warum es wichtig ist, ehrlich zu sein. (#kolumne)

wer sich auf einem gebiet selb.ständig macht, kennt das folgende szenario:
man möchte all seinen freund/innen mit.teilen, dass man nun etwas neues macht –
und dass alle mit.machen können!

sei es, dass man ein buch geschrieben hat, das nun alle lesen können/dürfen/sollen, sei es ein kaffee.haus, das man eröffnet hat und in dem man möglichst oft all seine bekannten treffen möchte, oder sei es, dass man in einem yoga.studio verschiedene klassen ansagen darf und sich natürlich freuen würde, freund/innen dort zu treffen und ihnen die vor.züge dessen nahe zu bringen, was man selbst so liebt.

gerade gestern hab ich mit einer befreundeten autorin gesprochen, die vor einiger zeit ihr neues buch heraus.gebracht hat und natürlich von zeit zu zeit in ihren sozialen netz.werken die frohe kunde verbreitet –
und die exakt dieselbe beobachtung gemacht hat wie ich (und vermutlich viele andere):

alle, wirklich alle sind hellauf begeistert von dem werk, freuen sich schon wahn.sinnig darauf, wenn der post.bote endlich das neue buch in den post.kasten wirft, können es nicht erwarten, die ersten seiten zu lesen –
oh, wie wird die geschichte wohl sein, werde ich mit.fiebern, werde ich tränen verdrücken müssen?
zu hunderten kommen kommentare wie diese, die menschen schreiben sich die finger wund um zu bekunden, wie sehr sie sich nach genau diesem buch verzehren …
und dann die ernüchternde wahr.heit:
gerade mal fünf dieser menschen haben das buch auch wirklich gekauft.
(mindestens zwanzig aber fragen nach einem gratis.exemplar.)

ich kann mich noch gut erinnern, als ich mit einem autor an einem buch arbeiten durfte, das alle zu fesseln schien –
märchen für erwachsene, wie spannend!
hätten all jene, die damals geschworen haben, genau dieses buch un.be.dingt lesen zu müssen, es auch wirklich gekauft, der autor wäre ein reicher mann.
doch weit gefehlt:
wenn es darum geht, zuzugreifen, das buch käuflich zu erwerben und dem frisch gebackenen autor so wirklich zu helfen, dann ist die euphorie schon nicht mehr so groß.

so ist aber in allen bereichen:
wenn ich beispiels.weise in meinem bekannten.kreis erzähle, dass ich in diesem yoga.studio yoga.klassen an.sagen darf, finden das erstmal alle super.genial und schwören, sie kommen sicher zwei.mal die woche –
mindestens!
oder als ich zu schreiben begann und es irgend.wann öffentlich machte, was ich da so tippe:
alle, wirklich alle menschen, die ich kenne, wollten meine texte lesen, waren sich sicher, dass ich die beste schreiberin der welt sein müsse und es deshalb ein genuss sein werde, meinem blog täglich zum kaffee einen besuch abzustatten.
(oh, nichts anderes möchte man hören, es ist balsam auf der geschundenen seele, die an manchen texten monate.lang feilte!)

die wahr.heit aber ist:
es dauerte zwei jahre, bis ich täglich mehr als zwei zugriffe auf meinem blog verzeichnen konnte –
exklusive dem einen, der von mir selbst kam, um zu über.prüfen, ob ich eh alles richtig geschrieben hatte.
und dem anderen, der von meinem liebsten kam …
ein follower der ersten stunde.
und von all den begeisterten menschen, die vor freude jubelnd erklärten, ganz ganz sicher zum yoga zu kommen, waren bisher vier bei uns im studio.

nur um jetzt keine irrtümer aufkommen zu lassen:
das ist vollkommen ok so! 
niemand muss yoga machen, nur weil ich das toll finde und am liebsten täglich nichts anderes machen würde.
niemand muss meinen blog lesen, niemand mein buch kaufen, niemand genau bei mir kaffee trinken.
natürlich nicht!

aber ich möchte hier eine lanze für die ehrlichkeit brechen:
wenn Euch jemand erzählt, dass er sich mit einem kaffee.haus selb.ständig machen möchte, dann erzählt ihm nicht, dass Ihr ab jetzt sicher täglich von montag bis sonntag Euren milch.kaffee bei ihm und nur ihm und keinem anderen trinken werden –
denn er rechnet mit Euch, kalkuliert Euch als fix.kund/innen ein …
und erlebt dann eine herbe enttäuschung.
schaut lieber ab und zu mal vorbei, ohne es vorher groß anzukündigen.
wenn jemand aus Eurem bekannten.kreis ein buch über keller.asseln und ihr geheimes liebes.leben geschrieben hat, dann sagt nur dann, dass Ihr es sicher lesen werdet, wenn Ihr es auch wirklich lest und es anschließend vielleicht sogar rezensiert –
nur so helft Ihr dem schreibenden wirklich.
und wenn Euch eine freundin berichtet, dass sie ein eigenes yoga.studio eröffnen möchte, dann macht Ihr keine falschen hoffnungen auf neue stamm.kund/innen –
keine/r von Euch wird fünf.mal die woche bei dieser freundin yogieren, das wissen wir alle.
es aber zu versprechen, verändert für Eure freundin alles –
dieses versprechen zu brechen, kann existenz.bedrohend sein.
(und nein, in diesem fall schreibe ich nicht von mir, ich bin sehr happy mit meinen kursen.)

auch wenn es manchmal schwer fällt:
ein liebe.volles
ich bin nicht so der yoga.typ, vielleicht probier ich es mal aus, dann sehen wir weiter, ok?
oder ein
keller.asseln? hm, ich les lieber krimis, sorry, aber viel erfolg!
ist vielleicht im ersten moment ein bisschen schwierig über die lippen zu bringen –

auf lange sicht ist es aber ehrlicher und der freundschaft bestimmt zu.träglicher.
probiert es einfach mal aus!
danke und

#namaste!

***

und weil es so gut zum thema passt:
freund/innen betteln um rabatt und gratis.aktionen –
wahre freund/innen zahlen den vollen preis.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

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