beratungs.resistent – oder warum man nicht jedem glauben soll. (#kolumne)

heute, im büro, in einem arbeits.gruppen.chat, tauchte in einem satz ein wort auf, das sehr oft verwendet wird – meistens aber unter höchst mysteriösen umständen:
nein, ich erklär dir das jetzt nicht, denn du bist ja so beratungs.resistent.

beratungs.resistent.
ahja.
heißt im klar.text:
ich bin die unwissende und mach alles falsch, weil ich jemand anderem nicht jedes wort glaube, das er mir erzählt, sondern meinen eigenen weg gehe.

worum es geht?
ich bin der meinung (unter anderem aufgrund diverser markt.analysen), die leser/innen da draußen mögen rote unter.hosen, am liebsten zum schlafen, und erzähl ihnen daher, wie toll diese roten unter.hosen sind, wie wunder.schöne rote.unterhosen man bei unserem unternehmen kaufen kann und dass es nirgends gemütlichere gibt – hey, unsere kann man als pyjama tragen!
(produkt.name von der redaktion geändert.)
jemand anderer aber ist sich sicher, dass die menschen am liebsten grüne äpfel mögen, und das nur früh.morgens, also wär’s natürlich viel gescheiter, ihnen täglich grüne äpfel vorzusetzen, früh.morgens, und auf keinen fall gelbe oder gar erd.beeren – oder rote unter.hosen.
die sowieso nicht.
also setz ich mich hin, werte daten aus und analysiere statistiken – und siehe da: die mehrheit der leser/innen liebt es, in roten unter.hosen zu schlafen – spät.nachts, natürlich.
also konzentrier ich mich weiterhin darauf, dieses wissen anzuwenden, zeig manchmal auch gelbe unter.hosen, und natürlich katzen.videos (katzen.videos gehen ja immer, #catcontent ist #topcontent, oder so) – und freu mich über die steigende zahl von menschen, die mittels daumen.hoch sagen: hey, rote unter.hosen, tighter shice, muss ich haben!

und doch bin ich es, die nix weiß, keine ahnung hat, und natürlich eines ist:
beratungs.resistent.
obwohl ich mit fakten belegen kann, warum ich mach, was ich mach, obwohl ich mir jeden schritt drei.mal überlege, mit kolleg/innen darüber rede, bisher unangewandtes wissen aus studien.zeiten einfließen lasse und mir die zahlen recht geben –
hilft alles nichts, beratungs.resistenz ist schließlich nicht heilbar.
klar.
also das hätt ich wissen können – wär ich nicht so beratungs.resistent.

und weil ich das heute nicht zum ersten mal gehört habe, und von einigen bekannten weiß:
das hören auch andere ständig, möchte ich heute eine lanze für die beratungs.resistenz brechen, denn:

als ich genau heute vor sieben jahren meinen ersten blog eröffnet habe, gab es viel gegen.wind –
was schreibst du denn da, das will doch keiner lesen, also wirklich, so geht das doch nicht. 

und heute, exakt sieben jahre später, sitz ich daheim auf dem sofa, vor mir ein manuskript, und erarbeite eine lesung, zu der man mich eingeladen hat.
(danke dafür! und ja, ich bin irre aufgeregt!)
wär ich nicht schon damals so beratungs.resistent gewesen, ich wär heute wohl nicht so aufgeregt, wegen ein paar worten, die ich vor.lesen darf – worte, die wie freundinnen für mich sind.
wegen ein paar hundert leser/innen, die mir hier folgen und meine worte gerne lesen, anscheinend.
oder wegen den kleinen sternchen, die manch eine/r meinen zeilen verleiht.

beratungs.resistent bedeutet für mich vor allem:
an mich selbst zu glauben, daran, dass ich weiß, wovon ich spreche, dass ich liebe, was ich mache –
und dass ich nicht jedem alles glaube, einfach nur weil er glaubt, er weiß es besser.
in acht von zehn fällen weiß derjenige es nämlich gar nicht besser –
er glaubt es nur.

wenn Ihr also wieder.einmal etwas mit herzb.blut macht, wenn Ihr Euer gesamtes wissen und Eure kreativität in etwas steckt und Euch dann anhören müsst, es sei ohnehin falsch und Ihr seid … naja, eh schon wissen:

dann macht einfach weiter!
denn viel wichtiger, als es jedem recht zu machen, ist es, sich selbst zu vertrauen!
in diesem sinne:

es lebe die beratungs.resistenz!

***

danke, wordpress, für all die jahre.

 

 

 

 

 

 

 

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© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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9 Kommentare zu “beratungs.resistent – oder warum man nicht jedem glauben soll. (#kolumne)

  1. Was für ein schöner Artikel. Ich höre im Ohr immernoch (LEIDER!) den Satz eines vollkommen dafür Unqualifizierten, der mir sagte: Glaubst du echt, dass jemand noch n Yoga- und Feelgood-Blog lesen will?
    Und ich wusste damals schon: Ja, denn es ist kein anderer Yoga-und Feelgood-Blog, sondern Meins – und damit sehr wertvoll.
    Die inflationäre Nutzung des Wortes beratungsresistent heißt für mich im Umkehrschluss auch, der andere weiß nicht, wie er mich sinnvoll und intelligent überzeugen soll und kann. Damit gesteht er eine ziemliche Niederlage ein.
    Danke für den Gedankengang in deinem Beitrag!

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    • hallo. danke für deinen lieben kommentar! :D

      genau, es ist meins – und obs wer lesen will, das bleibt eh jedem selbst überlassen!

      und ja, du hast vollkommen recht. hihi, super argument!
      danke für die lieben worte!

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  2. Bei Deinen Beispielen wird ja nicht gerade von Fachkundigen beraten. Bei mir gibt es schon Kunden die wissen wie ich etwas mache und ergründe da wir uns oft über Jahre kennen. Trotzdem sind manche Kunden beratungs-resistent bis sie später erkennen: sie haben wieder grossen Mist entschieden. Wenn man/frau es sich leisten kann, warum nicht?

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    • es geht um marketing. und da gehts natürlich um fachkunde – zielgruppenorientierter social media content muss perfekt abgestimmt sein.

      auch wenn man sichs leisten kann – es nervt.

      Gefällt 1 Person

        • oh.
          jetzt versteh ich das: du hast also nicht rausgelesen, dass die roten unterhosen und die katzenvideos stellvertretend für das stehen, was wir wirklich verkaufen – und dass ich das so mach, weil ich meinen arbeit.geber nicht preisgeben will. :D
          alles klar – sag das doch gleich.

          wobei – es würd ja an sich im text stehen… naja, sinnerfassend lesen zu können ist nicht die stärke schwarzer vögel. ;)

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