haare schneiden? ja, aber zum gleichen preis, bitte. (#kolumne)

die haare einer frau sind ihr ganzer stolz, heißt es.
ich kann dazu nur sagen:
das ist sexistischer quatsch aus vergangenen zeiten.
meine haare (und die vieler anderer frauen) sind einfach da, sie sind weder besonders klasse noch bin ich besonders stolz darauf.
und genau aus diesem grund trag ich sie seit vielen jahren kurz –
es ist praktisch, und ich seh damit besser aus, find ich.

das schneidenlassen ist allerdings ein echtes drama.
denn es gibt kein gutes friseur.studio, in dem frau nicht mindestens zwanzig euro mehr zahlt als ein mann –
das hängt uns noch aus der nachkriegszeit nach, als alle männer.haare mit der maschine auf wenige millimeter geschnitten wurden.
weil ich es wirklich unfair finde, dass ich für meinen kurzhaar.schnitt fast das dreifache zahlen soll wie mein mann oder mein sohn, hab ich in den letzten tagen die websites örtlicher friseur.studios durchforstet und die studios dann auch angeschrieben, weil ich wissen wollte, womit der riesen.unterschied eigentlich erklärt wird.

erfreulicherweise hab ich auch ein paar antworten bekommen:
argumentiert wird das mit dem vermeintlich erhöhtem material.aufwand, mit der angeblich längeren dauer, der ausgiebigen beratung, die ja alle frauen brauchen, ebenso wie ausgiebiges föhnen und stylen, es geht anscheinend um das hand.werk, das man erlernen muss, mit der dienstleistung, die (natürlich!) bezahlt werden soll, mit wechselnden mode.trends, erhöhtem schulungs.aufwand, und mit anschaffungs.kosten für locken.wickler, trocken.hauben und sowas.

jetzt ist es aber so, dass ich gar keine beratung brauche, weil ich seit jahren denselben schnitt trage, ich werd nicht länger geföhnt als ein mann, am hinterkopf immer mit der maschine geschnitten, und für mich braucht man keine locken.wickler oder trocken.hauben. meist sind die männer.schnitte, die ich beobachte, mit viel mehr aufwand verbunden als mein nachschneiden –
und mit viel mehr können, technik und handwerk.
meine frisur nachzuschneiden dauert nie länger als fünfzehn minuten, geföhnt werden will ich meistens gar nicht, ich mag keine pflegeprodukte und nur ein bisserl wachs –
und trotzdem zahl ich nachher um ein vielfaches mehr.
mein mann sitzt manchmal im friseur.studio, wird beraten, was ihm stehen könnte, er bekommt einen haarschnitt, wird geföhnt, die haare werden gestylt, manchmal sogar der bart –
und dann geht er raus und hat knapp dreißig euro bezahlt.
echt jetzt?

nein, es geht mir nicht darum, dass ich weniger zahlen will, keineswegs –
es geht mir darum, dass ich für die exakt selbe leistung nicht so viel mehr zahlen will, nur weil ich eine frau bin.

natürlich ist haare schneiden ein hand.werk, das man erlernen muss, eine dienst.leistung, die es wert ist, bezahlt zu werden –
ich wage aber zu behaupten, dass man für einen kurzhaar.schnitt mehr können muss als für reines spitzenschneiden …
das, was die meisten frauen im friseur.studio machen lassen.
das hand.werk ist also schon mal kein argument, dann müssten kurzhaar.schnitte ja deutlich teurer sein.
die dienstleistung ist aber auch keines –
die ist bei männern (zumindest in meinem fall) exakt dieselbe:
waschen, schneiden, föhnen, in weniger als zwanzig minuten.

weil sich dann bei mir der überhöhte preis aber nicht erklären lässt, ist mir letztens folgendes passiert:
meine haare wurden gewaschen, dann saß ich zehn minuten allein auf dem stuhl. danach wurden mir in zehn minuten die haare geschnitten, und wieder saß ich allein da, die friseurin sagte, sie müsse kurz etwas erledigen. nach fünfzehn minuten kam sie wieder, föhnte mir schnell die haare, ging nochmal was erledigen
und dann stand ich an der kassa, sollte fünfundachtzig euro bezahlen und durfte mir anhören, dass frauen.schnitte immer länger dauern würden und deswegen teurer seien.
(zu diesem friseur geh ich sicher nie wieder.)

die vorstellung, dass jede frau beraten werden will, dass haareschneiden ein wellness.akt ist, dass frauen sich im friseur.studio eine wohlfühl.session gönnen, ist eine vorstellung aus den 1950er jahren.
es mag ja sein, dass viele frauen das so sehen, viele andere aber nicht.
warum muss ich dann für alles mitzahlen, was andere toll finden, obwohl ich einfach nur haare schneiden möchte?

ist das gerecht?

ich finde nicht –
vor allem, weil auch die bezahlung in vielen friseur.studios nicht gerecht ist:
friseurinnen verdienen weniger als ihre männlichen kollegen.

vielleicht wäre es an der zeit, dass die friseur.branche im jahr 2019 ankommt –
ohne fadenscheinige ausreden, warum frauen mit kurzen haaren mehr bezahlen als ihre männer (übrigens auch dann, wenn die männer lange haare haben), und mit gleichem lohn für dieselbe arbeit.
es könnten ja auch einfach die männer mehr zahlen, wenn friseur.studios angst um ihre einnahmen haben, oder?

#feminismNOW

UPDATE:
mittlerweile zeigt eine studie, wie schlimm es wirklich ist …
und die kommentare unter dem artikel, dass feminismus noch immer sehr wichtig ist.
im jahr 2019.
kaum zu glauben eigentlich.

***
nach.trag:
eine liebe bekannte hat mich an ihre mutter verwiesen, die friseurin ist und beim haareschneiden keinen unterschied in sachen geschlecht macht.

außerdem hat mir einer der von mir angeschriebenen friseure sehr nett geantwortet und mir einen kurzhaar.schnitt zu männer.preisen angeboten –
vielen dank, darauf komm ich gern zurück.

 

 

no #food, no #fun? (#kolumne)

immer wieder bekomme ich einladungen von anderen mädels, doch einmal auch ihren blog zu besuchen – was ich immer gerne mache.
ist ja schließlich spannend zu lesen, was andere so schreiben.
also klicke ich den link an, der mir zugesandt wurde –
und lande in fast allen fällen auf einem food.blog, einem beauty.blog oder einem bücher.blog.
von tipps für veganes kochen über die neuesten nagellack.trends bis hin zu rezensionen von büchern, in deren titel recht oft die worte liebe, sommer und erdbeeren vorkommen, finde ich alles, was das mädchen.herz angeblich begehrt.
also klicke ich mich durch rezepte und rezensionen, hinterlasse ein paar likes und frage mich meistens:
wieso?
wieso schreiben so unglaublich viele mädels über exakt diese themen?
und wieso sind sie so verwundert, wenn man als mädchen (auch) andere dinge spannend findet?

es ist schon eine weile her, das war ich auf einem blogger/innen.treffen.
nach einer stunde, in der ich ziel- und planlos zwischen tischen voller kosmetik, koch.seminaren und nagellack.sessions umherwanderte, landete ich schließlich etwas abseits an einem tisch, wo schon drei junge frauen saßen –
und sie alle hatten dasselbe problem wie ich:
mangelndes gegenseitiges interesse.
die erste schrieb über computer.spiele, die zweite veröffentlichte eigene gedichte, und die dritte erzählte auf ihrem blog aus ihrem leben mit einer besonderen krankheit.
und dann war da noch ich mit meinen kurz.geschichten und lyrischen versuchen.
(ja, wir hatten dann noch sehr viel spaß. trotzdem wollten die anderen sich nicht an unseren tisch setzen. schade, eigentlich.)

nicht dass ich food and beauty nicht spannend finden würde, das ist es nicht –
ich schmink mich, und ich ess auch gerne.
aber ich habe kein interesse, darüber zu schreiben, und in den seltensten fällen möchte ich darüber lesen –
interessanterweise hatten all die anderen mädels auch kein interesse, über unsere themen zu lesen.
manchmal, nach einer rezension, bekomme ich sogar zuschriften mit der frage, wie ich denn bitte so ein buch loben könne? dann sitz ich mit großen augen vor dem computer und denke: ja wieso denn nicht? lesen wir sogar verschiedene bücher?
scheint so.

ich glaube, wir schreiben in vollkommen verschiedenen welten.
und wir müssen erkennen, dass unsere blogs es trotz aller unterschiede wert sind, gelesen zu werden –
vielleicht nicht von mir, weil ich mit tests verschiedener bb.creams nichts anfangen kann. muss ich aber auch gar nicht.
anderen ist so ein blog.beitrag vielleicht eine große hilfe.
und wieder andere denken sich bei meinen gedichten: wozu?

aber wir sollten lernen, trotzdem miteinander auszukommen, uns nicht anzufeinden, und vielleicht doch auch ein, zwei worte miteinander zu reden –
wer weiß denn schon, was sich daraus ergeben könnte.
und ich bin sicher:
es gibt dort draußen groß.artige gedichte über make.up.

kennt jemand eines?

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© Denis Junker - Fotolia.com

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