das wahre leben | 2

die haus.arbeit ruft.
staub.saugen, wäsche.waschen, fenster.putzen – das übliche eben.
niemand macht es gern, jeder muss es tun.
wert.erhalt, nennt es ihre mutter – damit man auch später noch was hat von der wohnung.
nervig – nennt sie es, auch wenn man später noch was hat von der wohnung.
also sucht sie miss.mutig lappen und eimer, schnappt sich eine zeitung (für die fenster, alter trick ihrer oma) und das allzweck.putzmittel –
und legt los. Weiterlesen

das wahre leben | 1

früh.morgens.
ein leiser, zwitschernder ton kommt vom nacht.kästchen.
war über nacht das fenster offen? hat sich etwa ein vogel ins schlaf.zimmer verirrt?
zusammengekniffene augen, tastende finger, ein leises fluchen –
wo ist das verdammte handy?

dann –
ein druck auf eine taste, das telefon verstummt, sie schließt ihre augen.
ruhe kehrt wieder ein im schlaf.zimmer.
aber nur äußerlich –
innerlich ist sie wach, kann nicht mehr schlafen, eine unruhe hat sie gepackt, die sie nicht mehr loslässt, diese eine un.ruhe, voller angst, etwas zu versäumen.
warum hat das telefon geläutet, es muss etwas passiert sein, irgendwo auf der welt, wie soll sie bitte.schön weiterschlafen, wenn sie nicht weiß, was los ist, sie will ja immer auf dem neuesten stand sein, nachrichten zu lesen ist doch so wichtig, sagt ihre oma immer, aber doch nicht morgens um 5:42, oder?, doch, gerade dann, ihr schönheits.schlaf kann warten, immer auf dem neuesten stand zu sein jedoch kann nicht warten.
genervt öffnet sie wieder die augen.
dreht sich langsam auf den rücken, nimmt das smart.phone in die hand, macht ohne hinzusehen ein paar geübte wisch.bewegungen und öffnet eine app.
das blaue vögelchen des kurz.nachrichten.dienstes empfängt sie, mit einem leisen zwitschern werden die neuesten informationen aus der welt jenseits ihres schlaf.zimmers geladen.
@itsme9876 war heute schon auf der toilette, @deralltagskotzer012 könnte schon wieder kotzen, @1koffeinsüchtigefrau trinkt kaffee (nicht ihren ersten heute), und der @mannamabgrund123xy mag noch immer keine assilanten.
gut zu wissen, einerseits, und kaffee würde ihr jetzt auch schmecken, andererseits.

was gibt es sonst noch neues? das lässt ihr keine ruhe.
ein schneller klick auf das blaue f, schon taucht sie ein in die welt der neuigkeiten.
freundin j macht ihre kinder gerade bereit für den kinder.garten, nachbar w konnte heute nacht nicht schlafen (lag wohl an den intergalaktischen schwingungen, die sein alpha.zentauri.bruder.im.geiste ihm sandte), die bekannte aus dem bauch.tanz.kurs hat schnupfen und nimmt deshalb in dreizehn.minütigen abständen je sieben globuli (die neuesten am markt, muss man einfach haben), und ihre ex war wohl wieder auf einer wilden party – na, die hat’s wohl nötig.

ein kurzer anflug von melancholie ergreift sie, weht längst verdrängte erinnerungen vor sich her wie vergilbten staub und legt sich so schnell, wie er gekommen ist, wieder über ihre noch müden gedanken.
lieber aufstehen. kaffee trinken.
wie ist denn heute das wetter eigentlich? reicht zum aufstehen der dünne morgen.mantel?
einmal wischen, einmal klicken, die wetter.app geht auf.
offenbar ist es heute kalt, höchstens fünf grad, mit verdacht auf schneefall in der nacht.
mist.
auch das noch.
dann doch lieber liegen bleiben.

schnell noch eine message an die welt da draußen:
@zwitscherhännä müde bin ich geh zur ruh #schonwieder

könnt ja jemanden interessieren, was sie so macht –
um 5:57.

***

(weiter.lesen.)

die freuden der virtuellen welt. (#kolumne)

guten tag, mein name ist xy, ich möchte gerne Ihrem netzwerk beitreten.
nett.
aber klar, ist doch heutzutage so wichtig, das eigene netz.werk, das vernetzen der verschiedenen branchen, menschen – und überhaupt.
netz.werken ist das, was früher das tratschen am garten.zaun war – nur ist es jetzt irgendwie cooler, urbaner, just follow the flow.
der größte unterschied zum kaffee.tratsch am garten.zaun ist aber, dass man die gesprächs.partner/innen früher gesehen, ach was schreibe ich denn?, dass man sie früher gekannt hat.
so echt, also mit die hat grüne augen und braune haare und eine warze auf dem rechten kleinen finger.

dieser xy, der möchte dem wunder.ding netz.werk eine neue, persönliche note verleihen, und fragt um ein treffen an.
was bringt denn netz.werken, ohne persönliche aktivität?, fragt er, Sie werden sehen, Sie können nur profitieren, und wenn doch nicht, dann haben wir eine stunde nett geplaudert.
ob er wohl einen garten.zaun hat?
ich wundere mich.
und sage ab.
ich habe etliche kontakte, die ich nicht persönlich kenne, die aber wirklich einmal nützlich sein könnten.
auch welche, die ich noch nie in der analogen welt getroffen habe – die ich aber trotzdem sehr schätze.
und wenn ich mir überlege, wie ich meine kontakte in china oder neuseeland besuchen soll, um mal ein stündchen nett an irgendeinem zaun mitten im nirgendwo zu plaudern – da brauche ich wohl vorher noch einen lotto.gewinn.
und zeit, unendlich viel zeit.

die neugier ist aber bekanntlich ein hund.
also schau ich mir den link an, den xy mir geschickt hat, zu seiner website.
ich muss gehörig suchen, bis ich ihn dann endlich finde –
tippfehler in links führen leider oft nicht zum gewünschten ziel.
nach einigem herumgetippe finde ich ihn.
seine website entpuppt sich als vorstellung eines mitarbeiters in einem unternehmen.
darunter die vielzitierten kunden.bewertungen.
oh, herr xy hat mir so geholfen.
und
das erste mal fühlte ich mich gut aufgehoben. 
oder
danke, herr xy, für die tolle beratung.
seit meiner erfahrung mit agenturen, die exakt solche bewertungen für 2euro60 verkaufen, weiß ich, was ich davon zu halten habe.
nichts.
und selbst, wenn die bewertungen ehrlich sind, nein danke.
hat mir herr xy nicht versichert, er sucht keine neuen kund/innen, er ist nicht darauf aus, micht zu beraten?
nein, sicher nicht.
der herr xy sucht nur neue kontakte, nein, auf keinen fall neue kund/innen.
natürlich.
wie komm ich nur auf den gedanken?
und mir fällt auf:
der herr xy ist hartnäckig.
immer wieder schreibt er mir, warum ich seine anfrage denn beantwortet habe, wieso und was denn und eigentlich echt.

nein.
ich möchte herrn xy nicht treffen.
nicht nur, weil meine mama mir immer gesagt hat:
triff dich nicht mit menschen aus dem internet, die du nicht kennst.
nein.
ich betrachte mein netz.werk als quelle.
wann immer ich ein schlückchen inspiration brauche, trete ich an die quelle heran und tauche meine hände hinein, erfrische mich und genieße das kühle wasser.
und nicht selten bleiben genau jene tropfen hängen, die ich gesucht habe.
die mir weiterhelfen.
und ich weiß, dass meine kontakte das auch so machen.
so sind alle glücklich und zufrieden.

nur herr xy vielleicht nicht.
aber das macht nichts.
ich muss ich damit abfinden, es nicht allen recht machen zu können.
von wollen möchte ich an dieser stelle gar nicht schreiben.

***

© Denis Junker - Fotolia.com

© Denis Junker – Fotolia.com

ge.zwitschere.

zwischen zwei zwetschken.bäumen zwitschern zwei schwalben.
zwangs.läufig.
zwang.haft.
zwangs.neurotisch?

früher einmal,
lang lang ist’s her,
da zwitscherten nur die vögel auf den bäumen.
oder den dächern.
jetzt aber zwitschern alle. oder viele.
manch einer gar!

und auch sinn.wort.spiel wird mit.zwitschern.
vielleicht nicht immer zwischen zwei zwetschken.bäumen.
aber das wär mal eine interessante variante.

zwetschken.teufel.nochmal!