das ende ist kein ende ist ein anfang. (#kolumne) (#ytt)

heute abend geht mein erstes großes yoga.abenteuer zu ende:
heute abend unterrichte ich hier meine letzte ashtanga.yoga.stunde.

und mittlerweile traue ich mich wirklich zu sagen:
ich unterrichte.
unter anderem, weil ich in den letzten monaten unglaublich viel lernen durfte, weil ich keine angt mehr habe vor dem ablauf der einzelnen asanas, sondern mich darauf konzentrieren kann, was die menschen auf ihren matten machen, weil ich seit der intensiven anatomie.einheit ein wenig besser weiß, worauf genau ich achten und wie ich die yogi/nis ausrichten muss, und weil ich merke, dass ich durch die ausbildung und mein eigenes weiter.lernen doch ein großes stück des weges hinter mich gebracht habe und den menschen, die in meine yoga.stunden kommen, auch ein wenig mehr bieten kann als das bloße ansagen der verschiedenen positionen.

natürlich gibt es gerade im yoga –
wie auch sonst im leben –
immer etwas zu lernen.
man lernt nie aus,
hat schon meine oma immer zu mir gesagt,
und es stimmt.

wenn ich an meine aller.ersten stunden denke, wie nervös ich war, wie wenig ich mich leiten lassen konnte von meinem gefühl und der dynamik, die in der gruppe herrschte –
und wie sehr ich heute meine angst und meine nervosität verloren habe und jede stunde einfach nur genießen kann –
dann wird mir klar:

ich lerne wohl nirgends mehr als auf der matte,
egal ob als lehrling oder lehrende.

© Sybille Ebner - sinn.wort.spiel.

© Sybille Ebner – sinn.wort.spiel.

 

 

 

 

 

und auch, wenn ich nur schöne erinnerungen an die vergangenen monate habe, so anstrengend sie manchmal auch waren, so habe ich doch auch erkannt:

ich hab mich in diesem unterrichten ein bisschen verloren –
mich und meine praxis, obwohl ich jeden tag auf der matte stand …
zuhause, allein.
ich hab wahn.sinnig viel gelernt, jede freie minute genutzt, um noch mehr zu lernen, ich hab philosophische werke ebenso gelesen wie bücher zum korrekten ausrichten und dem perfekten auf.bau einer yoga.stunde, ich hab in wirklich kurzer zeit immens viel theorie in meinen kopf gepumpt.
und ich hab auch gelernt, was es bedeutet, yoga nicht nur als entspannende praxis, sondern auch als business zu betreiben, wie viel zeit das rund.herum beansprucht und wie anstrengend es ist, als lehr.anfängerin bis zu vier stunden in der woche zu unterrichten.
und ich bin glücklich darüber, keine frage:
all dieses wissen gibt mir die gelassenheit, auf der matte zu stehen und die menschen anzulächeln, auf ihre bedürfnisse eingehen zu können und kleinere oder größere wehwehchen mit verschiedenen tipps zu vermeiden.

und doch hab ich mein größeres ziel aus den augen verloren, meinen eigenen weg, das, was yoga für mich ist –
und die suche nach dem, was es sein könnte.
trotz meiner eigenen intensiven heim.praxis wurde yoga vom heiß.geliebten hobby recht schnell zum doch überraschend harten job, der mir und meinen lieben viel abverlangt hat –
ein job, der trotz aller höhen und tiefen aber immer der sein wird, der mich erfüllt,
und den ich nicht mehr auf.geben möchte …
weil es nichts schöneres gibt, als menschen ein entspanntes lächeln ins gesicht zu zaubern.

voller stolz kann ich hier schreiben:
ohne diese wunderbare chance, gleich zu beginn meiner ausbildung unterrichten zu dürfen, hätte ich wohl nicht so viel gelernt –
oder zumindest nicht in diesem kurzen zeit.raum.
ich bin noch immer ein wenig fassungs.los, dass mir jemand so viel vertrauen entgegen gebracht hat (tausend dank dafür!), dass wirklich regel.mäßig menschen in meine stunden gekommen sind (auch dafür: danke!) und wie sehr diese erfahrung mich verändert hat (denn das hat sie, massiv sogar).

man soll dann auf.hören, wenn es am schönsten ist,
auch das hat meine oma immer gesagt –
und auch damit hatte sie wohl recht.
wenn ich an meine heutige abschieds.stunde denke, dann sagt mein gefühl:
freu dich darauf, lass dich wie immer voll darauf ein –
und dann zieh weiter. 

die reise ist noch lange nicht zu ende.
aber das wissen, dass es eine reise ist, dass ich auf dieser reise an vielen stationen aus.steigen werde und jede dieser stationen mich wieder auf die eine oder andere art verändern wird,
dieses wissen macht mich glücklich …
und ein wenig demütig.

© Sybille Ebner - sinn.wort.spiel.

© Sybille Ebner – sinn.wort.spiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

die nächste station ist eine weitere wunder.bare, ich seh schon den bahnhof, an dem ich aus.steigen muss, dort stehen viele kinder und winken mir mit lachenden gesichtern zu, weil sie sich auf lustige und spannende yoga.stunden freuen.

meine haupt.station aber wird meine eigene yoga.matte sein, mein yoga.eck, wie ich es nenne –
dort werde ich wieder zu mir finden und meine eigene praxis weiter.führen, intensivieren …
und an meiner erleuchtung arbeiten.
oder so.

© Sybille Ebner – sinn.wort.spiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

wie sagte sri k. pattabhi jois so schön?
yoga ist neun.und.neunzig prozent praxis und ein prozent theorie

nun, mehr theorie brauch ich im moment wohl kaum,
ich widme mich jetzt wieder der praxis.

darauf freu ich mich ebenso wie auf die heutige letzte stunde –
und das wiederum zaubert mir ein lächeln ins gesicht.

#namaste!

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© Denis Junker - Fotolia.com

bade.wanne. (12)

das wasser war überall.
ebenso die dunkelheit.
und die kälte.

am schlimmsten aber war die vollkommene orientierungslosigkeit, das völlige fehlen von gestern und heute.
an das kalte wasser hatte ich mich schon gewöhnt, gezwungenermaßen, auch an das gefühl, meine haut wäre ein alter waschlappen, der sich langsam ablöst und zersetzt.

doch die ungewissheit, wann diese klappe wieder geöffnet werden würde, wann ich endlich den lichtstrahl wieder erkennen konnte, der mich blendete, den ich aber versuche festzuhalten in meiner erinnerung – diese ungewissheit machte mich verrückt.

bloß nicht loslassen, halt es fest!
schrie mein herz, denn es konnte eine kleine ewigkeit vergehen, bevor der lichtstrahl erneut hoffnung auf ein ende meiner qual machte.
hoffen, warten, sekunden zählen –
oder zählte ich schon stunden?
vielleicht tage?

manchmal zitterte ich noch, aber nur ein wenig, denn zuviel zittern ließ das wasser wellen schlagen, ganz kleine nur, doch das geräusch der sich brechenden wellen hallte so lange nach, als wollte es nie wieder aufhören.

und die stille war wichtig, die stille durfte ich nicht durchbrechen, ich musste doch auf die schritte hören, ich durfte sie nicht verpassen!
diese schritte, die kurzes licht brachten, auch kleine speisen, naschereien manchmal, und ganz selten einen schluck selbstgemachten eistee – und die dann wieder verhallten, bis ich sie nur noch in der erinnerung hörte, während ich wieder versuchte, das wasser, die kälte und die dunkelheit zu vergessen, und an schönere tage dachte, an denen ich mir den eistee noch selber eingeschenkt hatte.

***

(ende)

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*
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wie alles begann:

bade.wanne. (1)

das wasser ist überall.
ebenso die dunkelheit.
und die kälte.

am schlimmsten aber ist die vollkommene orientierungslosigkeit, das völlige fehlen von gestern und heute.
an das kalte wasser habe ich mich schon gewöhnt, gezwungenermaßen, auch an das gefühl, meine haut wäre ein alter waschlappen, der sich langsam ablöst und zersetzt.

doch die ungewissheit, wann diese klappe wieder geöffnet wird, wann ich endlich den lichtstrahl wieder erkennen kann, der mich blendet, den ich aber versuche festzuhalten in meiner erinnerung – diese ungewissheit macht mich verrückt.

bloß nicht loslassen, halt es fest!
schreit mein herz, denn es kann eine kleine ewigkeit vergehen, bevor der lichtstrahl erneut hoffnung auf ein ende meiner qual macht.
hoffen, warten, sekunden zählen –
oder zähle ich schon stunden?
vielleicht tage?

manchmal zittere ich noch, aber nur ein wenig, denn zuviel zittern lässt das wasser wellen schlagen, ganz kleine nur, doch das geräusch der sich brechenden wellen hallt so lange nach, als wolle es nie wieder aufhören.

und die stille ist wichtig, die stille darf ich nicht durchbrechen, ich muss doch auf die schritte hören, ich darf sie nicht verpassen!
diese schritte, die kurzes licht bringen, auch kleine speisen, naschereien manchmal, und ganz selten einen schluck selbstgemachten eistee – und die dann wieder verhallen, bis ich sie nur noch in der erinnerung höre, während ich wieder versuche, das wasser, die kälte und die dunkelheit zu vergessen, und an schönere tage denke, an denen ich mir den eistee noch selber hatte einschenken können.

***

(weiter.lesen.)

bade.wanne. (11)

aus.
ja, aus.
ende.
ich mache es.
ich beende das alles hier.
jetzt.

nein!
ich darf nicht über so etwas nachdenken!

ich werde nicht darüber nachdenken.
ich muss auch nicht mehr darüber nachdenken.
ich muss gar nichts mehr machen –
nur das eine, sonst nichts.
ja, das muss ich machen, es bleibt mir nichts anderes mehr zu tun.

keine trauer bitte –
wer wird mich schon vermissen? ich habe niemanden und ich bin niemand.
ich zerfließe –
aber das habe ich schon immer gewusst, tief im herzen wußte ich:
am ende werde ich zerfließen.

‚finde dich selbst, erkenne dich, und nimm dein leben in die hand.‘
das sagte schon mein vater immer.
das werde ich tun.
jetzt.
aus.
ja, aus.
ende.
ich mache es.
ich nehme mein leben in die hand, ich mache das, was ich schon vor langer zeit hätte machen müssen:
ich werde untertauchen.

ich werde meinen mund öffnen
und
ich werde einen großen schluck nehmen.
und noch einen.
noch viele.
ja, genau das werde ich machen.

los jetzt!
los!
ich mache es.
jetzt.

drei.

zwei.

eins.

***

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