mensch.heit, wohin gehst du? (#kolumne)

still ist es geworden hier auf dem blog –
momentan gibt es so viele andere dinge zu tun, die zeit für’s schreiben fehlt meistens.
schade.
aber heut muss ich doch wieder einmal, ich glaube, mir platzt sonst der kragen.
denn was ich in den letzten tage in den so genannten sozialen medien gelesen habe, ist so unfassbar, dass ich dagegen mal aufschreien muss.

etwa, als der werte herr m. sein mittlerweile berühmtes interview gegeben hat und dutzende flüchtlings.helfer/innen dagegen sturm gelaufen sind.
es stimmt schon, das interview war ein bissl schräg, so als würde der gute mann in einer anderen realität leben – vermutlich tut er das aber auch. ein bissl recht hat er aber auch, wenn man ehrlich ist –
ich mein, außer mir selbst kenn ich drei menschen persönlich, die ihr wohn.zimmer oder sonst ein zimmer freigemacht haben, damit geflüchtete darin schlafen können. klar, es gab sehr viele menschen, die sich engagiert haben, die gearbeitet haben, stunde um stunde, und das noch immer tun –
aber der kritisierte satz „Keiner von denen, die ‚Willkommen‘ oder ‚Wir schaffen das‘ gerufen haben, hat sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen, in dem fünf Auswanderer wohnen können.“ (zitat) ist doch wahr, wenn wir ehrlich sind …
es haben nur sehr wenige ein zimmer frei gemacht.
alles andere, was in diesen satz hineininterpretiert wurde, ist eben nur interpretation –
was ich im zuge der diskussion um diesen satz aber an kommentaren gelesen hab, hat mich zutiefst schockiert.
viele dieser angeblichen gut.menschen, die ja so vorurteils.frei durchs leben gehen und eben immer gut zu allen sind, ließen sich zu aussagen hin.reißen, die tief blicken lassen –

eine aus.wahl:
jede/r, der bei red bull/servusTV arbeitet, ist ein schlechter mensch, das gesöff verklebt einem nämlich das herz und man wird ein schlecht.mensch, deshalb müsse man kündigen, wenn man dort arbeiten würde, oder dürfe gar nicht erst anfangen, ganz klar, und weil ich red bull und red bull cola trinke, bin ich ein spion, natürlich, im geheimen wähl ich außerdem die fpö, und als jemand, der indirekt auch für herrn m. arbeitet, hätte ich die geflüchteten nur aufnehmen wollen, weil ich ihnen eigentlich was antun wollte, im schlaf, ganz fies, ich bin ja ein schlecht.mensch, weil ich red bull cola trinke …
ein teufels.kreis.

all diese kommentare kamen unter postings von menschen, die sich dankenswerter.weise sehr für geflüchtete einsetzen –
aber keine/r von denen fand es wichtig, mal das wort zu ergreifen und all die menschen zu verteidigen, die da pauschal verurteilt werden für einen job, der ihr leben finanziert und die familie ernährt, für ein interview eines mannes, den sie während ihrer arbeit vermutlich noch nie live gesehen haben, mit dem sie also nichts zu tun haben, und den sie vielleicht gut oder vielleicht weniger gut finden, wie es halt so ist in einem job.

auch gegen die reaktionen der oster.werbung von palmers muss ich aufschreien –
ja, das sujet ist ein bissl frag.würdig, die mädels sind ein bissl gar dünn und auch ein bissl gar jung, hat es den anschein.
aber hey, es geht um unterwäsche, und die verkauft sich an jungen, dünnen models besser als an über.gewichtigen seniorinnen –
und wie jede firma will palmers etwas verkaufen.
ich bin meistens die erste, die laut das ist sexistisch! schreit, auch wenn ich, wie im falle von palmers, den sinn hinter diesen bildern erkenne – jung und schlank verkauft sich nun mal besser –, und ich finde auch, dass die umsetzung ein bissl schwach ist für das jahr 2017.

vielleicht wäre es eine idee für palmers, zumindest verschieden gebaute mädchen und frauen auf den fotos zu zeigen, weil die welt nun mal nicht nur jung und dünn ist –
aber auch hier sind die reaktionen auf das sujet so unter.irdisch, dass ich es kaum fassen kann:
palmers bediene hier absichtlich die zielgruppe der pädophilen (echt? die sind eine wirtschaftlich relevante zielgruppe in österreich?), die frauen liegen angeblich im dreck und präsentieren sich, als stünden sie zum verkauf, und außerdem ist jeder mann, dem diese frauen gefallen, pädophil.

da bleibt einem doch die spucke weg.
abgesehen davon, dass pädophilie eine krankheit ist, die nicht verharmlost werden sollte, geht es dabei um vorpubertäre kinder, also nicht um junge frauen, die vermutlich zumindest 18 jahre alt sind und für geld freiwillig ihren po in die kamera strecken.
die aussage, dass jeder mann, der einer jungen, knackigen frau im schwimm.bad hinterher schaut, pädophil ist, ist so unglaublich sexistisch, ich möchte fast schreiben: gschissen … ich kann mir nicht mal vorstellen, wie frau auf so einen gedanken kommt.
das bedeutet nämlich in weiterer folge, dass alle unsere ehe.männer, unsere väter und unsere söhne pädophil wären –
ist euch das überhaupt klar?

und wenn wir ganz ehrlich sind, liebe frauen, dann müssen wir zugeben:
auch wir schauen im schwimm.bad lieber dem jungen, knackigen bade.meister nach als dem älteren herrn mit bier.bauch und glatze, oder nicht?
dafür bezichtigt uns aber niemand einer krankheit, die so unfassbar schlimm ist, dass man es mit worten kaum beschreiben kann.
dann machen wir das doch auch nicht mit den männern!

und noch etwas hab ich diese woche gelernt:
frauen dürfen sich nicht jünger fühlen, als sie sind –
das ist dann nämlich ein jugend.wahn. und wehe, frauen sagen mal, dass sie zwar 65 sind, sich aber wie 45 fühlen –
alter ist nämlich nur eine zahl und hat mit gefühlen gar nichts zu tun! wer sich jünger fühlt, tut das außerdem nur, weil ihm oder ihr die werbung das einredet. im alter hat man sich zu benehmen, dem alter entsprechend, und auf keinen fall darf man sich kleiden wie eine junge frau, etwa mit mini.rock oder bikini, oder anderen mut machen, sich ebenfalls jünger zu fühlen, als man dachte, dass man sich in dem alter fühlen würde.
damit geht man nämlich denen auf die nerven, die sich alt fühlen, oder die aufgrund welcher umstände auch immer ihr alter einfach nur als zahl empfinden –
aber ich sag euch was:

© Sybille Ebner – sinn.wort.spiel.

da pfeif ich drauf!

ich bin knapp 40 jahre alt, hab drei kinder, ich bin sicher nicht mehr so knackig, wie ich es mit 25 war, fühl mich aber keinen tag älter …
und werd mir das sicher auch nicht verbieten lassen.
die tat.sache, dass gerade frauen anderen frauen sagen, wie sie sich wann warum benehmen oder fühlen müssen, tut mir im herzen weh –
wir müssen nämlich nix außer zusammen.halten!

also schmeißt euch in euren bikini, geht in die disco, tanzt die ganze nacht und färbt euch die haare in all den farben, die zu tragen ihr in jungen jahren nicht gewagt habt –

und wenn euch irgend.jemand sagt, dass ihr dafür zu alt seid, dann lacht einfach darüber …

denn alter ist nicht nur eine zahl, ganz im gegen.teil:
das alter ist komplett egal!

also lebt euer leben, egal wie schief die anderen euch anschauen –
die sind meistens nur wahn.sinnig neidisch!

 

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kalter entzug. (#kolumne)

still ist es geworden, ich weiß.
nicht nur hier auf dem blog, sondern auch auf allen anderen sozialen platt.formen, auf denen ich mich sonst so herum.treibe.

still ist es geworden, ich weiß –
und das hat einen grund:
ich hab mich im neuen jahr selbst auf entzug gesetzt –
auf facebook.entzug, social.media.entzug.
und ich muss sagen:
es fühlt sich großartig an!

ich hab einfach die facebook.app von meinem handy gelöscht – mehr war eigentlich nicht nötig.
der automatisierte griff zum handy, in jeder freien minute, um sich über vollkommen sinnbefreite status.beiträge zu informieren – vergangenheit.
das aufregen über dinge, die ich zwar nicht gutheiße, die über soziale medien aber von mücken zu elefanten werden – auch vergangenheit.

ich sammle noch immer kleidung für flüchtende, ich kämpf noch immer gegen schwurbelnde impf.gegner/innen, ich schreib noch immer auf meinem blog, und ich informier auch immer noch über die geschehnisse in der welt – aber anders, gezielter, nicht mehr bloß so. sondern abends, eine viertel.stunde lang, damit ich nicht völlig den blick auf die mediale welt verliere.

ich konnte in der so gesammelten frei.zeit ein stirn.band stricken, drei gute bücher lesen, vier neue yoga.posen erlernen, mit meinen kindern wunderbar beruhigende zentangles ausmalen und öfter mal tief durch.atmen, das schnee.treiben beobachten, den vögeln beim singen zuhören.
außerdem hab ich viele neue fotos für meinen instagram.account machen und ein paar neue ideen für meine aktuellen projekte sammeln können.
und das alles in den paar tagen, die seit silvester vergangen sind.

was ich versäumt hab?
status.meldungen über ausgedehnte shopping.touren, neueste theorien über nanobots, die unseren kindern mittels impfungen eingepflanzt werden, dann noch, warum diese jeans jener vorzuziehen ist, fragen zu haar.farben, und natürlich rassistische aufreger und sinnbefreite hetz.kommentare.
ewig schad drum.

wirklich schade ist allerdings, dass viele meiner freund.innen es nicht schaffen, sich von facebook auch nur ein bisschen zu lösen – jeglicher kontakt, der nicht über die soziale platt.form läuft, scheint unmöglich zu sein. der griff zum handy ist wohl ungleich schwieriger als das tippen in den computer.
dafür lebt der kontakt mit anderen auf, die sich ebenfalls frei machen von netz.werk.zwängen – oder nie gefangen waren.

probiert es aus, macht Euch frei –
es gibt so vieles, was spannender ist als das verbreiten von unwahrheiten in sozialen netz.werken.
und keine sorge:
es tut gar nicht weh!

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

das wahre leben | 2

die haus.arbeit ruft.
staub.saugen, wäsche.waschen, fenster.putzen – das übliche eben.
niemand macht es gern, jeder muss es tun.
wert.erhalt, nennt es ihre mutter – damit man auch später noch was hat von der wohnung.
nervig – nennt sie es, auch wenn man später noch was hat von der wohnung.
also sucht sie miss.mutig lappen und eimer, schnappt sich eine zeitung (für die fenster, alter trick ihrer oma) und das allzweck.putzmittel –
und legt los. Weiterlesen

das wahre leben | 1

früh.morgens.
ein leiser, zwitschernder ton kommt vom nacht.kästchen.
war über nacht das fenster offen? hat sich etwa ein vogel ins schlaf.zimmer verirrt?
zusammengekniffene augen, tastende finger, ein leises fluchen –
wo ist das verdammte handy?

dann –
ein druck auf eine taste, das telefon verstummt, sie schließt ihre augen.
ruhe kehrt wieder ein im schlaf.zimmer.
aber nur äußerlich –
innerlich ist sie wach, kann nicht mehr schlafen, eine unruhe hat sie gepackt, die sie nicht mehr loslässt, diese eine un.ruhe, voller angst, etwas zu versäumen.
warum hat das telefon geläutet, es muss etwas passiert sein, irgendwo auf der welt, wie soll sie bitte.schön weiterschlafen, wenn sie nicht weiß, was los ist, sie will ja immer auf dem neuesten stand sein, nachrichten zu lesen ist doch so wichtig, sagt ihre oma immer, aber doch nicht morgens um 5:42, oder?, doch, gerade dann, ihr schönheits.schlaf kann warten, immer auf dem neuesten stand zu sein jedoch kann nicht warten.
genervt öffnet sie wieder die augen.
dreht sich langsam auf den rücken, nimmt das smart.phone in die hand, macht ohne hinzusehen ein paar geübte wisch.bewegungen und öffnet eine app.
das blaue vögelchen des kurz.nachrichten.dienstes empfängt sie, mit einem leisen zwitschern werden die neuesten informationen aus der welt jenseits ihres schlaf.zimmers geladen.
@itsme9876 war heute schon auf der toilette, @deralltagskotzer012 könnte schon wieder kotzen, @1koffeinsüchtigefrau trinkt kaffee (nicht ihren ersten heute), und der @mannamabgrund123xy mag noch immer keine assilanten.
gut zu wissen, einerseits, und kaffee würde ihr jetzt auch schmecken, andererseits.

was gibt es sonst noch neues? das lässt ihr keine ruhe.
ein schneller klick auf das blaue f, schon taucht sie ein in die welt der neuigkeiten.
freundin j macht ihre kinder gerade bereit für den kinder.garten, nachbar w konnte heute nacht nicht schlafen (lag wohl an den intergalaktischen schwingungen, die sein alpha.zentauri.bruder.im.geiste ihm sandte), die bekannte aus dem bauch.tanz.kurs hat schnupfen und nimmt deshalb in dreizehn.minütigen abständen je sieben globuli (die neuesten am markt, muss man einfach haben), und ihre ex war wohl wieder auf einer wilden party – na, die hat’s wohl nötig.

ein kurzer anflug von melancholie ergreift sie, weht längst verdrängte erinnerungen vor sich her wie vergilbten staub und legt sich so schnell, wie er gekommen ist, wieder über ihre noch müden gedanken.
lieber aufstehen. kaffee trinken.
wie ist denn heute das wetter eigentlich? reicht zum aufstehen der dünne morgen.mantel?
einmal wischen, einmal klicken, die wetter.app geht auf.
offenbar ist es heute kalt, höchstens fünf grad, mit verdacht auf schneefall in der nacht.
mist.
auch das noch.
dann doch lieber liegen bleiben.

schnell noch eine message an die welt da draußen:
@zwitscherhännä müde bin ich geh zur ruh #schonwieder

könnt ja jemanden interessieren, was sie so macht –
um 5:57.

***

(weiter.lesen.)

eigentlich ist es zum genieren. (#kolumne)

manchmal fragt man sich wirklich, wieso man sich heutzutage dafür genieren muss, etwas zu können, was andere nicht können – oder anders gesagt:
dass mir persönlich dinge wichtig sind, die anderen eben nicht so wichtig sind.

wie ich auf solche gedanken komme?
‚ganz einfach – die sozialen medien mal wieder.
da lernen wir erstens, dass rechtschreibung und ihre korrekte verwendung etwas ist, was in schulen offenbar nicht mehr (und auch bisher nie) gelehrt wurde – oder zumindest viel zu wenig.
und zweitens, dass man immer die oder der blöde ist, wenn man darauf hinweist – weil man zeitgleich all jene darauf hinweist, denen der fehler nicht mal aufgefallen ist.
und das kommt nie gut an.

natürlich klicke ich mich nicht durch katzenbilder und statusmeldungen und verbessere sämtlichen inhalt, der mir unterkommt, keineswegs – aber wenn ich auf einem wissens.kanal, in einer zeitung oder einem anderen medium, das sich ‚wissen‘ ans revers heftet, grobe fehler jedweder art entdecke, dann weise ich darauf hin.
(im konkreten fall: die ‚kokusnuss‘, um die es im beitrag eines von mir hochgeschätzten wissensmagazin ging.)

meist sind die betreiber/innen der kanäle froh, kurz auf fehler solcher art hingewiesen zu werden – immerhin ist ja auch rechtschreibung und die korrekte verwendung gewisser worte eine art von wissen.
und: jedem passieren mal fehler, vor allem wenn man eilig einen beitrag verfasst – und weil niemand seine eigenen fehler korrigieren kann, gibt es korrektor/innen.
an sich alles kein problem.

wären da nicht jene, denen diese fehler nicht auffallen, weil sie diese fehler selber machen – und um ja nicht dumm dazustehen, wird der kleine hinweis aufgebauscht, als wäre es eine frechheit, dass jemand einen fehler entdeckt hat, als hätte man es der polizei oder mindestens herrn zuckerberg gemeldet.
manchmal hab ich den eindruck, es spielt ein wenig der neid mit – dass man selber den fehler nicht erkannt hat, dass man den fehler selbst oft macht, vor allem aber ist eines ausschlaggebend: die unfassbare langeweile, die manch indische tempeltänzerin  zu einem internettroll erster klasse mutieren lässt.

mir persönlich ist das egal.
ich kann damit leben, dass ich rechtschreiben kann, und andere eben nicht.
deswegen mache ich auch, was ich mache.
und internettrolle kann man wunderbar blockieren.

was mir sorgen macht, sind all jene, die man oft abfällig ’nerds‘ schimpft – menschen, die etwas können, was andere nicht können, die dinge wissen, von denen andere keine ahnung haben, und die dafür gehänselt und veralbert werden. von menschen, die man im wahren leben leider nicht einfach blockieren kann.
menschen, die veräppelt werden, einfach nur, weil andere sich blöd vorkommen, weil sie es nicht ertragen können, weniger zu wissen, dumm zu wirken – oder im schlimmsten fall sogar dumm zu sein.

und was macht ein dummer mensch, wenn er merkt, dass er dumm ist?
er veräppelt den klugen, nur damit er sich wenigstens stark vorkommt.
kann es wirklich sein, dass man sich dafür schämen muss, dass man etwas kann, was andere nicht können? jede/r kann doch etwas anderes – solange man sich dessen bewusst ist, könnten doch eigentlich alle friedlich nebeneinander leben, und jede/r tut eben das, was er oder sie gut kann.

oder aber, man macht die stärke eines anderen zu einer schwäche, setzt ihr eine clownsnase auf, kommt sich dadurch wahnsinnig stark vor –
und erreicht, dass sich andere dafür schämen, etwas zu können.

eine vorgehensweise, die nicht tragbar ist.
die unterbunden und gegen die öffentlich vorgegangen werden muss.
denn wir brauchen diese ’nerds‘, die weiterdenken, anders denken, die uns weiterbringen und dinge machen, die wir anderen nicht einmal im ansatz verstehen.
(und nein, ich schreibe jetzt nicht von mir.)

wahre stärke ist es, schwäche zeigen zu können – und auch mal zuzugeben, dass man etwas nicht kann.

niemand kann alles, und irren ist menschlich.
aber wenn schon mama im internet trollen muss, nur weil sie nicht korrekt schreiben kann – welchen umgang mit anderen lehrt sie dann ihren kindern?

***
und weil als argument immer und immer wieder kommt:
aber du schreibst ja alles klein!
ja, tue ich.
mit grund.
ich hab darüber nachgedacht –
und es für alle in worte gefasst: punkt.spiel.
und nein, offizielle briefe oder mails schreibe ich nicht so, das mache ich nur hier, wo ich zu.hause bin.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

fremde freunde. (#kolumne)

anfangs ist man allein mit seinem wahn.

manche tolerieren ihn, andere belächeln ihn, wenige teilen ihn.
wohin mit der freude über den wahn,
mit wem darüber reden,
wem stolz die fotos zeigen –
und vergebens auf die begeisterung warten?

also hinein in ein soziales netz.werk –
und menschen suchen, die den selben wahn teilen.
die mit.reden, fotos bewundern, selber welche machen und genau.so wahn.sinnig sind wie man selbst.
gibt es die denn?
ja, die gibt es.

und nicht mal wenige!
schon innerhalb weniger tage finden sich menschen, die dem virtuellen verein beitreten möchten.
menschen, die verstehen, wie es ist, wenn eine unscheinbare knospe zu einer strahlenden schön.heit wird.
menschen, die ebenso auf nadeln sitzen, wenn sich ein kleiner trieb zeigt, wie man selbst –
ist es eine wurzel?
oder gar eine blüte?
was kann es sein?

es sind menschen, die man nicht persönlich kennt.
fremde, von denen man nicht weiß, wie sie sprechen.
man kennt nicht die art, wie sie schauen.
oder die speisen, die sie am liebsten genießen.

und doch sind es keine fremden mehr.
denn man kennt die pflanzen, die sie haben.
man kennt die worte, die sie gerne verwenden.
und man hat eine ahnung davon, wie sehr sie sich freuen, wenn die kleine knospe dann eine blüte wird.

schön ist das.
danke.

***

© Sybille Ebner - sinn.wort.spiel.

© Sybille Ebner – sinn.wort.spiel.

 

 

 

 

 

 

 

immer und immer wieder. (#kolumne)

ich kann es einfach nicht lassen.

immer und immer wieder versuche ich, schreibenden zu helfen.
leider immer jenen, die absolut unempfänglich für hilfe sind.
jenen, die meinen, schreiben sei doch keine arbeit.
jenen, die jedes wort, das sie von sich geben, für das beste überhaupt halten –
und keine sekunde daran arbeiten, nichts ausbessern und schon gar keine zeit damit verschwenden, den text vielleicht mit hilfe eines lektors zu verdichten.

lieber verlassen sie sich auf das urteil von programmen, um die bösen stil.blüten zu vermeiden –
dabei machen es doch gerade die stil.blüten aus, manchmal.
und lieber verlassen sie sich darauf, selbst fehler auszumerzen –
dabei ist das bei jedem selbst geschriebenen text unmöglich.

und immer wieder lasse ich mich auf diskussionen ein –
warum ein eigener stil so wichtig ist.
warum ein programm keinen stil beurteilen kann.
und warum ein computer deshalb niemals einen menschen ersetzen wird.

aber es ist ein kampf gegen wind.mühlen.
denn jenen, denen das schreiben im blut liegt, ist das alles klar.
wenn die worte in den fingern jucken, wenn sie heraus müssen, wenn beim durch.lesen danach das gefühl aufkommt,
nein, das passt nicht, da muss ich noch an der formulierung tüfteln
dann ist auch gewiss, dass ein computer.programm da nicht helfen kann.
denn sobald der eigene stil mehr ist als ein bestimmtes wort, das sich alle paar zeilen wiederholt, versagt die technik, dann liegt es am menschen.

es ist ein kampf gegen wind.mühlen –
aber ich muss ihn nicht kämpfen.
ich möchte ihn auch nicht mehr kämpfen.
ich möchte nur allen mit.lesenden hier ein paar dinge mit auf ihren schreib.weg geben:

schreibt, wie Ihr schreiben wollt, wie es herauskommt, lasst es fließen –
und holt Euch dann die meinung eines menschen.
das ist nicht immer kosten.los –
aber so viel mehr wert als jedes programm.
und bedenkt:
schreiben ist arbeit.
keiner der autor/innen, die Ihr toll findet, wirft ein buch auf den markt, das nicht durch etliche finger gegangen ist und mehrere arbeits.schritte hinter sich hat, nein, es gibt sogar welche, die sagen:
ich habe drei wochen am buch geschrieben –
und dann drei jahre daran gearbeitet.
lest bücher von jenen, die es geschafft haben
dieses zum beispiel.
und merkt Euch gut, was Ihr da lest –
schreiben ist arbeit.
vielleicht härtere arbeit, als man es glauben möchte.

lasst Euch nicht aus der bahn werfen, verfolgt Euer ziel, komme, was da wolle.
lasst Euch von neidern, die jährlich weniger bücher verkaufen, als Ihr täglich leser/innen auf Eurem blog habt, nicht den spaß verderben.
und orientiert Euch nicht unbedingt an jenen, die es geschafft haben
vielleicht liegt Euch main.stream nicht, vielleicht seid Ihr in der klassischen literatur zu.hause.
oder umgekehrt.

glaubt an Euch selbst –
aber glaubt niemals der technik, wenn es um stil.fragen geht.
und lieber auch nicht dem nachbarn –
was weiß der denn schon von literatur?

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© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

 

 

 

ironie. (#kolumne)

ironie ist,
wie ich letztens gelesen habe,
einen baum auf ein blatt papier zu zeichnen.

stimmt.

ironie ist aber auch,
wie ich finde,
in einem sozialen netz.werk zu verkünden, dass man ein anderes nicht mehr benutzen wird.
noch dazu, wenn die beiden netz.werke zu ein.und.derselben firma gehören.

konkret lese ich seit einigen tagen recht oft die folgenden worte, sinn.gemäß (achtung, produkt.platzierungen!):
liebes face.book, du böses du, ich verwende ab jetzt kein whats.app mehr, nein, ich benutze threema.

der ansatz selbst ist ja nach.voll.ziehbar –
die wahl des mediums jedoch nicht.

man wechselt also den gern benutzten anbieter für schnelle kurz.nachrichten, weil das soziale netz.werk diesen geschluckt hat –
und schreibt dann auf exakt diesem netz.werk, dass man die kurz.nachrichten ab jetzt woanders abschickt.
und auch gleich noch, wo man es tun wird.
man gibt dem sozialen netz.werk seine daten preis, man gibt telefon.nummer, wohn.ort, geburts.tag, fotos und persönliche vor.lieben freiwillig ein –
aber eine app, die nachrichten verschickt und nichts von den taten des vergangenen wochen.endes weiß, die verläßt man.
und damit die werbe.maschinerie ordentlich laufen kann und das netz.werk weiß, wo ich ab jetzt zu finden bin, schreibe ich schnell eine status.meldung –
herr zucker.berg könnte mich ja vermissen, nicht wahr?!
da muss ich ihm doch mit.teilen, wo er mich finden kann!

also wenn schon, dann:
ganz oder gar nicht.

wer angst hat vor spionen, vor daten.klau und bespitzelung, der muss alles löschen:
den account im sozialen netz.werk, den eintrag im telefon.buch, die apps auf dem mobil.telefon und natürlich sämtliche andere platt.formen, die auch nur die kleinste kleinigkeit wissen wollen.
also alle.
am besten sollte man gleich das smart.phone und den computer wegwerfen –
schließlich speichert jede web.site meine ip.adresse und das, was ich dort anklicke.
wie sonst würde jedes bekleidungs.geschäft im internet wissen, was ich gerne trage und welche farbe ich bevorzuge?
alles andere ist halb.herzig, reine ironie.

da zeichne ich lieber einen baum auf ein blatt papier –
das ist auch ironie, hab ich gehört.

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es ist ein drama. (#kolumne)

ein drama ist es, ein unendliches.
ein meer aus nichtigkeiten, eine flut an belanglosem bla.bla, eine horde von gedankenlosen, die jedes stückchen unwissen weiter.verbreiten –
und am ende des tages froh darüber sind, ihren bei.trag zur verbesserung der welt geleistet zu haben.

ein drama ist es, ein unendliches.
dieses meer aus nichtigkeiten, die unreflektiert auf einen einstürzen, ungebremst, mit voller wucht schlagen sie auf, sie dulden keinen wider.spruch, keine argumente, was zählt ist nur:
wer kann tiefer unter die gürtel.linie schlagen, wer hat die schlechteren argumente, wer hat am wenigsten ahnung, posaunt diese aber am lautesten hinaus.

ein drama ist es, ein unendliches.
dieses überall mitreden wollen,
dieses überall mitreden, auch wenn man keine ahnung hat
und darauf auch noch stolz sein.

ich schreibe dieses drama um, dieses unendliche.
ich mache eine schmieren.komödie daraus,
ich lache darüber,
mache mich lustig –
und dann vergesse ich es.

adieu, liebes drama, ich bin jetzt weg.
leb wohl, liebe nichtigkeit, ich habe kein interesse mehr an dir.
das war’s.
ende.
aus.

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© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com