roter regen | 27

da saß ich also in meinem haus, auf das ich mich so gefreut hatte, blickte auf den rosengarten, auf den ich so stolz gewesen war, und war davon überzeugt, verrückt zu werden.

meine gedanken drehten sich im kreis, ich hatte keine ahnung, was ich tun sollte –
und das tagebuch der lady eleonore gab mir keinerlei heinweise darauf, was mit mir los war, ob ich im werden war, wie einst lady eleonore, oder ob ich einfach nur einen knall hatte.
mehrere stunden saß ich in meinem lehnstuhl, das aufgeschlagene tagebuch auf den knien, und blickte in die ferne. nur ganz nebenbei nahm ich den gesang wahr, der manchmal aus dem keller zu mir nach oben drang, er war schon längst zu einem festen bestandteil meines lebens geworden.

als die sonne langsam über meinem rosengarten unterging, hatte ich einen plan gefasst, wie ich weiter vorgehen wollte, einen wasser.dichten plan, der mir zeigen würde, ob ich wirklich auf dem besten wege war, verrückt zu werden –
oder ob dieses haus tatsächlich sonderbar war und der raum im keller mir szenen aus meiner kindheit zeigte.
ich stand also auf, suchte in den noch nicht ausgepackten umzugskartons nach dem camcorder, den ich vor einigen jahren gekauft und noch nie verwendet hatte, legte ein aufnahme.band ein und stellte das gerät auf den tisch in der küche.
morgen früh, so war mein plan, würde ich im garten ein paar runden laufen, danach duschen und ausgiebig frühstücken, eine große tasse kaffee trinken –
und dann mit meinem camcorder in den keller gehen und meiner vergangenheit einen weiteren besuch abstatten.
den camcorder wollte ich mit einem gürtel an mir selbst befestigen, damit er nicht verloren ging.

nach meiner rückkehr ins jetzt würde ich mir das band ansehen und über mich selbst ein urteil fällen:
war mein haus ein besonderes, ein magisches, eines, in dem seltsame dinge geschahen –
oder war ich einfach nur verrückt?

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roter regen | 25

das nützt doch nichts, junge, du kannst nicht alle gelsen erschlagen! so lass es doch, komm, setz dich lieber zu uns ans lager.feuer!
meine mutter blickt mich kopfschüttelnd an.
doch ich möchte das nicht, denn ich weiß genau:
wenn ich mich hinsetze, lässt sich ein schwarm der stechenden biester auf mir nieder, dann werde ich die ganze nacht nicht schlafen können, weil es so juckt. nein, da schlag ich lieber wild um mich, wie es kleine jungs eben so machen, und hoffe, möglichst viele dieser viecher zu erwischen.

mein vater sitzt ein wenig abseits von meiner mutter und starrt mich wortlos an.
so starrt er sonst nur, wenn ich etwas falsch gemacht habe, wenn er gleich schimpfen wird, aber er sagt schon den ganzen abend nichts. er starrt nur, starrt mich an, als hätte ich den verstand verloren.
vermutlich denkt er das auch wirklich.
heute nachmittag nämlich fischte er einen wels aus dem see, der war riesig, und dann erklärte er mir stolz:
die wohnen ganz tief unten im see und fressen alles, was nach unten sinkt. sieh nur, junge, wie groß sein maul ist!

meine mutter nickte lächelnd zu seinen worten und sagte:
den werden wir heute abend grillen. mmh, das wird ein leckerbissen!

mir wurde ganz schlecht. nicht wegen der grillerei am abend, nein, sondern weil ich plötzlich erkannte:
in dem see, in dem ich so gern schwimme, leben monster! monster, die so riesig sind, dass sie mich auffressen könnten, mit einem haps wäre ich verschwunden.
leichenblass und mit zitternden knien war ich zu boden gesunken, vor lauter angst hatte ich kaum noch luft bekommen, mein vater hatte mich verächtlich angeblickt und nur geschnaubt.
meine mutter hatte mich in den arm genommen, um mich zu trösten, das war schön gewesen, aber ich hatte gespürt, dass auch sie meine reaktion ein wenig überzogen fand.

und jetzt sitzen meine eltern hier am lager.feuer, essen von dem monster, das mein vater geangelt hat, und schauen mich an, als hätte ich nicht alle tassen im schrank.
vielleicht haben sie recht. vielleicht hab ich ja wirklich nicht alle tassen im schrank, wie ich da stehe, am ufer eines sees, mit den armen um mich schlagend, um die gelsen zu vertreiben, und dem festen entschluss, nie mehr ein gewässer zu betreten –
nicht einmal die bade.wanne.
vermutlich habe ich den verstand verloren, ja.

doch plötzlich halte ich inne –
und obwohl sich sofort dutzende gelsen auf mir niederlassen, bewege ich mich nicht.
da singt jemand!
ich kann es hören, ganz leise nur, aber ich bin sicher: das bilde ich mir nicht ein.
ich drehe mich um, weg vom see, hin zu dem kleinen wäldchen, durch das wir gestern wanderten.
ja, von dort kommt der gesang, dort muss ich hin!
langsam setze ich mich in bewegung –
ein schritt, noch einer, ein weiterer.

was machst du denn, junge? wohin gehst du?
meine mutter ruft nach mir, aus dem augenwinkel sehe ich, dass sie aufgesprungen ist. auch mein vater ist jetzt aufgestanden, ich spüre, wie er sich in meine richtung bewegt, er wird versuchen, mich aufzuhalten.
aber das darf er nicht!
ich muss in den wald, dorthin, wo diese wunder.volle stimme singt!
niemand darf mich aufhalten, das darf einfach nicht passieren!

also renne ich los.
ich laufe schnell, schneller als je zuvor in meinem leben.
ich höre meinen vater hinter mit herhecheln, höre meine mutter, wie sie nach mir ruft, aber das interessiert mich nicht –
mich interessiert nur diese stimme, dieser gesang, der mich magisch anzieht.
immer schneller werde ich, der gesang weckt in mir bisher verborgene kräfte, ich renne und renne, als hätte ich mein leben lang nichts anderes gemacht.
leise höre ich hinter mir meinen vater rufen:
so bleib doch stehen, junge! was willst du denn im wald?
doch ich blicke mich nicht um, ich bleibe auch nicht stehen, nein, ich renne einfach weiter.
vor mir tauchen die ersten bäume auf, der gesang wird lauter, gibt mir neue kraft.

da! ein umgestürzter baum.stamm!
ich werde einfach drüberspringen, das schaff ich, ich muss nur genug anlauf nehmen –
und so werde ich schneller, setze zum sprung an und …

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roter regen | 23

… bist du?
hörte ich mich flüstern.

ich lag eingerollt wie eine keller.assel auf dem boden vor der tür, die noch immer einen spalt weit geöffnet war und durch die noch immer ein rötlicher schein drang.
ich lag da, als wäre ich nie in dem raum dahinter gewesen, als wäre ich einfach zusammengebrochen wie der jammer.lappen, für den ich mich selber hielt.
langsam setzte ich mich auf, rieb mir die augen und stellte verwundert fest, dass meine hände von einem leichten, roten flaum überzogen waren –
ein flaum, den ich schon einmal bemerkt hatte, nach dem roten regen, der über meinem garten niedergegangen war, und von dem auch lady eleonore in ihrem tagebuch berichtet hatte.
rund um mich waren sandige fuß.spuren zu sehen, so als wäre jemand direkt vom strand in mein haus gelaufen.

entsetzt sprang ich auf und rannte ins badezimmer, wusch mir meine hände mit heißem wasser, um den roten flaum loszuwerden, der auf meinen händen festgewachsen zu sein schien, und schaffte es dann gerade noch zu meinem bett. dort ließ ich mich matt und unendlich müde in die kissen fallen und sank in einen tiefen, traumlosen schlaf.

und während ich mich oben in meinem bett von den geschehnissen erholte, hob unten im keller wieder der un.heimliche gesang an –
sanft nur, elegisch, und un.endlich traurig.

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roter regen | 22

sieh mal, junge, da ist eine möwe! sie fliegt ganz oben, und sie ruft ihre freunde!
meine mutter ist begeistert.
mit vom wind geröteten backen steht sie barfuß im nassen sand und winkt mir zu, die freude ist ihr ins gesicht geschrieben.
mein vater sitzt ein stück von uns entfernt auf einem felsen, versucht zu angeln. sein starrer blick ist auf die wasser.oberfläche gerichtet, so als würde er versuchen, die fische im wasser zu hypnotisieren.

ich sitze am ufer, beobachte meine mutter und wage es nicht, ins wasser zu gehen –
das wasser, von dem mein vater behauptet, dass un.heimliche kreaturen darin wohnen würden, ganz tief unten, dort, wo es immer dunkel ist.
und strömungen gibt es im meer, davor hat mein vater mich gewarnt.

also sitze ich da am strand, sehe die augen meiner mutter vor freude glänzen –
und spüre ein kribbeln in meinen zehen.
ein kribbeln, das über die waden bis zum po wandert, bald werde ich nicht mehr aufstehen können, ich fühle mich wie gelähmt, die angst hat mich fest im griff –
ich wage es nicht, aufzustehen, ich wage es nicht, sitzen zu bleiben, ich wage es nicht einmal, zu atmen.
ich sitze da am strand, gelähmt, gefesselt, ich ringe nach luft und kann doch keine bekommen.

da höre ich meine mutter, sie singt eins dieser elegischen lieder, die sie so liebt, eins dieser lieder, die mich immer in ihren bann ziehen, dem ich nicht entkommen kann, der mich aber beschützt, einhüllt, wie ein sog, dem ich mich vollkommen ergeben kann.
ich schließe die augen, spüre das kribbeln in den beinen, höre die möwen kreischen und meine mutter singen, ich fühle den kühlen wind auf meiner haut und den harten keller.boden unter mir –

mama, wo …

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* * *

(roter regen | 1 – wie alles begann.)

 

 

roter regen | 20

ja wer ist denn da aufgewacht?
ist es nicht ein wunderbarer vormittag heute? die vögel zwitschern, die sonne scheint, hach, ganz wunderbar!

eingesperrt?
aber nein, mein lieber, das erkläre ich Ihnen doch jeden tag, Sie sind hier nicht eingesperrt, es ist zu Ihrem besten, wirklich! wir müssen einfach schauen, dass Sie wieder auf die beine kommen, körperlich, aber vor allem auch psychisch. wir müssen an dieser angst vor dem regen arbeiten, und Sie dürfen auch nicht jeden sonntag im speisesaal randalieren, wenn die enkelkinder der anderen bewohner himbeersaft neben Ihnen trinken.
ich weiß ja nicht, was Ihnen damals in dem keller passiert ist, in dem Ihr ehemaliger chef Sie gefunden hat, aber eins ist klar:
normal ist das nicht. und darum sind Sie hier.

wie?
ja aber natürlich werde ich Sie heute wieder mit dem waschlappen waschen, muss ich ja auch, immerhin haben Sie den duschkopf in Ihrem badezimmer, naja, sagen wir abmontiert.
hier hab ich auch schon alles, fangen wir wieder am rücken an mit dem schrubben?
sehr gut.

ich war mit meinem mann übrigens letzte woche bei Ihrem alten haus, der rosengarten ist noch immer ganz wundervoll, und wie es dort duftet! es war zwar nicht valentinstag, aber trotzdem sehr romantisch, mein mann hat gar nicht glauben können, dass die rosen wirklich immer blühen, sogar die bäume haben rote blüten getragen, toll war das.

so, bitte umdrehen, jetzt schrubben wir den bauch, aber Sie müssen schon ein bisschen still halten und nicht so zappeln, sonst bekomm ich nicht alles weg. der rote flaum ist heute weniger, schön, vielleicht hilft die neue creme, die Ihnen der herr doktor verschrieben hat.

mein mann war übrigens ganz verwundert, dass das haus angeblich leer steht. wir haben beim spazieren gehen jemanden singen hören, da hat wohl jemand einen übungsraum im keller, es war wirklich ein toller gesang.
was?
nein, wir sind natürlich nicht in den keller gegangen, das wäre ja hausfriedensbruch! mein mann hat nur durch eins der fenster geschaut, aber da war nichts zu sehen, alles war voller roter schlieren, so rotes algenzeugs, glaub ich.

gleich haben wir’s, dann kommt die schwester und bringt Sie zur therapie, ja? ich glaub, heut steht gesprächstherapie auf dem plan, das wird toll werden, schritt für schritt in ein neues leben! ich freu mich für Sie!

so, jetzt sind wir fertig. alles sauber!
dann wünsch ich Ihnen noch einen wunderbaren tag, erholen Sie sich gut, ja? ich hab jetzt dann frei, hatte heut ja nachschicht. mein mann wartet schon auf mich, der ist heut daheim geblieben, irgendwas ist mit seinen augen, er meinte, er sehe alles ganz rot, als wär da was drinnen in seinen augen.
naja, der arzt wird das klären, nehm ich an.

aber nicht doch, nein, warum schreien Sie denn schon wieder? bitte, beruhigen Sie sich doch!

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roter regen. | 18

doch ich ignorierte sämtliche warnungen und wunderte mich nur –
wie konnte es sein, dass in einem so großen, alten haus nicht ein einziges werk.zeug zu finden war?

verärgert und ein wenig enttäuscht, mein vorhaben schon wieder auf unbestimmte zeit verschieben zu müssen, nahm ich den kopf.hörer ab. bis zu diesem zeitpunkt hatte ich das singen im keller erfolgreich verdrängen können –
doch kaum, dass ich den kopf.hörer abgenommen hatte, verschlang mich der gesang, ich konnte ihn mit jeder faser meines körpers wahrnehmen, er schien mich vollkommen zu vereinnahmen.

überzeugt, von dieser musik wahn.sinnig zu werden, schloss ich die augen, hielt ich mir die ohren zu und drehte mich langsam mehrmals im kreis, wie um mich aus diesem sog zu befreien.
als ich mehrere umdrehungen hinter mir hatte, öffnete ich wieder meine augen.
doch ich hatte mich gar nicht im kreis gedreht –
ich hatte mich mit dem gesicht zur tür gedreht.

zu jener tür, die weder eine klinke noch ein schloss hatte, die aber nun, nach meinem komischen tanz, einen spalt weit offen stand und mich einzuladen schien, den raum dahinter zu erkunden.

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roter regen | 13

die regentropfen, die mein gesicht berührten, fühlten sich samtig an, sie liefen auch nicht so schnell nach unten wie normaler regen, sie schienen mich zu liebkosen, verharrten einen augenblick auf der stelle, um dann weiter nach unten in den kragen meines hemdes zu fließen.

langsam ging ich richtung rosengarten, die treppe hinab.
die rosen, sie zogen mich magisch an, ich hatte das gefühl, sie würden mich vor jedem leid der welt beschützen können.
auch vor dem regen, dem verwirrend roten.

eine zeit lang stand ich unbewegt inmitten meiner rosen.
ich hatte die welt rings um mich völlig vergessen.
erst, als es dann plötzlich donnerte, erwachte ich aus meiner starre, drehte mich um und ging zurück ins haus.

ohne innezuhalten schritt ich bis ins badezimmer, drehte die dusche auf und stellte mich mitsamt meiner kleidung unter den eiskalten strahl.
langsam erwachte ich wieder aus meiner seltsamen starre.
ich fühlte mich unendlich müde, erschöpft, ausgelaugt und leer.

der regen, der mich und die welt rot gefärbt hatte, hatte inzwischen aufgehört.
doch in mir drinnen konnte ich ihn noch immer hören.

ich wusch mir sorgfältig die roten schlieren vom körper, steckte meine rotgefärbten kleider in die waschmaschine, und legte mich in das erste bett, das mir unter kam.
ich hatte das gefühl, meine augen keine einzige weitere minute offenhalten zu können und schlief auf der stelle ein.

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roter regen | 12

der widerstand in mir schien mich festhalten zu wollen.

lass es sein, sieh nicht hin!

murmelte der widerstand.
doch ich konnte nicht anders, ich musste hinsehen.
jetzt erst recht.

der regen hatte meinen rosengarten in ein noch prächtigeres farbenmeer verwandelt, als er ohnehin schon war.
das rot der rosen strahlte –
und doch war es anders als sonst.

ich trat näher ans fenster, um meine rosen besser sehen zu können, und wollte schon die tür öffnen, als mich der gedanke an die nässe dort draußen innehalten ließ.

nein, nass werden wollte ich um keinen preis.
aber meine rosen, die wollte ich sehen, dort draußen im regen.
ein zufälliger blick auf meine bäume rund um den rosengarten ließ mich innehalten.

seit wann waren auch die bäume in meinem garten rot?
dort standen nadelbäume und laubbäume, aber keine roten.
und doch war es so:
in meinem garten standen plötzlich rote bäume.

nein, das entsprach so nicht der wahrheit.
die bäume in meinem garten waren grün, doch der regen tropfte rot von ihnen herab und ließ sie leuchten.
auch das wasser in dem kleinen springbrunnen hatte sich rot verfärbt, die lacken auf der terrasse schienen aus blut zu bestehen, und auf meinem auto zog der regen rote schlieren.

ich war so entsetzt, dass ich meine abneigung gegen die nässe und den regen vergaß und auf die terrasse stürmte.

da stand ich nun, zitternd, im kalten regen, mit zum himmel erhobenen kopf –
und starrte mit weit aufgerissenen augen nach oben.

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roter regen | 11

abgesehen von diesem roten schein war es im keller sehr dunkel, denn die kleinen fenster, die licht hereinlassen hätten können, waren mit dicken brettern vernagelt, und die glühbirne, die von der decke baumelte, hatte wohl einer der vorbesitzer versehentlich zerschlagen und nicht erneuert.
also beschloss ich, mich mit einer taschenlampe zu bewaffnen und den keller genauer zu durchsuchen.

im keller angelangt offenbarte der strahl meiner lampe etwas, das ich niemals erwartet hätte –
als ehemals zuständiger immobilienmakler kannte ich alle pläne des hauses, hatte jeden raum schon mindestens einmal betreten und zumindest einen blick in den keller geworfen.

und doch fand ich an diesem ersten tag in meinem haus eine tür im keller, die laut plan nicht hätte da sein dürfen.
eine tür, die verschlossen war, und die zu allem überfluss weder eine klinke noch ein schloss hatte.

wie also sollte ich in den raum hinter der tür gelangen?
ich brannte darauf zu erfahren, was ich dort vorfinden würde, doch ich hatte keine ahnung, wie ich die schwere holztüre öffnen sollte.

entmutigt ließ ich mich vor der tür zu boden sinken.
so eine große entdeckung, und dann sollte es mir nicht gelingen, das geheimnis vollends zu lüften?

ich schloss die augen, um besser nachdenken zu können –
als ich regen hörte.

gerade eben hatte doch noch die sonne geschienen –
und jetzt regnete es?
ich hoffte, dass ich im keller nicht nass werden würde, wer konnte schon wissen, wie viel wasser bei einem ordentlichen regenguss in den keller eindrang.

ich stieg also wieder nach oben, mit dem plan, mich gemütlich ins wohnzimmer zu setzen und meinen rosengarten im regen zu betrachten.

doch schon an der tür zum wohnzimmer hielt ich inne.

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roter regen | 10

kühle dunkelheit empfing mich.
alle fensterläden waren geschlossen, hie und da drang jedoch ein wenig sonnenschein durch einen schlitz und ich konnte staubkörnchen tanzen sehen.

es fühlte sich großartig an, hier zu sein.
endlich angekommen zu sein.
und ich hoffte, dass ich nun beginnen konnte

zu werden.

erfüllt von einer plötzlichen freude stürmte ich wieder zu meinem auto, um meine besitztümer zu holen. viel war es nicht, was ich mitgebracht hatte, vor allem bücher und unterlagen, die mir das leben der lady eleonore näher bringen sollten, es aber bisher noch nicht getan hatten.
meine möbel hatte ich alle der örtlichen armensammlung gespendet, denn mein rosenhaus war möbliert –
zwar nicht gerade nach meinem geschmack, aber ich wollte nichts an meinem neuen haus verändern, was nicht unbedingt sein musste.

die nächsten stunden verbrachte ich damit, mein neues zuhause zu erforschen, vom dachboden bis zum keller.
es gab nicht sonderlich viele dinge, die meine aufmerksamkeit erregt hätten –
alte bilder an zerfetzten tapetenwänden, mottenbefallene möbel in staubigen zimmern und kitschiger krimskrams, den ich am liebsten sofort entsorgt hätte –
doch ganz hinten in meinem kopf hörte ich eine leise stimme, die mich davon abhielt.

einzig der keller erweckte mein interesse.
er schien zu pulsieren, war von einem eigenartigen roten licht erfüllt –
und wenn ich ganz genau hinhörte, mit geschlossenen augen, glaubte ich

jemanden singen zu hören.

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