einfach so. | 1

einfach so war sie an diesem tag aufgestanden, hatte den wecker ausgeschalten, war in ihren kimono geschlüpft, zum fenster gegangen, um sich von den ersten sonnenstrahlen streicheln zu lassen, alles wie immer, noch gefangen in träumen, so wie jede nacht.

einfach so war sie dann in die arbeit gefahren.
weg von ihrem haus.
weg vom meer.
und wieder zurück.

und einfach so war der tag vergangen, ohne jede spur in ihrem leben zu hinterlassen.
sich dann müde ins bett legen.
einschlafen.

und dann –
einfach so.
dieser traum.
aufwachen.
und feststellen –

einfach so ist es einfach nicht –
und einfach so ändert sich alles.

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einfach so. | 17

ich bin da.

endlich hat alles einen sinn.
endlich habe ich meinen platz gefunden.
mein platz ist an deiner seite. lass es uns beenden. beginnen.

das wasser ist kalt, bei dir jedoch wird mir warm sein.
ja doch, geliebte, ich bin auf dem weg!
es ist nur, ich kann im wasser nicht so schnell zu dir laufen, wie ich möchte, ich sollte eintauchen.
untertauchen.
lass mich nur einmal noch den –

schaum –

horizont betrachten!
wie blau der himmel doch ist.
welt, lebe wohl!
ich tauche ab, hinein in die welt aus wellen, schaum, geborgenheit.

blau überall. immer dunkler wird das blau. zärtlicher.
sieh nur, geliebte, wie fröhlich die kleinen luftbläschen nach oben streben!
so viele waren es zuerst, doch jetzt werden sie immer weniger.

 da, die letzte!

(ende.)

***

(den anfang lesen? bitte sehr.)

einfach so. | 16

lange schaut sie nur aufs meer.
beobachtet die schaumkronen, wie sie auf den wellen tanzen. versucht zu verstehen, was die wellen ihr sagen wollen.
sie schließt die augen, nickt, kann endlich verstehen.

dann beginnt sie langsam, sich zu entkleiden. mit geschlossenen augen öffnet sie ihren kimono, lässt ihn auf den sand gleiten.
da steht sie nun, nackt. der wind umspielt ihren körper. sie spürt den schaum, der von den wellen herabsteigt, der ihre zehen einhüllt, der mit jeder neuen welle weiter hochklettert, ihre beine entlang, hin zu den knien. sie hört das –

sonderbar todesblaue –

rauschen der wellen, das locken, das rufen. sie hört genauer hin, noch immer mit geschlossenen augen. sie will antworten, aber ihre worte kommen nur wie ein hauchen aus ihrem mund, werden sofort vom wind verschluckt.
sie versucht lauter zu rufen, sie schreit

aber ich bin doch schon da!
ja, ich bin auf dem weg, es dauert nicht mehr lange, dann kann uns nichts mehr trennen, dann haben wir die ewigkeit auf unserer seite.
ich muss nur noch den rest der welt vergessen, dann bin ich bei dir,

geliebte. 

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einfach so. | 15

mit der kaffeetasse in der hand geht sie auf ihre veranda. zieht den kimono enger um sich.

schön ist das meer heute. beruhigend. sogar der sturm wirkt heute so liebevoll. er hält mich fest. der sturm will mich locken. er sagt

komm mit, ich zeige dir den weg zum meer.

oh, der wind hat mir schaum mitgebracht! der schaum ist so zärtlich, so anmutig. wohin führt mich der sturm? ich werde einfach die augen schließen und ihm folgen. er will mich mitnehmen, schön.
bringt er mich zu ihr? bringt er mich zum meer?
ja. ich kann dich hören. ich weiß, du bist zu mir gekommen gestern,  an jenem sonntag. und nun komme ich zu dir, um dir in die augen zu sehen.

mit verträumten augen stellt sie die tasse ab, steigt von ihrer veranda, folgt dem sturm. sie fragt nicht nach dem warum. denn die antwort ist ja doch immer

einfach so.

sie kann das meer riechen. sie nickt. lächelt. folgt dem sturm. der sturm meint es eben gut mit ihr.

der sturm meint es eben gut mit mir. er holt mich weg.
der sturm, er holt mich hin zum meer.

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einfach so. | 14

montag.

wie immer aufstehen, wecker ausschalten, kimono an, hin zum fenster. draußen peitscht der sturm die wellen auf, treibt sie zum ufer, nahe ans haus.
enttäuscht dreht sie sich um. wieder keine sonne. wieder nur der sturm.
sie geht zum schrank, steht ratlos davor. was soll sie heute im büro? ihre gedanken sind beim meer. nichts anderes hat platz in ihr, nur das meer.
so blau, so unergründlich.
und der sturm.
sturm am montag lässt das meer noch bedrohlicher werden. lässt die mauern erzittern.

einsturzgefahr!

ich muss weg hier. raus aus dem haus, weg vom sturm, weg vom –

blauen meer –

strand. ganz weg.

ich werde jetzt erst einmal frühstücken. mit einem kaffee wird alles gut.
einfach so, wie immer.

sie dreht sich weg vom schrank. schaut zu boden. ein zufall?
da. ein kleiner dunkler fleck auf dem boden. ist das noch ein rest schaum?

der letzte rest von gestern.
von der frau.
vom meer.

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einfach so. | 13

in ihrem rücken spürt sie den blick. blau wie das meer im winter. und ebenso kalt. sie zittert ein wenig. blickt an sich hinunter, entdeckt gänsehaut. sie atmet tief ein. da ist es wieder, sie hat es schon erwartet, vermisst, das

hauchen.

eiskalt läuft es ihr über den rücken.
dreh dich um, hört sie, sieh mich an, ich bin gekommen.

dreh dich um und sieh dem meer in die augen.

das zittern wird stärker. so unbedeckt will sie sich nicht umdrehen. dann nimmt sie den vorhang, wickelt ihn sich um den körper, fühlt sich ganz plötzlich mutig. dreht sich um.
hinter ihr, nur ein paar meter entfernt, steht eine frau.
eine frau?
erstaunt lässt sie den vorhang fallen. die frau hinter ihr starrt sie an. sie trägt ein weißes tuch um den leib, blass ist sie, fast durchsichtig.
und sie ist nass.

sie starrt mich an, warum? wer ist sie? will sie mich holen? wohin werden wir gehen? sie ist so blass, fast durchsichtig. sie lächelt und sie tropft. kommt sie aus dem meer? ist sie das meer?

sie steht der anderen gegenüber, versucht ein lächeln. keine der beiden sagt ein wort, und doch versteht sie, was die andere will.
sie nimmt mich mit, hinaus. ins meer. eins werden mit den wellen. eins werden mit dem schaum. einfach so.

sie streckt den arm aus, will die andere berühren. immer näher kommen sich ihre hände. und dann
kurz bevor sie sich berühren, zerfließt die andere. wird blasser, verschwindet, löst sich auf. bis auf dem boden nur mehr ein kleines bisschen –

schaum –

wasser übrig ist.

sie geht zum schaum, blickt ihn an. ganz leise kann sie den schaum hören, als wolle er ihr etwas sagen.

ich hasse sonntage.
sonntags kann ich nicht im büro sitzen.
sonntags kann ich nicht flüchten aus meinem haus, wohin an einem sonntag?
doch dieser sonntag ist anders.
es ist der blaue sonntag.
der sonntag, als das meer zu mir kam. 

(weiter.lesen.)

einfach so. | 12

sonntag.

sie hasst sonntag.

sonntags kann sie nicht flüchten aus ihrem haus, wohin an einem sonntag?
sonntags liegt sie lang im bett, hört laut musik, will die brandung übertönen.
sonntags öffnet sie nicht einmal den vorhang. sperrt das meer aus.

doch das meer findet seinen –

türkisblauen –

weg in ihr haus, ihr schlafzimmer, ihre seele.
dieser sonntag wird anders werden.
sie setzt sich auf in ihrem bett. schaut den wecker an, still steht er da. sie steht auf, lässt ihren kimono auf dem stuhl liegen, wo er jede nacht liegt.
heute nicht, denkt sie. nackt geht sie zum fenster. öffnet den vorhang, blickt auf das meer. kein wind, kein schaum. ein friedlicher sonntag.

einfach so.

zwei worte, hinter ihr, ein stück entfernt. wer spricht zu ihr? sie wagt es nicht, sich umzudrehen.
nackt muss sie sich nun der wahrheit stellen. an einem sonntag.

das war ja klar.

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einfach so. | 11

wasser neben ihr. unter ihr. schaumkronen über ihr.
alles eisblau, kalt, erdrückend.

sie sinkt, immer tiefer, doch sie hat keine angst. nein, sie genießt es sogar. sie fühlt sich befreit, erlöst, geliebt und geborgen.
unter wasser gibt es keine fragen mehr, alles ist
einfach so.
sie genießt die blaue stille, genießt das wasser, scheint zu schweben. sie lauscht in das nichts, erfreut darüber, wie es klingt. das nichts scheint zu ihr zu sprechen, von weit weg. die worte kommen näher, erreichen sie, plätschern in ihr ohr.
sie hört zwei worte –

einfach so.

gehaucht. sanfter atem an ihrem nassen hals.
atem an ihrem nassen hals? atem unter wasser?
sie schaut sich um.
blauer schaum rund um sie. sie ist allein, und doch ist da dieses hauchen, das sie schon kennt, das sie vermisst, das sie

begehrt.

sie spürt, wie sie immer weiter nach unten sinkt, fühlt die dunkelheit sie umfassen, will nach unten gezogen werden.

doch dann
kommt die oberfläche wieder näher, es wird heller, das hauchen wird stärker. etwas zieht sie hoch, will sie nicht sinken lassen,

einfach so, hört sie in ihrem kopf, einfach so.

sie starrt die schaumkronen an. es war doch so schön da unten, so geborgen, so geliebt.
ein lautes klingeln lässt sie erstarren. sie sieht sich um.

über ihr die zimmerdecke. sie dreht den kopf. ein traum? aber es war doch so echt.
sie streift sich die haare aus dem gesicht. und hat schaum an ihren händen. wie real kann ein traum denn sein?

oder war es gar kein traum?

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einfach so. | 10

endlich abend.

jetzt ein schaumbad, da macht ihr der schaum nichts aus, da mag sie ihn, weil er sie an den zehen kitzelt, am hals berührt. das wasser läuft leise in die wanne, sie öffnet eine flasche und riecht daran.

guavenschaumbad.
sie liebt diesen duft, er beruhigt, entspannt, verführt.

dann
raus aus der wanne, eingewickelt in ein kuscheliges tuch. sie legt sich auf ihr bett, ist völlig entspannt, hört die brandung des meeres rauschen, schön klingt das, wenn sie es nicht sehen muss.
doch da ist es wieder, dieses

atmen, hauchen,

direkt am hals, es bewegt sich abwärts.
sie wagt nicht, die augen zu öffnen, aus angst, das nichts zu sehen, das über ihr zu sein scheint. das hauchen wandert weiter, öffnet ihr tuch, und da liegt sie, nackt, im mondlicht, unfähig sich zu bewegen, unfähig, den atem nicht zu genießen.
am bauchnabel stoppt das hauchen, kehrt um, wieder nach oben richtung hals, hält am linken ohr. sie zittert, aus angst, aus freude, sie hofft, es möge enden und dass es nie mehr aufhöre. es ist wunderbar und es ist schrecklich, und am schrecklichsten ist, dass es –

weg! –

plötzlich aufhört. kein hauchen mehr, sie fühlt, dass sie wieder allein ist. immer noch zitternd wickelt sie sich wieder in ihr tuch, dreht sich zur seite, hofft auf träume.
und schläft ein.

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einfach so. | 9

einfach so, denkt sie, als sie tags darauf vor dem spiegel steht, einfach so habe ich schaum im haar. einfach so, das werde ich jetzt immer denken, dann geht der traum vorbei, und bald habe ich ihn vergessen.

sie lächelt ihrem spiegelbild zu.
einfach so
, denkt sie, einfach so.

sie zieht sich an, tanga, bh, bluse, rock.
keine jacke, obwohl draußen ein kühler wind die –

schaumkronen –

wellen auf dem meer erneut auflädt und richtung ufer trägt. der kühle wind draußen verbläst ihre gedanken, fängt ihr haar, lässt sie erschaudern. sie richtet den blick starr geradeaus, bloß nicht zurückschauen zum haus, zum meer. bloß nicht. kein blick entkommt ihr richtung strand.
kurz bevor sie ihr auto erreicht denkt sie,

ja, ich habe es geschafft,

doch dann spürt sie wieder das hauchen am hals. und zwei worte –

einfach so.

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