ewiger hunger.

wozu mich auf jemanden einlassen, frage ich Sie, wenn dieser jemand mich doch nur fallen lässt, über mich hinweg steigt und mich im nächsten augen.blick schon wieder vergessen hat? wozu mich mit menschen abgeben, wenn es auch allein geht?
aber ich will ehrlich sein mit Ihnen – ich bin nicht ganz allein, ich habe da jemanden an meiner seite, schon sehr lange, wir sind uns vor jahren begegnet und können seitdem nicht voneinander lassen. ich muss gestehen, ich habe ein paar mal versucht, diese beziehung aufzugeben, ich wollte mich neu orientieren, aber ich habe schnell bemerkt, dass ich ohne diesen jemand nicht mehr sein kann, dass ich mich so sehr an diese person gewohnt habe, dass kaum noch platz ist für andere. nur wir beide, so soll es sein. so wird es immer sein. und daran möchte ich auch nichts ändern.

wie ich mir da so sicher sein kann, wollen Sie wissen?
nun, ich kann es fühlen. ja, das mag für Sie kindisch klingen, oder ungewohnt, aber ich fühle es.

morgens, wenn ich mit der kaffee.tasse in der hand aus dem fenster sehe, dann fühle ich es im bauch, es ist ein warmes, beschützendes gefühl, eben ein bauch.gefühl, das kennen Sie bestimmt.
mittags, wenn ich hektisch aus dem büro laufe, um mir ein brötchen oder einen salat zu holen, auch dann fühle ich es. dann drückt es ein bisschen, so in der gegend des halses, es schnürt mir ein wenig die luft ab, aber nicht allzu stark, nein, es tut nicht weh, es beengt nur ein wenig.
und abends dann, ach, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie es sich abends anfühlt, aber ich werde probieren, es für Sie in worte zu fassen.
abends, wenn ich wieder am fenster stehe, wenn ich die lichter der stadt beobachte, wenn ich mir eine woll.decke um die schultern lege und diese gefühl mein herz erreicht hat, wenn es mein herz fest.hält mit klammen fingern und ich nicht mehr atmen kann, weil es so intensiv ist, dann weiß ich, dass sich an dieser einen freundschaft nie etwas ändern wird. schon der gedanke an dieses Gefühl ruft in mir un.bändige freude hervor, so etwas wie diese beziehung gefunden zu haben.

darf ich vorstellen, meine beste freundin, meine geliebte, immer an meiner Seite, für mich da wie keine andere, nichts wird uns je trennen, da bin ich mir sicher.

ach, ihren Namen habe ich noch nicht erwähnt? das tut mir aber leid, wie konnte ich das denn nur vergessen, bitte verzeihen Sie mir meine unachtsamkeit, ihr name ist
einsamkeit.

***

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weil es in den fingern juckt. (#kolumne)

ja, es juckt.
es juckt sogar immens.

ganz vorne, dort, wo die finger enden, wo die nägel die empfindliche haut ein wenig schützen, aber nur ein bisschen,
dort juckt es.
nicht von einem mücken.stich, nein, auch nicht von einer allergie oder zu viel haus.arbeit, es ist bloß, naja, man könnte es entzugs.erscheinungen nennen.
meine finger.spitzen brauchen den kontakt zu den kleinen weißen tasten, die mit den einzelnen buchstaben darauf, oder den zeichen, manchmal sogar ganzen worten, viel zu lange schon haben sie nichts mehr getippt, dabei drückt es doch schon, es kitzelt, juckt, es fühlt sich an wie ein bienen.schwarm, wie ein schwall kalten wassers, der in der leitung stecken bleibt und den wasser.hahn zum platzen zu bringen droht.

aber –
können finger.spitzen platzen?
oder –
können jene worte sich verirren auf dem weg von oben nach unten, verlieren sie ihre kraft, wenn sie aufgehalten werden, verblassen sie, vermögen nicht mehr im dunklen zu leuchten –
können sie gar verschwinden?

oh nein, liebe worte, das dürft ihr nicht!
bleibt hier, ich mach es ja, wirklich, ich gehe ja schon, ich nehme den blei.stift und den block, ich schlage eine leere seite auf und schreibe, bis die finger bluten, ja, jetzt, natürlich, wann auch sonst?

ähm,
entschuldigung.
aber ich bin jetzt dann

schreiben.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

fremde freunde. (#kolumne)

anfangs ist man allein mit seinem wahn.

manche tolerieren ihn, andere belächeln ihn, wenige teilen ihn.
wohin mit der freude über den wahn,
mit wem darüber reden,
wem stolz die fotos zeigen –
und vergebens auf die begeisterung warten?

also hinein in ein soziales netz.werk –
und menschen suchen, die den selben wahn teilen.
die mit.reden, fotos bewundern, selber welche machen und genau.so wahn.sinnig sind wie man selbst.
gibt es die denn?
ja, die gibt es.

und nicht mal wenige!
schon innerhalb weniger tage finden sich menschen, die dem virtuellen verein beitreten möchten.
menschen, die verstehen, wie es ist, wenn eine unscheinbare knospe zu einer strahlenden schön.heit wird.
menschen, die ebenso auf nadeln sitzen, wenn sich ein kleiner trieb zeigt, wie man selbst –
ist es eine wurzel?
oder gar eine blüte?
was kann es sein?

es sind menschen, die man nicht persönlich kennt.
fremde, von denen man nicht weiß, wie sie sprechen.
man kennt nicht die art, wie sie schauen.
oder die speisen, die sie am liebsten genießen.

und doch sind es keine fremden mehr.
denn man kennt die pflanzen, die sie haben.
man kennt die worte, die sie gerne verwenden.
und man hat eine ahnung davon, wie sehr sie sich freuen, wenn die kleine knospe dann eine blüte wird.

schön ist das.
danke.

***

© Sybille Ebner - sinn.wort.spiel.

© Sybille Ebner – sinn.wort.spiel.

 

 

 

 

 

 

 

erfinder.geist.

hört Ihr ihn auch, wenn er durchs zimmer weht?
spät.nachts, wenn alles versunken ist in schillernden träumen, dann kommt er zu mir.
leise nur, ganz sacht, mit einem gewisperten
achuuuuu
streift er meinen nacken, berüht mich am kopf –
und schickt mir wort.fetzen, gedanken.gänge.

aha!
rufe ich aus, innerlich, um niemanden zu wecken.
und schon greifen die finger zum blei.stift, kritzeln wörter aufs papier, die kein wörter.buch je gesehen hat.
so soll es ein,
raunt er mir ins ohr, ist stolz auf mich und weht weiter, hin zu anderen, die ihn dringender brauchen als ich –
den erfinder.geist.

irre.

irre.
das kann vieles bedeuten –
jemand kann irre sein.
etwas kann irre sein.
es kann verrückt bedeuten, wahn.sinnig, psychisch krank, super.toll.
oder unter.irdisch.grotten.schlecht.

was also schreiben, wenn das thema eines literatur.wettbewerbs irre lautet?
mann muss sich ein irre aussuchen, eines heraus.picken und daraus etwas machen.
solange schreiben, bis keine worte mehr aus den fingern fließen wollen.
solange schreiben, bis die worte da sitzen, wo sie sitzen sollen.
solange schreiben, bis man voll.kommen irre ist.

das ist schwierig.
eine echte heraus.forderung.
und vor allem ist es
voll.kommen

IRRE!

so fern. und doch so nah. (#kolumne)

jahre muss es her sein.
äonen gar.
ich kann mich gar nicht mehr erinnern –
wann hab ich den ersten ein.trag hier geschrieben?
und wann kamen die ersten leser/innen?

ich weiß es nicht mehr.
und ich bin zu faul, um nachzuschauen, denn –
darum geht es gar nicht.

ich wollte einfach mal danke sagen.
danke an die mittler.weile wirklich vielen menschen, die hier mit.lesen.
danke an all die mit.blogger/innen, die hier sagen:
gefällt mir.
danke an all jene, die den seltenen, aber doch manchmal auftretenden bitten nachkommen –
wie zuletzt, als ich test.leser/innen gesucht und auch gefunden habe.
oder wenn es darum geht, einer blog.parade leben einzuhauchen.

manche von Euch kenne ich persönlich.
andere wiederum nur namentlich.
die meisten gar nicht.
aber das macht nichts.

ich weiß, dass es Euch irgendwo da draußen gibt.
so fern –
und doch so nah.

und das macht mich froh.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

 

 

 

test.leser/innen gesucht. (#testleser)

man muss sich ja nicht jeden tag in einer kolumne aufregen, nicht wahr?
man kann sich ja auch mal freuen!
zum beispiel über schöne frühlings.blumen.

© Sybille Ebner - sinn.wort.spiel.

© Sybille Ebner – sinn.wort.spiel.

 

 

 

 

 

 

 

oder darüber, das es etwas zu lesen gibt.
kosten.los.
und man sogar mit.reden und seine meinung ab.geben darf.
denn es handelt sich um eine kurze lese.probe, aus der eine sci.fi.serie werden kann.
soll.
und wird.

neu.gierig geworden?
erste infos bekommt Ihr hier.

nicht nur ich würde mich freuen, nein, auch der autor lechzt nach meinungen und ideen und menschen, die sein werk lesen und anmerken, wenn ihnen etwas auffällt.
oder wenn es ihnen besonders gut gefällt.
(das wäre uns natürlich am liebsten.)
wer interesse hat, der schreibt an sinnwortspiel(*)yahoo.com und bekommt ein lese.exemplar der wundersamen hemisphäre.

auf bald, liebe mit.leser/innen!

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© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

 

ironie. (#kolumne)

ironie ist,
wie ich letztens gelesen habe,
einen baum auf ein blatt papier zu zeichnen.

stimmt.

ironie ist aber auch,
wie ich finde,
in einem sozialen netz.werk zu verkünden, dass man ein anderes nicht mehr benutzen wird.
noch dazu, wenn die beiden netz.werke zu ein.und.derselben firma gehören.

konkret lese ich seit einigen tagen recht oft die folgenden worte, sinn.gemäß (achtung, produkt.platzierungen!):
liebes face.book, du böses du, ich verwende ab jetzt kein whats.app mehr, nein, ich benutze threema.

der ansatz selbst ist ja nach.voll.ziehbar –
die wahl des mediums jedoch nicht.

man wechselt also den gern benutzten anbieter für schnelle kurz.nachrichten, weil das soziale netz.werk diesen geschluckt hat –
und schreibt dann auf exakt diesem netz.werk, dass man die kurz.nachrichten ab jetzt woanders abschickt.
und auch gleich noch, wo man es tun wird.
man gibt dem sozialen netz.werk seine daten preis, man gibt telefon.nummer, wohn.ort, geburts.tag, fotos und persönliche vor.lieben freiwillig ein –
aber eine app, die nachrichten verschickt und nichts von den taten des vergangenen wochen.endes weiß, die verläßt man.
und damit die werbe.maschinerie ordentlich laufen kann und das netz.werk weiß, wo ich ab jetzt zu finden bin, schreibe ich schnell eine status.meldung –
herr zucker.berg könnte mich ja vermissen, nicht wahr?!
da muss ich ihm doch mit.teilen, wo er mich finden kann!

also wenn schon, dann:
ganz oder gar nicht.

wer angst hat vor spionen, vor daten.klau und bespitzelung, der muss alles löschen:
den account im sozialen netz.werk, den eintrag im telefon.buch, die apps auf dem mobil.telefon und natürlich sämtliche andere platt.formen, die auch nur die kleinste kleinigkeit wissen wollen.
also alle.
am besten sollte man gleich das smart.phone und den computer wegwerfen –
schließlich speichert jede web.site meine ip.adresse und das, was ich dort anklicke.
wie sonst würde jedes bekleidungs.geschäft im internet wissen, was ich gerne trage und welche farbe ich bevorzuge?
alles andere ist halb.herzig, reine ironie.

da zeichne ich lieber einen baum auf ein blatt papier –
das ist auch ironie, hab ich gehört.

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© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

langsam ist das neue schnell. (#kolumne)

was lese ich da heute morgen in einem sozialen netz.werk?
dieser mann zeigt Ihnen in einer minute mehr, als Sie in Ihrem ganzen Leben je sehen werden!

klingt verheißungsvoll, das schau ich mir an.
das mach ich normaler.weise nie, meistens steckt da nur irgendein käse dahinter, nichts, was mich je interessieren würde.
doch das hier muss etwas ganz besonderes sein, etwas, das ich nie vermutet hätte, zumindest, wenn ich nach der anzahl meiner netzwerk.freund/innen gehe, die diesen link geteilt haben.
also gut, anklicken.
ein wenig neugierig bin ich ja schon.

und ich bin überrascht.
es hätte auch das hundert.sieben.und.achtzigste video von irgendeiner dämlichen bier.nominierung sein können, aber nein:
ein junger mann fuhr vier.und.vierzig tage durch die welt, durch.querte dabei elf länder –
nur um ein ein.minuten.video davon zu drehen.

zugegeben, das video ist toll.
klasse musik, super geschnitten, wahnsinnig viel arbeit beim drehen, tolle bilder.
äh,
tolle bilder?
jein.

jein weil –
eigentlich seh ich nichts.
all die tollen orte, all das spannende, was es zu sehen gäbe, all die bunten und wunder.baren landschaften –
ich seh sie nicht.
keines der bilder ist so lang zu sehen, dass man erkennen könnte, wo er gerade war, was rund um ihn herum passiert.
es ist einfach zu schnell, zu wild, zu abwechslungs.reich.
keine frage –
die idee ist toll, der effekt grandios.
und die musik passt perfekt dazu.
aber ich kann kaum eines der bilder wirklich erkennen.

und nein, ich habe bei sekunde acht.und.zwanzig nicht geblinzelt –
hätte mir aber mehr als ein paar tauben erwartet.

manchmal ist langsam einfach besser als schnell.
meistens ist langsam einfach besser als schnell.
und gerade, wenn es um länder, reisen und fremde orte geht, würde ich gern erkennen, was es eigentlich zu erkennen gibt.

die art, wie der kleine film gemacht ist, ist groß.artig.
ganz klar: anschauen!
allein, wenn man bedenkt, wie viel auf.wand es gewesen sein muss, das so zu drehen –
wahn.sinn!

Ihr werdet einen film sehen, wie Ihr ihn wahr.scheinlich wirklich noch nie gesehen habt.
aber erwartet nicht, dass Ihr mehr orte sehen werdet als in Eurem ganzen leben –
denn von sehen kann nicht die rede sein.

ich warte dann mal auf das making of.

***

kolumne

roter #regen (4) – neu.

nach der schule besorgte ich mir eine eigene wohnung.
ohne badewanne.
nur mit einer kleinen duschkabine.
und mit balkon – aber überdacht,
damit ich auch an regentagen draußen sitzen konnte.

außerdem hatte ich eine größere sammlung regenschirme –
denn leider hatte sich herausgestellt, dass ich nicht an jedem regentag zuhause bleiben konnte.

aber ich hatte einen beruf gefunden, bei dem ich nie mit wasser in berührung kommen musste –
obwohl mir natürlich schon längst klar war, dass wasser an sich nicht gefährlich war.
dass ich ohne gefahr in der badewanne sitzen konnte.
und dass schwimmbäder weder bodenlose wasserlöcher noch heimat gefährlicher kreaturen waren.
doch ich konnte diese abneigung einfach nicht ablegen.

so arbeitete ich also nach dem schulabschluss in einem immobilienbüro.
makler nannte sich dieser beruf.
reichen menschen häuser voller schnick.schnack anzudrehen, das war es, was ich machte.
meistens waren es häuser mit pool.
aber den musste ich ja nur herzeigen, nicht benutzen.
leider auch dann, wenn es regnete.
doch dafür hatte ich meinen riesigen golfschirm.

ich war für jede gelegenheit bestens gerüstet und sicher, nie wieder meiner angst ins auge sehen zu müssen.
nie mehr schwimmen, nie mehr baden.
keine untiefen und keine monster.

bis ich den auftrag bekam, ein altes haus in einem nachbarort zu verkaufen.
von da an hatte mich der sog wieder in seinem bann.

(weiter.lesen.)