worte sind mächtig. (#kolumne)

letztens wieder, in einem sozialen netzwerk:
jemand wundert sich, wieso ein anderer unter seinem blog.beitrag kommentiert, dass im artikel viele fehler wären und man sich doch hilfe in sachen korrekter zeichen.setzung holen solle.
ein zugegeben etwas verwegener kommentar, vor allem, weil er anonym geschrieben wurde und keinen fehler direkt anspricht.
bei näherer betrachtung des artikels, um den es ging, finden sich dann wirklich ein paar fehler, nichts dramatisches, flüchtigkeits.fehler, die einem im eifer des gefechts schon mal unterlaufen – die man allerdings bei nochmaligem durchlesen des geschrieben entfernen könnte.
(ja, schreiben ist arbeit, das vergessen manche gern.)
aber das ist gar nicht das problem an der sache – immerhin sind kleine tipp.fehler keine große sache, und der artikel, um den es geht, ist nett geschrieben und schön zu lesen.

eine große sache allerdings ist die art und weise, wie mit der kritik umgegangen wird:
fehler seien kein problem, liest man etwa in den kommentaren, sowas läuft unter dem deck.mantel der künstlerischen frei.heit.
nein, tut es nicht, bestes beispiel ist meine klein.schreibung samt punkten mitten im wort: sowas funktionert nur, wenn man alle regeln korrekt beherrscht und damit spielen kann – sonst entsteht nichts außer einem wirr.warr, das niemand versteht. man liest es aus einem text heraus, ob er mit regeln spielt und ob die verfassende person einfach keine ahnung hat.
nicht zu vergessen: es gibt regeln für korrektes schreiben, die man als schreibender mensch zumindest grundlegend kennen sollte. und es ist mir noch immer schleierhaft, wieso man zwei plus zwei ergibt fünf ausbessern darf, ich hofe, das morgen schönes weter ist. aber nicht.
aber auch das ist es nicht, was mich so erschreckt hat, denn daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt – nein, es geht um das eine wort, das immer kommt, sobald jemand einen schreib.fehler anmerkt:
rechtschreib.nazi, wahl.weise auch grammatik.nazi – aber immer mit dem unsäglichen wort nazi als zweiten wort.teil.

wisst Ihr eigentlich, was Ihr da schreibt?

kurz zur erinnerung – so beschreibt wikipedia dieses wort:
Nazi ist ein Kurzwort für einen Anhänger des Nationalsozialismus und wird umgangssprachlich zumeist abwertend gebraucht.
heute ist es vor allem ein wort für menschen, die hitler noch immer toll finden, die gegen flüchtende menschen hetzen, leider sehr oft am untersten (bildungs.)rand der gesellschaft angesiedelt sind und vor allem islam und judentum für das größte übel der welt halten – einfach gesagt.
gerade in zeiten wie diesen sollte man also genau dieses wort nicht unbedingt einfach so mal in die runde schmeißen und sich dabei auch noch toll vorkommen.
es gäb nämlich eine große zahl an alternativen: rechtschreib.polizei etwa, herr ober.gscheit, oder (wie in den kommentaren gelesen) frau duden – um nur ein paar zu nennen. die meisten dieser worte sind auch nicht gerade nett und sagen genau das aus, was eben ausgesagt werden soll – das wort nazi jedoch in so einem kontext zu verwenden, lässt es harmlos erscheinen, man gewöhnt sich daran, und bald schon ist es nichts schlimmes mehr, ein nazi zu sein. ich bin dann eben ein recht.schreib.nazi, jemand anderer ist ein musik.nazi, und ob der kahlrasierte nachbar ein richtiger nazi ist, das ist dann auch schon egal, man hat sich daran gewöhnt.

worte sind mächtig, auch wenn das gerne vergessen wird.
worte können dinge verändern, können eine waffe sein, ein mächtiges schwert gar.
und es gibt regeln für die verwendung von worten, die teil unserer kultur sind, teil unserer bildung – und die ganz offensichtlich vor allem jene nicht beherrschen, die nichts schlimmes daran finden, ein wasch.echter nazi zu sein.
natürlich – kleine fehler, rechtschreib.schwächen, mal ein falscher bei.strich, daran ist nichts verwerflich.
diese fehler aber als persönliches marken.zeichen zu definieren, ist schon ein wenig fragwürdig –

und jemanden einen nazi zu schimpfen, nur weil er einen artikel auf einem blog ohne fehler lesen möchte, zeugt wirklich von wenig haus.verstand.

***

falls die verfasserin des blog.artikels mitliest: ich möchte unbedingt anmerken, dass es in meinem artikel nicht um ihren beitrag geht, sondern um die kommentare dazu – sie selbst hat dieses unsägliche wort nicht verwendet. danke dafür!
(dass sie besagter kommentar verwirrt hat, ist klar – einfach so kritik vor den latz knallen, völlig unkonstruktiv, ist echt ziemlich daneben.)

***

© Denis Junker - Fotolia.com

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