wenn texten flügel wachsen. | 2

seit anfang 2019 darf ich für den salzburger singer.songwriter somersby song.texte schreiben –
ein spannendes neues projekt, über das ich mich wirklich sehr freue.

anfang november war es dann so weit:
ich stand im salzburger rockhouse und wartete auf das konzert, das mir zeigen würde, wie meine texte in kombination mit musik auf das publikum wirken würden.
und ich muss gestehen:
so hatte ich das nicht erwartet.

einer der songs, an denen ich mitarbeiten durfte, rührte das publikum zu tränen:
gebannt standen die menschen vor der bühne, mucksmäuschenstill, und lauschten den worten des sängers, der unendlich gefühlvoll von einem jungen sang, dessen großer bruder die familie verlässt und damit zerstört.
(reine erfindung, ich hab nicht mal einen großen bruder.)
taschentücher wurden gezückt, da und dort war ein schniefer zu vernehmen –
so viele emotionen, ganz wunderbar!

 

der andere song ist ein liebeslied, mit dem ich mich selbst überrascht habe, weil ich eher fach.frau für morbide und tieftraurige texte bin (leicht erkennbar an obigem text) –
und trotzdem war es gar nicht so schwierig, auch mal romantisch und verträumt zu schreiben.
das publikum war auch bei diesem song voll dabei, ein paar neben mir ließ sich während des songs zu innigen schmusereien hinreißen –
so muss das sein!

 

es ist eine sache, die eigenen texte zu lesen oder von jemand anderem vorgelesen zu bekommen –
aber eine ganz andere, wenn jemand einen text zu einem wunderbaren song verarbeitet und voller emotionen auf der bühne vorträgt.

danke, lieber somersby, für dieses vertrauen!

dem ende nahe.

langsam neigt sich die schreib.werkstatt ihrem ende zu –
die texte werden länger, die finger müde, erste idee sind dabei, zu einem großen ganzen zu wachsen.

ich freu mich wie immer über die begeisterung, mit der meine schreiberlinge bei der arbeit sind, und ich freu mich über die texte, die dabei immer entstehen.
danke!

* * *
die haus.übung diese woche ist folgende:
lies deinen eigenen text korrektur.

jede/r liest den eigenen text, achtet auf die satz.zeichen, die recht.schreibung, auf fehlende worte –
oder auf worte an stellen, an denen keine sein sollen.
und natürlich muss auch auf die logik geachtet werden, damit der text nicht nur im eigenen kopf sinn ergibt.
das macht niemand gern, und es macht auch wirklich keinen spaß –
aber es tut dem text gut!

versprochen!

vom großen ganzen – oder: der wöchentliche stunden.rückblick.

vergangenen mittwoch war halb.zeit:
die hälfte der schreib.stunden liegt hinter uns –
zeit, sich neuem zuzuwenden und das große ganze zu betrachten.

bevor wir in die zweite halb.zeit starten, gab’s diese woche noch ein paar schreib.übungen, einfach um das beschreiben aus einem anderen blick.winkel zu üben.
wir begannen damit, körpersignale zu beschreiben, auf möglichst neue, aber nicht übertriebene art
inspiriert von einem pixi.buch, das ich meinen töchtern immer vorgelesen habe und in dem zu lesen ist:
Otto kocht Wackelpudding. Der wackelt so schön wie Gänsehaut.
ich liebe diese formulierung!

dann haben wir einen brief an ein gefühl geschrieben –
ähnlich wie tagebuch schreiben. in der literatur wird diese übung gerne verwendet, um gefühlen ein gesicht zu geben und sie so persönlicher beschreiben zu können …
die kurzen briefe meiner schreibenden haben mich dann auch wirklich berührt!

und dann ging’s los mit dem großen ganzen.
in den kommenden stunden werden wir an einem längeren text arbeiten, vielleicht an einem, der schon in den fingerspitzen sitzt und frei gelassen werden möchte, oder an einem, der sich erst entwickeln muss.
die haus.aufgabe dazu ist jedenfalls, zu dieser text.idee eine text.skizze anzufertigen, vielleicht auch eine kleine mind.map, und den ersten satz dieses textes zu papier zu bringen, wie wir es schon geübt haben.

ich freu mich schon auf all die geschichten und ideen!

* * *

übrigens:
ein kursteilnehmer hat zur letzten haus.aufgabe – dem text, der nur aus verben bestehen darf – ein liebes.gedicht geschrieben.
ein liebes.gedicht, nur mit verben.

sowas hab ich wirklich noch nie erlebt. das ist tatsächlich ziemlich cool.

 

ein text voller verben. #hausaufgabe

sitzen und schauen.
warten.
einatmen. ausatmen.
seufzen.
und weiterwarten.

ächzend aufstehen.
telefonieren – begrüßen, lachen, reden und zuhören.
auflegen und erkennen:
weiterwarten.
gedulden.

quietschen.
bereitmachen und
einsteigen!
festhalten.
losfahren!

* * *

das ist meine idee zur aktuellen haus.aufgabe in der schreib.werkstatt.

adieu, lieber text, mach’s gut! #AusGründen

meine texte sind ein teil von mir.

in jedem einzelnen stecken tausende gedanken, eine menge arbeit und so richtig viel herz.blut.
nicht jeder text ist toll, viele sind nicht mal gut –
und manche sind so schlecht, dass sie niemals das licht der welt erblicken, sondern im ewigen dunkel dicker notiz.bücher gefangen bleiben.
ein paar aber erfüllen mich mit stolz, zaubern mir ein lächeln ins gesicht.
wirklich? das hab ich geschrieben?
denk ich mir dann und freu mich, dass mir etwas schönes gelungen ist.

wenn der text dann die welt erobern darf, freu ich mich über feedback.
nette nachrichten von menschen, die einen text gut fanden, die mir schreiben, dass sie sich in dem text erkannt haben, dass er sie im herzen trifft.
oder dass sie einen text nicht gut fanden, dass sie keine ahnung haben, was sie davon halten sollen, dass er an ihnen vorbeirauscht und keine spuren hinterlässt.
aus solchen nachrichten ergeben sich immer spannende diskussionen mit oft fremden menschen, meistens lerne ich sehr viel daraus und überdenke, was ich wie und warum geschrieben habe.
oder auch nicht –
je nachdem.

kritik ist nämlich wunderbar, öffnet neue perspektiven und lässt uns unbekannte wege beschreiten –
wenn sie auf wertschätzende weise präsentiert wird, von menschen, die wissen, was sie da kritisieren.
wer selbst schreibt, weiß, wie schwer es sein kann, von einem text abschied zu nehmen, ihn loszulassen und auf seine reise zu schicken –
und in kauf nehmen zu müssen, dass nun jede/r diesen text bewerten wird, vollkommen egal, auf welcher grundlage.
meist versuche ich, solche dinge auszublenden.
doch das ist schwer –
denn gerade die, die einfach mal drauflos kritisieren, sind laut und wild und gar nicht nett …
mit dem unangenehmen neben.effekt:
die kritik bringt mich nicht weiter, raubt mir aber meine ruhe, weil man sich die kritik doch zu herzen nimmt.

wenn ihr also das nächste mal einen text lest –
oder einen song hört, ein selbst genähtes kleidungsstück seht –
dann atmet dreimal tief durch und überlegt:
muss ich’s wirklich belächeln und verbal zerreißen? oder formulier ich meine kritik so, dass mein gegenüber etwas damit anfangen kann?

denn egal ob es sich um einen text, einen song oder ein kleidungsstück handelt:
all diese dinge sind teil von uns –
wenn ihr dieses teil belächelt, belächelt ihr auch uns.

#SeidLiebZueinander!

ver.biegen? tut das nicht weh? (#kolumne)

eine kleine zeit lang war es still hier auf dem blog.
viel war zu tun in der analogen welt –
helfen, so gut es geht, einen text für eine literatur.zeitschrift erdenken und zu papier bringen, den kranken nach.wuchs versorgen, noch mal an dem text arbeiten, generell: arbeiten, und ganz wichtig: die seele baumeln lassen.

dennoch juckt es in den fingern, buch.staben wollen zu wörtern geformt werden, wörter zu sätzen, und sätze zu … naja, sätze eben.
denn nicht immer ist klar, wohin der schreibende weg führt, was daraus wird, ob überhaupt etwas daraus wird.
eins aber ist sicher:
ich schreibe, wie ich eben schreibe.
ich kann es nur so und nicht anders –
sämtliche versuche, es anders zu machen, scheitern – denn dann bin ich nicht ich selbst, es fühlt sich falsch an, als jemand anders zu schreiben, und das ergebnis ist meistens furcht.bar.

und dennoch denke ich immer wieder darüber nach, was ich anders machen könnte.
meistens dann, wenn jemand sagt:
probier es doch mal so.
oder
du schreibst immer so … wütend.
oder
du musst dich mehr in andere menschen hinein.versetzen.

mehr in andere hinein.versetzen?
soll ich lobende artikel über schlager.musik schreiben, weil die mehr.heit der österreicher/innen schlager.musik hört? soll ich die x.te rezension über die tribute von panem und fifty shades of grey schreiben, nur weil diese bücher am meisten leser/innen finden – obwohl ich diese bücher furcht.bar finde? soll ich ins beauty.bloggen einsteigen, obwohl ich null interesse an fashion.hauls oder den nagel.lack.trends dieses jahres habe? soll ich das schreiben, was gern gelesen wird – oder nicht besser das schreiben, was ich gern schreibe?
soll ich brav und nett das schreiben, was jede/r gerne hören möchte, un.aufgeregt und angepasst, nur damit ich vielleicht die masse der menschen da draußen mit dem, was ich mache, abhole?
soll nicht einfach jede/r das erzählen, was unter den finger.nägeln brennt, so, wie er oder sie es am besten kann – weil sich verbiegen immer weh tut, weil nichts gutes dabei raus kommt?

ich finde schon.
schreibt!
schreibt davon, was Euch nachts wach.hält, schreibt davon, was Euch bewegt, was weh.tut, was auszusprechen unmöglich ist. lasst Euch nicht von der meinung anderer davon abhalten, das zu tun, was Ihr liebt, und zwar auf die weise, wie Ihr es könnt –
denn das liest man aus Euren texten heraus.

vergesst die andren –
schreibt einfach!

egal ob wütend oder nicht – denn wütend kann so befreiend sein. (hier nachzulesen.)

oder auch ganz still und leise – weil auch das reiz.voll ist. (lest selbst.)

wer schreiben will, soll schreiben –
und wer lieber singt, der soll eben singen.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

soll ich – oder ist das käse? (#kolumne)

es klingt ja ganz spannend –
schreib einen kurzen text, schick ihn ab, schon bekommst du dein geld.
das kann ja nicht so schwer sein!
also meld ich mich da mal an, schick denen einen probe.text, bekomme die nachricht:
ja, du kannst für uns schreiben!,
suche mir einen auftrag aus und leg los.

eine anzeige, urlaub in einer ferien.wohnung.
kurz mal ein wenig recherchieren, wie schaut’s denn aus in diesem ort –
und schon nach kurzer zeit ist die anzeige fertig.
abschicken und warten, ob der kunde das ok findet.
ja, tut er.
also kann ich mir gleich den nächsten auftrag aussuchen –
wie macht man kindern essen schmackhaft?

bitte recherchieren Sie hier, schreiben Sie dann exakt 400 wörter, fügen Sie die quellen ein, strukturieren Sie Ihren text genau so, bauen Sie diese drei key.words exakt sieben.mal ein und verlinken Sie auf mindestens vier beiträge in unserem archiv.

wow.
das klingt nach einem haufen arbeit.
es soll ja auch gewissen kriterien entsprechen und nicht nur irgendein quatsch sein.
da schau ich mir mal an, was ich dafür bekomme.
oh –
groß.artige sieben.euro.zwanzig.
das ist aber wirklich wenig.
immerhin soll ja nicht nur irgendwas geschrieben werden – der kunde erwartet ja einen neuen, ordentlichen text.
selbst wenn ich zwei solcher texte in einer stunde schaffen sollte, ist der stunden.lohn fast lächerlich.

ich glaube, das ist eher ein (schlecht bezahlter) zeit.vertreib, wenn man mal gar nix zu tun hat.
sollte jemand vorhaben, vom schreiben leben zu wollen – finger weg!

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ein nach.trag:
nach einigen stunden, die ich damit verbracht habe, mit den menschen vom service mails zu schreiben, lasse ich nun meinen account deaktivieren.
für einen 140.wörter.text zu recherchieren, ihn zu schreiben und dann nicht ohne technischen support abschicken zu können, weil das system dort fehlerhaft ist, das ist nicht mal käse, das ist ausbeutung. da kommt man auf einen stunden.lohn von 2.euro.70 – in dieser zeit bespaße ich lieber meine kinderlein, das spart nerven und macht freude.
ich hoffe sehr, dass sich dieses system, an blog.einträge oder texte aller art zu kommen, nicht durchsetzt – das wäre verheerend für alle, die gut und gerne schreiben.
denn ich befürchte, der stunden.lohn wird nicht ansteigen, nein, bei größerer nach.frage wird er wohl in den keller fallen – ähm, also, falls das überhaupt möglich ist.

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© Denis Junker - Fotolia.com

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