganer/innen mehr soja verbrauchen oder etwas in diese richtung, diese aussage ist nämlich definitiv falsch.
nein: ich habe angemerkt, dass auch beim anbau von soja tiere leiden – dass es aber offenbar ethisch vertretbar ist.
und das ist definitiv so. (darauf wird aber nicht eingegangen, die frage nach maus und reh wird immer wieder ins lächerliche gezogen, von allen, die man darauf anspricht. vielleicht, weil weder maus noch reh nach ethischen gesichts.punkten wert.voller als rind oder huhn sind – so man überhaupt den wert eines lebe.wesens definieren kann und will.)
und ich flüchte nicht zu quinoa – aber ich finde, konsument/innen sollten wissen, dass unser konsum von quinoa den menschen in den anden, wo quinoa hauptsächlich angebaut wird, ihre lebens.grundlage entzieht. die augen davor zu verschließen ist naiv – und sinnerfassendes lesen wohl nicht jedermanns sache.

mir auf meinem eigenen blog vorzuwerfen, ich würde mir nicht durchlesen, was ich schreibe, ist aber mehr als lächerlich: Ich denke eher, Du solltest Dir noch einmal genau durchlesen, was Du so hier hinterläßt.

das
ist
mein
blog

und ich schreibe hier nicht das, was jemand lesen möchte, sondern das, was ich mir denke. das mag falsch sein, aber es gibt niemandem das recht, mich hier in meinem eigenen schreib.wohn.zimmer durch den kakao zu ziehen. immerhin muss es ja niemand lesen, nicht wahr?

Was bleibt ist der fade Geschmack von einem Schrei nach medialer Aufmerksamkeit und das fast greifbare Bedürfnis nach einer vorsorglichen Rechtfertigung.
gütiger himmel.
im ernst?
mediale aufmerksamkeit? na welch eine überraschung, dass man auf einem blog hofft, dass jemand da draußen mitliest.
(übrigens habe ich in meinem leben das normale ausmaß an medialer aufmerksamkeit schon weit überschritten, ich kann also aus erfahrung sagen: mediale aufmerksamkeit brauche ich nicht, davon hatte ich schon genug, danke.)
und oh wunder, oh wunder – eine korrektorin hat das bedürfnis nach korrekter recht.schreibung.
wie kann es so etwas nur geben…?
(wer da einen zusammen.hang sieht, der glaubt wohl auch an reptiloide und die theorie der gehirn.fressenden chem.trails.)

*

warum ich das alles hier auf.schreibe?
weil ich exakt das mit meiner gestrigen kolumne sagen wollte:
jemand lebt vegan – und damit sind alle anderen argumente, alles, was man als mensch sonst so tut, null und nichtig.
die jacke kommt von einem label, das sich keine gedanken über umwelt oder die menschen macht, die diese jacke produzieren? macht nix, ist ja schon alt, die jacke, tut ja keinem mehr weh.
und wenn gar nichts mehr hilft, dann macht man sein gegenüber eben lächerlich. und wenn man zufällig ein argument hat, das etwa die soja.lüge (was übrigens verdächtig nach alu.hut und chem.trails klingt) entkräftet, dann braucht man sich offenbar um keine anderen argumente mehr bemühen – quinoa? interessiert mich nicht.

wie sich das anfühlt, lächerlich gemacht zu werden, noch dazu auf dem eigenen blog, im eigenen wohn.zimmer?
einfach noch einmal die ersten zeilen hier lesen – schön ist anders.
und mal im bekannten.kreis herumfragen: jede/r, der/die einen blog betreibt, kennt das: menschen, die sich in kleinigkeiten festbeißen und wochenlang dazu kommentieren. fehlende argumente werden mit fräulein lang.strumpf umschifft – und wenn gar nichts mehr geht, dann wird man eben gemein.
(das oben erwähnte sind nur die netten kommentare – die fiesen kamen diesmal per mail, das scheint neuerdings beliebter zu sein. vielleicht, weil es den anschein hat, man kann anonym über jemanden herziehen.)

leute!
ich plädiere für einen netteren umgangs.ton.
für ein ‚lies dir bitte wenigstens den ganzen artikel durch, bevor du los.kommentierst!‘
für ein ‚achte deine mit.menschen, und versuche ihnen zu helfen – womit auch immer.‘

überall – nicht nur in der digitalen welt.
dort aber besonders.

wer nach.lesen will, wieso mir das so ein anliegen ist:
https://www.eaudestrache.at/
immer wieder mal anklicken, durchlesen, zurücklehnen und erkennen:
nein, so möchte ich nicht sein.

friede.
und:
namaste.

***

ps.
eine kolumne ist übrigens ein als ‚journalistische klein.form‘ definierter meinungs.beitrag.
jemandem auf einem eigenen blog unter einer kolumne vorzuwerfen, seine eigene meinung niederzuschreiben, ist also … naja, eh schon wissen.

© Denis Junker - Fotolia.com

 

 

 

 

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13 Kommentare zu “der beiß.reflex. (#kolumne)

  1. Ich hatte mal versucht, das Dilemma des ethischen Konsums etwas ironisch auf den Punkt zu bringen: https://goo.gl/r1eRC2

    Ich habe so mein Problem mit Missionaren, seien es solche, die für eine Religion missionieren, seien es solche, die ihre politischen oder moralischen Ansichten predigen und einen unbändigen Drang verspüren, ihre Mitmenschen davon überzeugen zu müssen. Das ist antidemokratisch, weil es zum einen die Unfähigkeit Differenz auszuhalten zum Ausdruck bringt, zum anderen immer mit einem autoritär-paternalistischen Besserwissergestus daherkommt, der vorgibt, einem das eigene Denken abnehmen zu können.

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    • du hast es gut zusammengefasst – weil es genau so ist.
      leider ist das auch genau der grund, wieso sich manch eine/r so auf veganismus versteift – das wäscht das gewissen rein. denn solange man mit dem flieger in den urlaub fliegt, ist es relativ wurscht, ob man fleisch isst oder nicht…schon mal einen vogel gesehen, dem in der luft ein flug.zeug entgegenkam? autsch.

      ich mag missionare auch nicht – und ich mag nicht, wenn ich fragen stelle und mir vorwerfen lassen muss, dass ich missionarisch sei.
      ich versuche eben, mehr als einen aspekt zu sehen – gar nicht so einfach, wie du schreibst.

      weißt du, ich persönlich möchte gar niemanden missionieren – ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass es mehr aspekte im leben gibt, die beachtet werden sollen, dass es falsch ist, kein fleisch zu essen und damit ende der fahnen.stange – aber wie schaffe ich es, dass diese message auch bei den betroffenen und -innen ankommt??

      wie schaffe ich es, dass menschen nicht quinoa.auflauf statt wiener.schnitzel essen – und dabei vollkommen vergessen, dass dieser auflauf menschen in anderen länern gefährdet?

      Gefällt 1 Person

      • ‚Erziehung zur Mündigkeit‘ lautet ein Vortrag von Adorno, den ich nur wärmstens empfehlen kann (https://goo.gl/0LlgeA)
        Kurz gefasst gehört unter anderem dazu: Die Willensbildung muss frei von Zwang stattfinden, sie muss aus mehreren Quellen abwägend und kritisch sich auseinandersetzend gebildet worden sein. Von dieser ‚Arbeit‘ kann man niemanden entbinden. Es liegt in der Verantwortung eines jeden, sich kritisch mit der ihn umgebenden Gesellschaft auseinanderzusetzen. Das ist der Zweck der Medien in unserer Gesellschaft, nämlich zur politischen, moralischen und ästhetischen Willensbildung beizutragen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist die Existenzberechtigung der privaten Fernsehsender übrigens mehr als fraglich, aber das nur nebenbei.

        Also, Du wirst nicht umhin kommen, es Deinen Lesern zu überlassen, was sie als ‚message‘ mitnehmen. Du kannst nur auf die Kraft Deines Argumentes vertrauen, das Du in die Waagschale wirfst.

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        • d.h. aber, dass es keinen weg gibt, jemanden zu überzeugen, dass es etwa mehr im leben gibt als ‚kein schnitzel am teller‘, wenn er es nicht selbst lernen möchte?

          die medien leisten da leider keine gute arbeit… :(

          nun, ich überlasse es ihnen ja ohnehin. aufzwingen liegt mir nicht – aber informieren.
          die kraft meiner argumente würde aber vorraussetzen, dass jemand die argumente auch wirklich liest…

          ohje. trübe aussichten, irgendwie.

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          • Man keinen zur Aufklärung zwingen. Das muss man schon selbst tun. Die Grundlegung dazu muss in der Schule passieren. Zwar auch im Elternhaus, aber primär in der Schule, weil hier ein demokratischer gesellschaftlicher Austausch vorgelebt, eingeübt und konditioniert wird. Das ist die Hauptaufgabe der Schule finde ich, die Wissensvermittlung kommt direkt danach.

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