blackout.poetry, die zweite | #schreibwerkstatt

da diese woche coronabedingt keine schreib.werkstatt stattfinden konnte, gibt’s für alle, die trotzdem etwas schreiben möchten, eine kleine übung.

zeit haben wir ja alle genug momentan –
wer also nicht aus der übung kommen möchte, könnte diese lyrische aufgabe probieren.

hier sieht man, wie das ergebnis aussehen könnte –

wir machen aus worten, die auf den seiten eines buches vorkommen, etwas neues:
ein gedicht, einen spruch, eine neue geschichte.

es hilft, wenn man als erstes die ganze seite laut vorliest, weil sich dann oft dinge herauskristallisieren –
worte, die besonders auf uns wirken, oder reime, die uns erst durchs laut vorlesen auffallen.

wir nehmen diesmal alle dieselbe seite, und zwar eine aus das hässliche junge entlein von hans christian andersen.

Klick hier, druck dir die seite aus und leg los.

gutes gelingen –
und bleib gesund!

 

stunden.rücklick. #schreibwerkstatt

die erste stunde ist vorbei –
und ich muss sagen:
schön war’s wieder.

viele bekannte gesichter, ein paar neue, und ein sehr nettes klima in der stunde –
so lässt es sich arbeiten!

in der ersten stunde haben wir ein abecedarium erstellt, allerdings aus den buchstaben unserer namen.
das sieht zum beispiel so aus:

S stephen king
Y yoga
B bücher
I ideen
L lesen
L lustig
E ebner-eschenbach

danach haben wir analysiert, welche schreibtypen es gibt, und uns gedanken darüber gemacht, warum wir was für wen schreiben. das ist sehr wichtig, wenn man mit den eigenen texten jemanden erreichen will.
dann haben wir versucht, einem satz aus fünf wörtern eine neue bedeutung zu geben, indem man jeweils nur ein wort ändert –
über mehrere sätze hinweg.
das könnte so aussehen:

er mag das kalte wetter.
er hasst das kalte wetter.
er hasst das kalte gulasch.
sie hasst das kalte gulasch.
sie liebt das kalte gulasch.

und ich hab wieder einmal betont, wie wichtig korrekte schreibung ist –
rechtschreibung, grammatik und zeichensetzung.
denn wir alle kennen ja den satz ‚wir essen opa‘, der alles sein kann zwischen familienkomödie und horror mit kannibalistischen zügen –
je nachdem, wo wir den beistrich setzen. 

ich find es nämlich nicht erstrebenswert, dass man einfach so dahinschreibt, wie es einem einfällt, und unter den text folgenden satz setzt:
wer fehler findet, darf sie behalten.
wie ein text bei anderen ankommt, hängt nämlich auch davon ab, wie lesbar er ist –

unt zu sagän, ich schreip wi ich wil, so pin ich ebenn, ißt zwar amüssant, aber auch ein bischen dof.

*

natürlich gibt’s in auch in diesem kurs wieder hausaufgaben. die erste ist eine sehr effektive schreibübung für alle jene, die nicht wissen, wie sie beginnen sollen, und nennt sich free writing.
dazu setzt man sich an den tisch, nimmt papier und einen stift zur hand, überlegt sich, wie lange man schreiben möchte –
und dann schreibt man.
was einem gerade einfällt, ohne wenn und aber, ohne abzusetzen …
und wenn einem gerade nichts einfällt, dann malt man wellen.linien aufs papier.

manchmal entstehen so wirklich tolle text.ideen, ideen, die einem unter normalen umständen gar nicht gekommen wären.
und manchmal ist diese übung auch befreiend, etwa wenn uns dinge belasten, dann kann es sehr hilfreich sein, sich diese einfach von der seele zu schreiben.

ich bin schon gespannt, welche texte auf diese art entstehen werden.
#GutSchreib allerseits!

 

eine geschichte voller haupt.wörter. | #schreibwerkstatt

im oktober geht sie wieder los, die schreibwerkstatt.
ich freu mich wirklich schon sehr darauf …
und möchte deshalb darauf aufmerksam machen, dass noch zwei bis vier plätze frei sind.
wir haben wirklich lustige aufgaben gemacht und beeindruckende texte geschaffen …

drum frag ich heute:
wer will nochmal, wer hat noch nicht?

sinn.wort.spiel.

die fassade? ein traum!
der garten? ein hingucker –
kirschbäume, pfingstrosen, gemüsebeete, jacuzzi.
keller, rumpelkammer, dachboden: chaos!
die zimmer? der horror!
staubflusen, wasserflecken, schimmelbefall.
rattenalarm!

kaufvertrag?
nein!

* * *

diese woche lautete die haus.aufgabe in der schreibwerkstatt:
schreib einen text, der ausschließlich wörter enthält, die einen artikel haben –
und der einen sinn ergibt.

das ist meine idee dazu.

*

(wichtig bei solchen text.spielereien ist die formatierung: wenn es kein wort.salat werden soll, muss das layout dem text den nötigen sinn verleihen.)

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Liebe geht durch den Magen | Verena Grabenhofer

Schon zehn vor sechs!
Ich muss noch ganz schnell zu Maria in den Bioladen, um grünen Salat und Hirse zu besorgen. Für heute Abend um acht habe ich Margarethe und Toni eingeladen, die stehen auf Bio-Essen aus der Region. Da darf nichts schiefgehen, denn ihre Zwillinge, David und Samuel, sind meine Schüler.
„Jetzt in den Ferien sind sie bei der Oma“, hat mir Margarethe erzählt. Da hätten sie und Toni Zeit für einen geselligen Abend mit Freunden.
Margarethe ist als Gesundheitsdozentin über die Grenzen unseres Ortes hinaus berühmt: kein Fleisch, keine Milchprodukte, kein Zucker, niemals Fertigprodukte, stattdessen Getreide in allen Aggregatzuständen und Rohkost in sämtlichen Farben. McDonald’s ist ihr Lieblingsfeind. Wenn Margarethe von den schädlichen Langzeitfolgen der durch unsere Zivilisationskost verursachten Mangelernährung referiert, nickt Toni ernst und isst hingebungsvoll alles, was man ihm vorsetzt. Das tut er allerdings auch dann, wenn er mit meinem Mann abends zum Holzer-Wirt geht, der als besondere (und einzige) Spezialität des Hauses eine heimische Schlachtplatte vom Schwein mit dazugehörigem Obstler anbietet.

Ich stelle meinen Wagen in der Eile etwas zu schräg am Straßenrand gegenüber dem Bioladen ab und stürze hektisch ins Geschäft. Hier riecht es immer wie in einem vegetarischen Schlaraffenland: frisch, pflanzlich und gesund. „Hi Verena“, begrüßt mich Maria strahlend. An der Käsetheke steht eine Dame, eingepackt in einen naturreinen Lodenmantel und bedeckt mit einem großen grünen Filzhut samt seitlich wippender Fasanenfeder. Sonst ist niemand mehr im Laden. Da komme ich gleich dran, stelle ich beruhigt fest.
Ich schnappe mir aus der Gemüsekühlung einen knackigen Kopf Eichblattsalat. Ein Kilo inländischer Goldhirse fällt wie von selbst aus dem blank gescheuerten Vollholzregal in meinen ungeduldigen Arm, und schon stehe ich an der Kasse, gleich neben der Käsetheke.

„Was darf ich Ihnen denn sonst noch Gutes einpacken, Frau Bauernfeind?“, lächelt Maria die Dame vor mir an.
„Ist der Roquefort frisch?“ Frau Bauernfeind wirft einen prüfenden Blick über den
Rand ihrer goldenen Gleitsichtbrille auf den edlen Käse.
„Heute frisch angeschnitten, Frau Bauernfeind“, lächelt Maria.
„Dann geben Sie mir doch fünf Dekagramm, aber packen Sie ihn gut ein.“
Maria nickt freundlich: „Gerne, Frau Bauernfeind.“

Lächelnd lässt sie vorsichtig und ganz langsam das schmale Weichkäsemesser in den Roquefort gleiten.
Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Vor meinem inneren Auge schweben Birnen und Walnüsse mit Vogerlsalat zum Roquefort auf den Teller. „Aber Käse verstopft die Arterien“, erklärt Margarethe immer, und deshalb gibt es heute Abend bei mir Gemüsesuppe mit Dinkelnudeln und dann – ohne Ei, denn Eier erhöhen ja den Cholesterinspiegel.
Ich sehe auf die Uhr und räuspere mich scheu. Es ist fünf vor sechs und ich spüre kleine ungeduldige Bläschen in mir hochsteigen.
Frau Bauernfeind nimmt würdevoll den Roquefort in Empfang und lässt suchend ihre Augen durch die Scheibe der appetitlichen Käsetheke wandern. Ihr Einkaufskorb ist bereits proppenvoll mit Gemüse, Fruchtjoghurt, Freilandeiern, veganen Gummibärchen, Schokoriegeln, alles Bio.

„Haben Sie noch einen Wunsch, Frau Bauernfeind?“ Lächelnd wischt Maria das Weichkäsemesser blank.
„Ach ja, der Bergkäse dort, wo kommt denn der her?“ Frau Bauernfeind deutet auf ein riesiges goldgelbes Käserad.
„Aus Tirol, Frau Bauernfeind.“
„Aus Tirol, hm, hm. Ist der laktosefrei?“
„Selbstverständlich, Frau Bauernfeind, der ist vier Monate gereift.“
„Ach, und wie schmeckt der?“
„Ein würziger Tiroler, Frau Bauernfeind, den müssen Sie probieren!“
Maria wuchtet lächelnd den schweren Käselaib in die Höhe und greift zu einem gigantischen Messer mit zwei Griffen. Unter Einsatz ihres Körpergewichts teilt sie das Käseungeheuer in zwei Hälften. Dann reicht sie Frau Bauernfeind ein dünnes Scheibchen des prallen Tirolers zum Kosten. Frau Bauernfeind schließt die Augen, schnuppert andächtig und schiebt sich den leckeren Happen auf die Zunge.
„Na, dann geben Sie mir halt ein kleines Stückchen“, erlaubt sie Maria kauend. Die Fasanenfeder nickt bestätigend.

Draußen schlägt die Kirchturmuhr sechsmal. Ich trete vom rechten Standbein auf das linke. Die Hirse muss zwanzig Minuten kochen, und der Auflauf braucht dann noch mindestens eine halbe Stunde im Rohr. Inzwischen muss ich die Suppe zaubern. Nervös zupfe ich an den Blättchen meines Eichblattsalates. Kann die Tante sich vielleicht ein bisschen sputen?

„Was darf es sonst noch sein, Frau Bauernfeind?“ Marias Lächeln muss angeboren sein.
„Der Rinderschinken sieht auch gut aus. Können Sie mir von dem zwanzig Deka dünn aufschneiden?“
„Aber natürlich gerne, Frau Bauernfeind.“ Maria stülpt sich flink die hauchdünnen Plastikhandschuhe über, und schon radelt sie lächelnd Blättchen für Blättchen des saftigen, tiefroten Schinkens hauchdünn aufs Papier.
Tja, das dauert!

Während der herzhafte Schinkenduft meine Sinne betört, denke ich an das Dessert meines heutigen abendlichen Festmahls. Es gibt Getreidekaffee mit Hafermilch zum – Gott sei gedankt für meine umsichtige Vorausplanung – gestern gebackenen, mit Honig gesüßten Vollkornkuchen.
Trotzdem sehe ich eine dicke rote Panikattacke langsam auf mich zurollen. Bei dem Versuch, ruhig durchzuatmen, platze ich fast. Ich probiere es nochmals mit dem Trick des Räusperns, diesmal lauter und bestimmter.
Da dreht sich die Dame um und ich sehe ihr erstmals ins Gesicht.

„Ja, wissen Sie“, sagt sie mit entschuldigender Miene. „Ich kaufe heute viel mehr ein als sonst. Wir haben nämlich jetzt zwei Mäuler mehr zu stopfen.“
„Ach ja?“, antworte ich gereizt und will jetzt wirklich keine Geschichten hören. Ich schiele auf meine Uhr, aber die droht mir: 15 Minuten nach sechs!
„Ja,“ verrät sie mir verheißungsvoll, „seit gestern sind meine Enkel bei uns auf Besuch. Sie mögen es so gerne, wenn die Oma für sie kocht. Natürlich kaufe ich nur gesunde Sachen für die Buben, die sind ja noch im Wachstum.“
Jetzt werde ich doch etwas hellhörig. „Wie heißen denn Ihre Enkelkinder?“, frage ich interessiert.
„David und Samuel“, sagt Frau Bauernfeind und lächelt selig.
„Ach, wie nett“, murmle ich verständnisvoll und sehe gerade noch, wie sich eine Politesse mit kleinem Block von meinem schief geparkten Auto entfernt.
Aber eine Einladung meiner Freunde lasse ich mir selbstverständlich etwas kosten.

* * *

Dieser Text entstand in der Schreibwerkstatt 2019.
Danke dafür!

adieu, lieber text, mach’s gut! #AusGründen

meine texte sind ein teil von mir.

in jedem einzelnen stecken tausende gedanken, eine menge arbeit und so richtig viel herz.blut.
nicht jeder text ist toll, viele sind nicht mal gut –
und manche sind so schlecht, dass sie niemals das licht der welt erblicken, sondern im ewigen dunkel dicker notiz.bücher gefangen bleiben.
ein paar aber erfüllen mich mit stolz, zaubern mir ein lächeln ins gesicht.
wirklich? das hab ich geschrieben?
denk ich mir dann und freu mich, dass mir etwas schönes gelungen ist.

wenn der text dann die welt erobern darf, freu ich mich über feedback.
nette nachrichten von menschen, die einen text gut fanden, die mir schreiben, dass sie sich in dem text erkannt haben, dass er sie im herzen trifft.
oder dass sie einen text nicht gut fanden, dass sie keine ahnung haben, was sie davon halten sollen, dass er an ihnen vorbeirauscht und keine spuren hinterlässt.
aus solchen nachrichten ergeben sich immer spannende diskussionen mit oft fremden menschen, meistens lerne ich sehr viel daraus und überdenke, was ich wie und warum geschrieben habe.
oder auch nicht –
je nachdem.

kritik ist nämlich wunderbar, öffnet neue perspektiven und lässt uns unbekannte wege beschreiten –
wenn sie auf wertschätzende weise präsentiert wird, von menschen, die wissen, was sie da kritisieren.
wer selbst schreibt, weiß, wie schwer es sein kann, von einem text abschied zu nehmen, ihn loszulassen und auf seine reise zu schicken –
und in kauf nehmen zu müssen, dass nun jede/r diesen text bewerten wird, vollkommen egal, auf welcher grundlage.
meist versuche ich, solche dinge auszublenden.
doch das ist schwer –
denn gerade die, die einfach mal drauflos kritisieren, sind laut und wild und gar nicht nett …
mit dem unangenehmen neben.effekt:
die kritik bringt mich nicht weiter, raubt mir aber meine ruhe, weil man sich die kritik doch zu herzen nimmt.

wenn ihr also das nächste mal einen text lest –
oder einen song hört, ein selbst genähtes kleidungsstück seht –
dann atmet dreimal tief durch und überlegt:
muss ich’s wirklich belächeln und verbal zerreißen? oder formulier ich meine kritik so, dass mein gegenüber etwas damit anfangen kann?

denn egal ob es sich um einen text, einen song oder ein kleidungsstück handelt:
all diese dinge sind teil von uns –
wenn ihr dieses teil belächelt, belächelt ihr auch uns.

#SeidLiebZueinander!

roter regen | 27

da saß ich also in meinem haus, auf das ich mich so gefreut hatte, blickte auf den rosengarten, auf den ich so stolz gewesen war, und war davon überzeugt, verrückt zu werden.

meine gedanken drehten sich im kreis, ich hatte keine ahnung, was ich tun sollte –
und das tagebuch der lady eleonore gab mir keinerlei heinweise darauf, was mit mir los war, ob ich im werden war, wie einst lady eleonore, oder ob ich einfach nur einen knall hatte.
mehrere stunden saß ich in meinem lehnstuhl, das aufgeschlagene tagebuch auf den knien, und blickte in die ferne. nur ganz nebenbei nahm ich den gesang wahr, der manchmal aus dem keller zu mir nach oben drang, er war schon längst zu einem festen bestandteil meines lebens geworden.

als die sonne langsam über meinem rosengarten unterging, hatte ich einen plan gefasst, wie ich weiter vorgehen wollte, einen wasser.dichten plan, der mir zeigen würde, ob ich wirklich auf dem besten wege war, verrückt zu werden –
oder ob dieses haus tatsächlich sonderbar war und der raum im keller mir szenen aus meiner kindheit zeigte.
ich stand also auf, suchte in den noch nicht ausgepackten umzugskartons nach dem camcorder, den ich vor einigen jahren gekauft und noch nie verwendet hatte, legte ein aufnahme.band ein und stellte das gerät auf den tisch in der küche.
morgen früh, so war mein plan, würde ich im garten ein paar runden laufen, danach duschen und ausgiebig frühstücken, eine große tasse kaffee trinken –
und dann mit meinem camcorder in den keller gehen und meiner vergangenheit einen weiteren besuch abstatten.
den camcorder wollte ich mit einem gürtel an mir selbst befestigen, damit er nicht verloren ging.

nach meiner rückkehr ins jetzt würde ich mir das band ansehen und über mich selbst ein urteil fällen:
war mein haus ein besonderes, ein magisches, eines, in dem seltsame dinge geschahen –
oder war ich einfach nur verrückt?

(weiter.lesen.)

 

roter regen | 26

… knallte gegen die mauer in meinem keller.
verwirrt taumelte ich zurück und fiel auf meinen hosen.boden.
ich war doch gerade eben noch durch den wald gerannt und wollte über einen umgestürzten baum.stamm springen –
was war passiert?
wie hatte ich denn quer durch zeit und raum springen können, aus meiner kindheit direkt in den keller meines hauses –
und wie war ich überhaupt in meine kindheit gelangt?

mit einem mehr als mulmigen gefühl im magen ging ich die treppe nach oben und setzte mich in einen lehn.stuhl, der mir einen wunderbaren blick auf meinen rosen.garten bot. neben mir, auf einem kleinen tisch, lag das tagebuch der lady eleonore.
ich nahm es in die hand und blätterte gedanken.verloren darin herum.
irgendwie musste das alles zusammenhängen –
die rosen, die immer blühten, der rote regen, dieser seltsame flaum, den ich immer öfter auf mir entdeckte, der gesang und dieses zeit.fenster im keller, durch das ich in meine kindheit zurückversetzt zu werden schien.
es musste da einen zusammenhang geben, davon war ich überzeugt, und diesen zusammenhang musste ich finden, allein schon, weil die alternative keine war –

wer würde sich schon gern eingestehen, langsam verrückt zu werden?

(weiter.lesen.)

 

werken in der schreib.werkstatt | #schreibwerkstatt

in der gestrigen schreib.werkstatt wurde anfangs wild gelogen, gab es doch etliche lügen.gedichte vorzulesen.

interessanterweise fiel es niemandem besonders schwer, über sich selbst lügen.geschichten zu erfinden –
diese in lyrische form zu bringen war die eigentliche herausforderung.
aus dieser erkenntnis ergab sich eine spannende diskussion:
was am gedicht.schreiben macht angst, was am schreiben generell kann probleme bereiten?
um all diese gedanken einmal aufzuschreiben, erstellten wir dann eine so genannte mind map, eine gedanken.karte.
mind maps eignen sich immer dann, wenn man mal ansteht, wenn man nicht weiterweiß, ganz egal bei welchem thema.

die gestrige mind map zum thema schreiben sah so aus:

 

und weil wir dann schon so im thema das schreiben und die probleme damit drin waren, lag die nächste aufgabe eigentlich auf der hand:
reg dich auf!

bei dieser übung geht es darum, sich mal so richtig aufzuregen, ohne wenn und aber, einfach losschreiben und rauslassen, was nervt, zu einem thema nach wahl.
bei uns war es:
was ist blöd am schreiben, was nervt einfach nur, was klappt irgendwie überhaupt nicht und macht nur probleme –
und warum trau ich mich manchmal gar nicht, das alles aufzuschreiben und rauszulassen?
klingt komisch, hilft aber total, vor allem dabei, das eigene eis zu brechen, das uns manchmal am schreiben hindert.

ich muss gestehen:
das war wirklich spannend.
so viele neue gedanken und zugänge zum thema die probleme mit dem schreiben
toll.

auch aus diesen übungen ergaben sich wieder angeregte diskussionen –
ganz wunderbare, in denen teilnehmer/innen ihre gedanken ganz offen formulierten und sich gegenseitig mit tipps halfen.

die haus.aufgabe fürs nächste mal ist übrigens folgende:
schreib einen text über die sommerhitze, in dem sich kein verb wiederholen darf.
e
s darf also kein tun.wort zwei mal vorkommen.

ich bin schon gespannt, auf welche ideen die kreativen köpfe in der schreib.werkstatt diesmal wieder kommen werden.

* * *

warum ich das immer alles zusammenfasse?
vor allem, damit es jene teilnehmer/innen nachlesen können, die nicht dabei sein konnten –
aber natürlich auch, weil es für andere spannend sein könnte:
schreiben ist ja was wunderbares!

 

roter regen | 24

als ich erwachte, hatte ich keine ahnung, wie lange ich geschlafen hatte.
waren es stunden gewesen, tage?
ich stand aus meinem bett auf, ging in die küche, machte mir einen happen zu essen –
und ging dann bebenden schrittes wieder in den keller, zu jener tür, hinter der ich dinge erlebt hatte, die ich mir nicht erklären konnte.

vor der tür, die wie immer in den letzten tagen einen spalt weit geöffnet war, setzte ich mich im schneidersitz auf den boden und dachte nach.
hatte ich mir die reise in meine kindheit nur eingebildet?
stand ich kurz davor, verrückt zu werden?
so konnte es doch nicht weitergehen! was würde nur aus mir werden
oder war es genau das? war ich im werden, wie es lady eleonore einst gewesen war?
vor aufregung bekam ich feuchte hände –
genau das hatte ich doch gewollt! ich wollte werden, wie lady eleonore, wollte herausfinden, was dieses werden bedeutete, und zu was lady eleonore geworden war.

ich hatte keine wahl –
wenn ich herausfinden wollte, was hier los war, musste ich mich noch einmal in den raum wagen, musste mich meinen ängsten stellen, koste es, was es wolle.
also nahm ich meinen ganzen mut zusammen, stand auf, bevor er mich wieder verlassen würde, trat auf die tür zu, drückte sie auf –
und machte erneut einen großen schritt über die schwelle.

(weiter.lesen.)

roter regen | 23

… bist du?
hörte ich mich flüstern.

ich lag eingerollt wie eine keller.assel auf dem boden vor der tür, die noch immer einen spalt weit geöffnet war und durch die noch immer ein rötlicher schein drang.
ich lag da, als wäre ich nie in dem raum dahinter gewesen, als wäre ich einfach zusammengebrochen wie der jammer.lappen, für den ich mich selber hielt.
langsam setzte ich mich auf, rieb mir die augen und stellte verwundert fest, dass meine hände von einem leichten, roten flaum überzogen waren –
ein flaum, den ich schon einmal bemerkt hatte, nach dem roten regen, der über meinem garten niedergegangen war, und von dem auch lady eleonore in ihrem tagebuch berichtet hatte.
rund um mich waren sandige fuß.spuren zu sehen, so als wäre jemand direkt vom strand in mein haus gelaufen.

entsetzt sprang ich auf und rannte ins badezimmer, wusch mir meine hände mit heißem wasser, um den roten flaum loszuwerden, der auf meinen händen festgewachsen zu sein schien, und schaffte es dann gerade noch zu meinem bett. dort ließ ich mich matt und unendlich müde in die kissen fallen und sank in einen tiefen, traumlosen schlaf.

und während ich mich oben in meinem bett von den geschehnissen erholte, hob unten im keller wieder der un.heimliche gesang an –
sanft nur, elegisch, und un.endlich traurig.

(weiter.lesen.)