roter regen | 14

am nächsten morgen erwachte ich mit stechendem kopfschmerz.
ich setzte mich in meinem bett auf, hatte zuerst keine ahnung, wo ich war, oder warum ich in diesem staubigen bett lag, doch nach ein paar minuten kam meine erinnerung zurück.
beim gedanken an den regen, –

den roten regen –

dem ich mich gestern ausgesetzt hatte, durchfuhr mich ein schauer.
wie hatte ich nur diese unglaublich dumme idee haben können? mich in den regen zu stellen, freiwillig!

ich stand auf, wankte ins badezimmer und wusch mir mein gesicht. als ich mich abtrocknete, bemerkte ich eine rote stelle am haaransatz, klein nur, aber nicht zu übersehen.
ich packte mein handtuch und rubbelte darüber, doch die stelle blieb rot.
bei näherer betrachtung stellte ich fest, dass die stelle aussah, als hätte ich mir roten samt ins gesicht geklebt. ich betupfte den fleck mit einem starken desinfektionsmittel und hoffte, dass sie morgen wieder verschwunden sein würde.

einen kurzen moment lang hatte ich zweifel, ob es die richtige entscheidung gewesen war, das rosenhaus zu kaufen. schon am ersten tag so viele verrückte ereignisse: die tür im keller, der rote regen, samtige flecken im gesicht –
und der gesang schien auch immer stärker zu werden.

hatte ich einen fehler gemacht?
sollte ich besser wieder abfahren, versuchen, dem sog zu entkommen?

oder war es dafür schon zu spät?

(weiter.lesen.)

roter regen | 3

irgendwann wurde mir klar: auch regen ist wasser. zwar nicht so wie im meer, und anders als im see –
aber trotzdem:
wasser bleibt wasser.

meine mutter verstand die welt nicht mehr. mein vater versuchte mir die angst vor dem wasser mit ohrfeigen auszutreiben.
doch ich blieb standhaft.
kein schwimmen im meer.
kein baden im see.
kein spazieren im regen.
immerhin konnten meine eltern so das geld für das jährliche paar gummistiefel sparen.

anfangs konnte meine mutter diese abscheu vor dem wasser mit all seinen dunklen abgründen und strömungen und kreaturen leicht rechtfertigen.

der kleine hat gerade eine schwierige phase. er mag kein wasser. was? ja, duschen geht. aber in der bade.wanne war er schon länger nicht mehr.
wie? nun, er sagt, das wasser fühlt sich so nass an. und kalt.
nein, schwimmen kann er auch noch immer nicht, leider.

die sache mit dem schwimmen lernen gestaltete sich allerdings schwieriger als erwartet. in der schule war die wöchentliche schwimmstunde pflicht. und mit der ausrede, ich sei unwohl, konnte ich als junge nur schwer bei meinen lehrern punkten.
also hatte ich halsweh, bauchweh, ohrenweh, verdacht auf gallensteine und durchblutungsstörungen.

und ließ so den kelch der pflichtschwimmstunden an mir vorübergehen.

(weiter.lesen.)