schwere zeiten kommen auf uns zu. (#kolumne)

dieser satz klingt immer wie eine floskel, wie etwas, das die dorf.ältesten in schlechten filmen sagen, kurz bevor was.auch.immer losgeht.
ein satz, den man im echten leben irgendwie kaum sagt –
und dennoch ist dieser satz richtiger denn je.

in zeiten, in denen hass.postings das internet überfluten und jede/r glaubt, bei allem ein recht auf ihre/seine oft straf.rechtlich relevante meinung zu haben und diese auch öffentlich kundtun zu dürfen, in diesen zeiten sollte man meinen, dass die menschen im analogen leben respekt.voll miteinander umgehen würden, dass sie ihre kinder zu mehr freundlichkeit erziehen würden, oder zumindest selbst versuchen, freundlicher zu sein, weniger harsch, weniger gemein.
be kind … um es mit den worten eines menschen zu sagen, bei dem ich einen tollen yoga.workshop genießen durfte.

aber es ist verdammt schwer, immer kind zu sein, den anderen ständig zu vergeben.
es ist auch verdammt schwer, die innere seherin lächeln zu lassen, wenn das gesicht damit beschäftigt ist, nicht zu weinen –
oder zumindest die fassungslosigkeit nicht zu sehr nach außen dringen zu lassen.

ein bei.spiel:
töchterlein kommt aus der schule nach hause –
um fassung ringend, den tränen nahe.
die mutter ihrer freundin hätte gesagt, sie würde mich (ihre mama) nicht vertrauens.würdig und es besser finden, wir wären nicht am leben.
nun kann diese geschichte stimmen oder nicht –
ich weiß genau, wie gern kinder sich etwas ausdenken, manchmal die ärgsten dinge.
eines der beiden mädchen hat also vielleicht.wahrscheinlich gedichtet … oder wiedergegeben, was die mama gesagt hat.
bleibt nur eins: der weg in die offensive, um das zu klären.
doch die antwort auf das nett formulierte sms mit der bitte, die geschichte doch zuhause zu besprechen und vielleicht gemeinsam aus der welt zu schaffen, verpufft im nichts – als antwort kommt nur eine weitere gemeinheit.
und die erkenntnis: der apfel fällt wohl wirklich nicht weit vom stamm –
und es hat wohl keins der mädchen gelogen.

ein anderes bei.spiel:
ein privates fest in einem lokal.
am neben.tisch eine runde nicht mehr ganz junger damen, die wie einst back.fische durchgehend schrill kichern und mehrere stunden lang nichts anderes machen, als die gespräche der umsitzenden personen zu verfolgen und laut.stark darüber zu lachen, oder den kleidungs.stil der anwesenden frauen zu bekritteln und hämisch auch darüber zu lachen.
dass sie selber weder schönheits.königinnen noch in männlicher begleitung sind und sich den ganzen abend auch nur ein einziger kerl zu ihnen an den tisch gesellt, obwohl sie so offensichtlich um aufmerksamkeit heischen, ist wohl zugleich ursache und symptom –
und tut dennoch weh.
ja, es ist unangenehm, genau zu wissen, dass sie auch über meine kleidung lachen, über meine frisur, dass sie meinen job wohl lächerlich machen und dabei nichts dringender brauchen würden als eine runde inner peace und ein lächeln, das aus der seele kommt.

wieso können menschen sich nicht einfach akzeptieren, wie sie sind – sich selbst und alle anderen?
wieso darf man selbst niemanden kritisieren, muss sich aber jede kritik gefallen lassen?
und wieso glauben menschen, dass sie ein recht haben, andere warum.auch.immer schlecht zu machen und auszulachen?

ich weiß es nicht.
ich weiß nur eins:
in solchen situationen tut sich meine innere seherin verdammt schwer, da möchte sie schreien und brüllen und die menschen an den schultern packen und schütteln.

doch stattdessen lächle ich, immer breiter, und freue mich darüber, dass ich so nicht sein muss.
ich muss niemanden auslachen, um mich gut zu fühlen.
ich muss niemanden schlecht machen, damit ich das gefühl habe, besser zu sein.
aber ich darf jeden morgen die augen öffnen und einen menschen sehen, der mich so liebt, wie ich bin – vielleicht gerade deshalb, weil ich nicht alle anderen ständig lächerlich mache.
ich darf abends meine wunder.baren kinder gute.nacht.küssen – und weiß genau, dass auch die mich lieb haben, weil ich zu ihnen stehe und keine abgrund.tief bösen dinge über andere menschen sagen muss, damit sie mich toll finden.

und dann, später, stelle ich mich auf meine yoga.matte, gemeinsam mit ein paar anderen, und sehe die freude in deren gesichtern, fühle die verbindung, die zwischen uns herrscht, das glück und die freude –
und wie von selbst zaubert meine innere seherin ein lächeln auf meine lippen, in mein herz.

auch wenn es manchmal wirklich verdammt schwer ist –
aber sie schafft es immer wieder.

vielleicht sollten mehr menschen ihre/n innere/n seher/in finden und ein lächeln zulassen –
dann gäb’s bestimmt weniger hass und hetze …
auch im internet.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

 

 

das wahre leben | 3

stille überall.
draußen vor den fenstern der wohnung regiert die dunkelheit –
und auch in der wohnung ist es finstere nacht.

sie konnte nicht anders, sie konnte den dunklen balkon nicht verlassen, kein licht in der wohnung anmachen –
denn in ihr ist es schwarz, kalt, kein licht.strahl erhellt die dunkelheit ihrer gefühle, sie fühlt sich grau und immer grauer, mit jeder minute, die verstreicht, mit jeder minute, in der sie denkt, denken muss … und es doch nicht will. Weiterlesen

es ist ein drama. (#kolumne)

ein drama ist es, ein unendliches.
ein meer aus nichtigkeiten, eine flut an belanglosem bla.bla, eine horde von gedankenlosen, die jedes stückchen unwissen weiter.verbreiten –
und am ende des tages froh darüber sind, ihren bei.trag zur verbesserung der welt geleistet zu haben.

ein drama ist es, ein unendliches.
dieses meer aus nichtigkeiten, die unreflektiert auf einen einstürzen, ungebremst, mit voller wucht schlagen sie auf, sie dulden keinen wider.spruch, keine argumente, was zählt ist nur:
wer kann tiefer unter die gürtel.linie schlagen, wer hat die schlechteren argumente, wer hat am wenigsten ahnung, posaunt diese aber am lautesten hinaus.

ein drama ist es, ein unendliches.
dieses überall mitreden wollen,
dieses überall mitreden, auch wenn man keine ahnung hat
und darauf auch noch stolz sein.

ich schreibe dieses drama um, dieses unendliche.
ich mache eine schmieren.komödie daraus,
ich lache darüber,
mache mich lustig –
und dann vergesse ich es.

adieu, liebes drama, ich bin jetzt weg.
leb wohl, liebe nichtigkeit, ich habe kein interesse mehr an dir.
das war’s.
ende.
aus.

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© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

die freuden der virtuellen welt. (#kolumne)

guten tag, mein name ist xy, ich möchte gerne Ihrem netzwerk beitreten.
nett.
aber klar, ist doch heutzutage so wichtig, das eigene netz.werk, das vernetzen der verschiedenen branchen, menschen – und überhaupt.
netz.werken ist das, was früher das tratschen am garten.zaun war – nur ist es jetzt irgendwie cooler, urbaner, just follow the flow.
der größte unterschied zum kaffee.tratsch am garten.zaun ist aber, dass man die gesprächs.partner/innen früher gesehen, ach was schreibe ich denn?, dass man sie früher gekannt hat.
so echt, also mit die hat grüne augen und braune haare und eine warze auf dem rechten kleinen finger.

dieser xy, der möchte dem wunder.ding netz.werk eine neue, persönliche note verleihen, und fragt um ein treffen an.
was bringt denn netz.werken, ohne persönliche aktivität?, fragt er, Sie werden sehen, Sie können nur profitieren, und wenn doch nicht, dann haben wir eine stunde nett geplaudert.
ob er wohl einen garten.zaun hat?
ich wundere mich.
und sage ab.
ich habe etliche kontakte, die ich nicht persönlich kenne, die aber wirklich einmal nützlich sein könnten.
auch welche, die ich noch nie in der analogen welt getroffen habe – die ich aber trotzdem sehr schätze.
und wenn ich mir überlege, wie ich meine kontakte in china oder neuseeland besuchen soll, um mal ein stündchen nett an irgendeinem zaun mitten im nirgendwo zu plaudern – da brauche ich wohl vorher noch einen lotto.gewinn.
und zeit, unendlich viel zeit.

die neugier ist aber bekanntlich ein hund.
also schau ich mir den link an, den xy mir geschickt hat, zu seiner website.
ich muss gehörig suchen, bis ich ihn dann endlich finde –
tippfehler in links führen leider oft nicht zum gewünschten ziel.
nach einigem herumgetippe finde ich ihn.
seine website entpuppt sich als vorstellung eines mitarbeiters in einem unternehmen.
darunter die vielzitierten kunden.bewertungen.
oh, herr xy hat mir so geholfen.
und
das erste mal fühlte ich mich gut aufgehoben. 
oder
danke, herr xy, für die tolle beratung.
seit meiner erfahrung mit agenturen, die exakt solche bewertungen für 2euro60 verkaufen, weiß ich, was ich davon zu halten habe.
nichts.
und selbst, wenn die bewertungen ehrlich sind, nein danke.
hat mir herr xy nicht versichert, er sucht keine neuen kund/innen, er ist nicht darauf aus, micht zu beraten?
nein, sicher nicht.
der herr xy sucht nur neue kontakte, nein, auf keinen fall neue kund/innen.
natürlich.
wie komm ich nur auf den gedanken?
und mir fällt auf:
der herr xy ist hartnäckig.
immer wieder schreibt er mir, warum ich seine anfrage denn beantwortet habe, wieso und was denn und eigentlich echt.

nein.
ich möchte herrn xy nicht treffen.
nicht nur, weil meine mama mir immer gesagt hat:
triff dich nicht mit menschen aus dem internet, die du nicht kennst.
nein.
ich betrachte mein netz.werk als quelle.
wann immer ich ein schlückchen inspiration brauche, trete ich an die quelle heran und tauche meine hände hinein, erfrische mich und genieße das kühle wasser.
und nicht selten bleiben genau jene tropfen hängen, die ich gesucht habe.
die mir weiterhelfen.
und ich weiß, dass meine kontakte das auch so machen.
so sind alle glücklich und zufrieden.

nur herr xy vielleicht nicht.
aber das macht nichts.
ich muss ich damit abfinden, es nicht allen recht machen zu können.
von wollen möchte ich an dieser stelle gar nicht schreiben.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

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